Tweetcomedyclub – Rant first, Fun later

In den letzten Tagen habe ich mich öfter über den einen oder anderen Artikel in den Medien geärgert, die speziell die Sinnhaftigkeit der „neuen“ Kommunkationsplattformen in Frage stellen und eigentlich immer den Anschein erwecken, als wollten sie krampfhaft ihre Existenz als ganz offizielle „Journalisten“ verteidigen indem sie Blogger und Twitter User schlecht reden. Eine friedliche Koexistenz scheint in ihren Augen nicht möglich und mir drängt sich mehr und mehr das Gefühl auf, dass eine sich sehr elitär und intellektuell überragend fühlende Gruppe über das ungebildetete gemeine Volk auslässt.

Bisher habe ich diese Artikel die sich über Twitter und Co. beklagen eher belächelt. Die Leute deren Nachrichten ich lese, interessieren mich meist, ansonsten lese ich darüber hinweg. Ich gebe zu Twitter eher als Spammer zu benutzen, aber ich erwarte von den Leuten, dass sie bei mir nicht mitlesen wenn sie das stört. Unfollow ist so einfach …

Und nun sitze ich zum ersten Mal entnervt vor Twitter Messages und stecke in den Dilemma dass ein einfaches Wegschauen nicht hilft.

Vor einigen Wochen hatte der @tweetcomedyclub angekündigt einen Versuch zu starten in dem Comedians live über Twitter performen. Das klang soweit interessant. Die Herausforderung in kurzer Zeit über jeweils 140 Zeichen witzig zu sein, ist sicherlich gross. Zusätzlich besteht das Problem kein Publikum zu haben das direkt reagiert und mit dem man interagieren kann, letztlich müssen die Künstler „ins Leere“ performen. Au fein, dachte ich, das klingt interessant, das seh ich mir an. Ausserdem könnte es mal eine deutliche Pro-Twitter Aktion sein.

Um das Verfolgen leichter zu machen, wurde heute ein Hashtag dafür angekündigt.

Aktuell läuft das, und es läuft leider aus dem Ruder. Tatsächlich wird einem hier der Geltungsdrang des „gemeinen Volkes“ sehr deutlich vor Augen geführt.

Trotz mehrfacher Bitte und Aufforderung der Veranstalter, sind einige der User unwillig sich aus diesem „Kanal“ rauszuhalten. Die einen möglicherweise aus echter Dummheit (also die Form des Unwissens und nicht Wissenwollens) und die anderen aus reiner … ja, nun, Boshaftigkeit? Geltungsdrang? Macht es sie an, dass sie von all den anderen Usern die womöglich nur die Performer lesen wollten, gelesen werden? Geniessen sie möglicherweise tatsächlich mal die Anonymität im Netz? In einer Live Performance fällt man auf wenn man garstige Kommentare Richtung Bühne schreit, man wird angesehen, möglicherweise misbilligend und im schlimmsten Falle sogar des Raums verwiesen. Davor sind sie hier natürlich sicher.

Ruiniert wurde bisher jeder Auftritt, seien es begeistere Retweets die das Hashtag nich weglassen oder Leute die sich auf TweetGrid zuschalten, und das Bedürfnis haben dies zu twittern und somit automatisch das Hashtag benutzen. Zusätzlich zu den Zwischenrufen von verkrampft witzig bis zu schlichtweg beleidigend, gibt es dann auch noch medienbedingte Troll Kommentare. Über die Geschwindigkeit des Tippens eines Performers. Ich fühle mich hier ein wenig als würde ich eigentlich das heise Forum lesen. Ähnlich qualifiziert sind einige der Kommentare auch hier.

Woran liegts? Haben die Journalisten Recht? Ist es unterschwelliger Neid auf den „Ruhm“ der Performer? Ist es die Möglichkeit vergleichsweise anonym endlich mal das Arschloch sein zu können, das man innerlich ist und im realen Leben eher vermeidet weil es zu gewalttätigen Reaktionen führen kann? Vielleicht ein Bedürfnis anderen Leuten Spass zu verderben? Greift man durch hektisches Retweeting Ruhm ab? Tatsächlich werden einige der Kommentatoren vermutlich ständig nebenbei ein Auge auf Replies und Mentions haben, und eine gewisse Befriedigung daraus ziehen wenn sie Retweets von sich sehen oder völlig Fremde sie darauf ansprechen doch bitte nicht ständig dazwischen zu quatschen. Streit und Schimpfen als neue Form der Kommunikation?

Sehr schade das Ganze. Anstatt ein interessantes und stellenweise auch wirklich amüsantes Experiment verfolgen zu können, ärgere ich mich über die User. Nur gut dass ich die danach nie wieder lesen muss, da hätten wir dann wieder einen Vorteil bei Twitter, ich lese sie jetzt aber ansonsten nicht. Es ist eben nicht alles schlecht an den neuen Medien Tools.

Hoffentlich hab ich morgen die Zeit und geistige Ruhe die positiven Dinge an dem Event auch festzuhalten 😉

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