Ach, das Internet

So, Zeit Online hat einen Videoblog von Herrn Jens Jessen hier.

Nun impliziert Videoblogging ja auch eine gewisse Affinität mit den aktuellen Medien und ein gewisses Maß an Verständnis für eben diese Medien. Aber so wie so vieles ist auch dies ein zweischneidiges Schwert. Ich kann mit einem Führerschein und Auto besoffene Kumpels heimfahren, oder alte Leute überfahren. Alles eine Frage der Intention. Und so kann Herr Jessen dem Internet auch viel Schlechtes abgewinnen. Ich musste beim ersten Mal gucken spontan an den Sony Pictures CEO denken „nothing good has come from the internet“

Das Internet befindet sich an einem Scheideweg. Es geht darum ob sich das Internet den rechtlichen und zivilisatorischen Normen der Gesellschaft unterwerfen wird oder weiterhin ein Paralleluniversum mit weitem Raum für kriminelle und halbkriminelle Aktivitäten darstellt

Und wir reden von dem Internet als sozialem Raum. Aha. Da führt er extra seinen Kollegen auf der eine Stadt Metapher verwendet hat. Universitäten, Bibliotheken, Geschäfte, Volksstämme unterschiedlichster Art. Und diese „Stadt“ wird von trüben Winkeln und marodierenden Banden durchzogen.

Mag sein, nun zeige mir bitte jemand eine Stadt in der das nicht der Fall ist. Zeige mir jemand den Ort in dem es keinerlei Kriminalität gibt. Die Stadt in der nie gestohlen wurde, eingebrochen, Gewalt angetan, Würde oder Gefühle verletzt wurden, in der nie jemand in irgendeinem Ausmass diffamiert oder diskriminiert wurde. Muss ich jetzt schnell nochmal 1984 oder Brave New World auspacken um zu zeigen dass es nichtmal da funktioniert hat? Das Ende der Anonymität bedeutet nicht das Ende des menschlichen Fehlverhaltens.

Vielleicht wäre es mal wieder an der Zeit zu betonen dass wir das Netz nicht als rechtsfreien Raum betrachten, das wurde in letzter Zeit ja ganz offensichtlich nicht oft genug klar gestellt. Es ist auch nicht so als wäre das Internet wirklich nur eine Jauchegrube in der die menschlichen Versager sich treffen um dort andere Leute fertig zu machen. Aber es zeigt sich leichter auf Gruppen die im Netz leichter in den Foren zu finden sind als in ihren jeweiligen Wohnorten wo sie weit weniger auffallen. Natürlich ist es einfacher den moralischen Zeigefinger zu heben und eine Sache pauschal ab zu urteilen ohne sich ernsthaft zu fragen wie es wohl kommt dass eine Gesellschaft solche Möglichkeiten ganz offensichtlich will und braucht.

Und positive Aspekte lassen wir in solchen Reden auch mal komplett unter den Tisch fallen. Ich rede auch nicht von den offensichtlichen positiven Aspekten wie den vereinfachten Zugang zu Bildungsinformationen. Ich rede von den Kleinigkeiten wie denen wenn es einer Veronica DeLa Cruz gelingt mit Hilfe von Twitter, und Leuten die ihre Berühmtheit ausznutzen (Trent Reznor, Tony Hawk, etc) über 850.000 USD zu sammeln.

Aber ach, was reg ich mich auf, wer gewillt ist solche Beiträge zu glauben und ernst zu nehmen, verirrt sich nicht hier her und helfen kann man da wohl nicht. Bleibt die Hoffnung dass solche Aussagen weiterhin in Frage gestellt werden und sich niemand von dem Gedankengang ‚oh, die Zeit Online, ja, das muss ein seriöser ernst zu nehmender Beitrag sein‘ einwickeln lässt.

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