Das andere Feindesland

Da der Herr Lott gerade über die Krankheit Klamottenkauf beim weibischen Geschlecht herzieht (zu bewundern ist das hier Im Feindesland), komme ich nicht umhin da doch ein wenig zu protestieren.

Keinesfalls protestieren möchte ich was unsere überlegene Taktik betrifft, ungefähr gefühlte 3,72 Milliarden Sachen anzuprobieren um dann doch ein Teil aus den ersten 3 zu kaufen, sondern gegen seine Rolle als leidtragender (und taschen- und jackentragender) Begleiter. Denn diese Rolle ist keinesfalls geschlechtsbezogen, oder in irgendeiner Form tragischer als unsere.

Das klingt unglaubwürdig, aber ich möchte versuchen dies zu beweisen:

Vorneweg: ich gehe gern mit Typen einkaufen. Weil: sie haben die angenehmeren Läden.

Ich weiss nicht ob es für die Herren keine Wühltische gibt weil die Besitzer Angst haben dass Blut fliesst wenn Kerl A seinen Ellbogen in das Ohr von Kerl B rammt, oder ob sie einfach der Ansicht sind, dass Wühltische unter der Würde des jagenden Geschlechts sind, aber ich finds eigentlich gut.

Jedenfalls war ich letztens mehrfach mit dem momentanen Mann in meinem Leben Kleidungsstücke kaufen. In einem Geschäft das sich auch ganz herrschaftlich Herrenausstatter nennt. Da ist es super. Es gibt immer genügend Platz, Stühle und sogar Sessel in Nähe der Umkleidekabinen (die unfairerweise sogar grösser sind), auf die man sich bequem fläzen kann um ab und zu zustimmend zu nicken, manchmal wird einem sogar Espresso oder Wasser angeboten. Die Angestellten kennen sich mit der Ware aus die sie verkaufen, können Grössen schätzen und sind wunderbar unaufdringlich.

Seltsam ist aber dass bestimmte Dinge über die zu verkaufenden Artikel an die Begleiterin gesagt werden. Als Beispiel: Farben. Dafür bin ich ja prinzipiell gar kein guter Ansprechpartner, ich finde immer noch schwarz, grau und für die mutigen olivgrün reicht als Farbpalette („Pfirsich ist eine Frucht und keine Farbe!“), aber ok. Es wird also dem Herrn erklärt dass dies ja eine tolle Farbe für die Saison wäre, und der Dame wird erklärt dass es auch sehr sportlich wäre. Als ob die Dame nicht deutlich besser einschätzen könnte wie sportlich der Herr ist. Prinzipiell wird auch immer MIR mitgeteilt wie das Teil zu waschen wäre. Grundsätzlich wird mir mit Strahlemiene erklärt dass die Hose sogar bei 60 Grad waschbar ist. Während ihm gesagt wird wie haltbar die ist. Der Verkäufer guckt in meine Augen und erzählt dass die Jacke unbedingt vor dem ersten Tragen imprägniert werden muss, und in seine Augen wenn er darauf herumreitet wie wetterresistent die Jacke ist.

Erklärt das die Männer zu Wasch- und Pflegegimps? Ja. Ist ok. Aber warum wird automatisch angenommen dass das begleitende Weibchen seine Sachen wäscht, ihn niederknüppelt wenn er mit der neuen Jacke das Haus verlässt ohne! sie vorher imprägniert zu haben? Warum wird mir erklärt dass ich seine neue Bettwäsche ohne Weichspüler waschen soll?

Genau wie die eigentliche Entscheidungsfindung. Dass mein Freund mich fragend ansieht wenn er aus der Umkleidekabine kommt ist ja völlig in Ordnung. Vor allem weil er weiss dass ich bei bestimmten Farben grundsätzlich das Augenbluten simuliere. Aber dass der Verkäufer vor dem ersten Kommentar fragend / abwartend in meine Richtung schaut finde ich bedenklich.

Erklärt das Männer zu Kleidungs-auswahl-Noobs? Ja. Aber spätestens seit der Erfindung des „metro-sexuellen“ Mannes sollte dieses Vorurteil doch weg sein? Oder sind Verkäufer da wie Mütter die auch denken dass der der 35jährige Sohn immer noch unfähig ist sich alleine von etwas anderem zu ernähren als Pizzaservice, Miraculi und Bier aus der Dose? Ich könnte das nachvollziehen wenn die Männer in 3 elegante Grüntöne gekleidet mit zu kurzen Cordhosen gekleidet den Laden betreten, aber selbst dann ist es vermessen.

Nunja, Fazit ist, einkaufen mit Männern ist im Prinzip ja fein, aber würdet ihr bitte den Verkäufern erklären dass ihr die Kleidung zwangsläufig selber wascht? Danke … dann geh ich auch weiterhin gerne mit, trinke Espresso, kreische bei Farben und nicke gönnerhaft wenns gut aussieht.

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