In your eyes is a place worth remembering

Ich habe ein ziemlich schlechtes Namensgedächtnis, ein schlechtes Gesichtergedächtnis und enorme Schwierigkeiten Namen und Gesichter zusammen zu ordnen. Das ist öfter mal nervig und gelegentlich peinlich. Das Hirn ist halt etwas seltsam.

Manchmal trifft man Leute, manche lernt man besser kennen, und lange Zeit ist man sicher dass man sie nie vergisst. Manchmal ist man klüger und ist sicher dass man sie so schnell nicht vergisst. Vergessen tut man aber trotzdem. Was vergessen wir eigentlich zuerst bzw. woran erinnern wir uns länger?

Ich erinnere mich an eine spezielle Art zu lächeln weil im linken Mundwinkel eine kleine Grube entstand, rechts aber nicht. An graugrüne Augen. An die Venen an der linken Hand. An ein Muttermal an der Schulter. An salzigen Geschmack. An „guten“ Geruch. An das Gefühl der Haut. An eine Blinddarm OP Narbe. An das bestimmte Gefühl mit der Hand durch diese Haare zu fahren. An Ruhe. An Optimismus. An grandiosen Sex. An Nasenhaare die mich immer gestört haben. An nicht ganz so grandiosen Sex. An die Art die Zigarette zu halten. An ein oranges T-Shirt. An Euphorie. An absolut ungrandiosen Sex. An Unbeschwertheit. An das Aftershave. An Schuhe. An die Art die Brille hochzuschieben. An Haarflaum am Nacken. Und ich weiss nicht mehr wieviele verschiedene Menschen das nun waren. Einige würde ich nicht mehr erkennen wenn sie mir auf der Strasse begegnen.

Und selbst wenn ich versuche mir Leute bewusst im Gedächtnis zu halten, mit möglichst allen Details und dem Gestambild … im Lauf der Zeit wird aus der Person immer nur Erinnerung. Und die Details verblassen zu Vorstellungen. Vergessen verzerrt das was einmal Wahrnehmung war. Irgendwann ist unklar wieviel von den reinen Daten Wirklichkeit war, die Gesamtmenge aus den Erinnerungen ergibt kein Bild mehr, erst recht keine Person mehr. Es ist nichts weiter als eine Struktur angesammelter Daten.

Ich mochte lange Zeit keine Fotos, auch nicht von anderen Leuten. Ich dachte immer wenn sie es meinem Unterbewusstsein wert sind, nicht vergessen zu werden, brauche ich auch kein Bild von ihnen. Ich mag Fotos immer noch nicht sonderlich, aber ich traue meinem Unterbewusstsein nicht mehr so ganz über den Weg. Aber letztlich hilft ein Foto auch nicht viel. Es ist ein momentanes Abbild einer Person, die irgendwann irgendein Mensch ist den man mal kannte. Spätestens dann, wenn man den Menschen auf dem Bild nicht mehr erkennt, sollte man das Bild wegwerfen. Platz für Neues schaffen.

Manchmal finde ich das vernünftig, manchmal schade und manchmal macht es mir Angst.

I can’t remember what it is that I try to forget.

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