Not quite so fearless after all

So. Wie wars denn nun in der Nahetal Klinik? Naja, es war ok, denke ich. Einiges hätte besser sein können, manches hätte schlimmer sein können. Körperlich gehts mir tatsächlich besser. Geistig, nunja, aber das ist kein Reha Problem, zumindest keines für so eine Klinik.

Ja, das Publikum war gruselig alt. Und darauf ist die ganze Klinik ausgerichtet. Ich sag nur Roger Whitaker Double, Tanzmusik, Lichtbildervortrag Südtirol, etc. Das was die als „hohe Belastungsstufe“ benennen, bringt wohl wirklich nur untrainierte 50+ ein wenig ins Schwitzen.

Hochgradig unfair ist die Sache mit dem Aufstehen, für mich widersprechen sich frühes Aufstehen und Entspannen einfach. Die Betten sind, ähem, ja, sehr gewöhnungsbedürftig. Die Fernseher sind, sagen wir, drollig. Die Mitarbeiter sind prima. Hilfsbereit, entgegenkommend, bemüht. Und ein wenig zu sehr an hilflose unmündige Menschen gewöhnt. Der Kaffee hat den Namen nicht wirklich verdient, und meistens wird Gewürz an den Speisen vorbeigetragen. Aber über Auswahl und Varianz kann man nach 3 Wochen nicht ernstlich maulen. Nur über die Essenszeiten. 3x am Tag zu fürchterlichen Uhrzeiten, aber manche sind das vllt auch so gewohnt. Ernstlich beschweren kann man sich eher über die Gefahr, der man sich am Buffet aussetzt. Selten hatte ich soviel Angst vor Gehhilfen, wie in den Momenten als sich eine – zugegeben langsame – Stampede an geh-beholfenen Senioren in Richtung Essen bewegt.

Aber hey, das Leben ist kein Ponyhof, kein Wunschkonzert und auch kein Wunschfilmprogramm. Denn wenn es das wäre, wäre ich gar nicht dort gelandet. Oder ich wäre zumindest nicht in extrem schlechter Laune dort weggegangen. Ich hätte nicht das Gefühl jetzt kränker zu sein, als ich war bevor ich dort hingefahren bin. Dank der geballten Überinformation, fühle ich mich jetzt „sensibilisierter“ als wirklich gut für mich ist. Was wurde aus dem guten alten „ahjo, tut weh, hört sicher wieder auf, ansonsten geh ich nächste Woche mal zum Arzt“ oder „au, Schmerzen, naja, vielleicht wachen meine toten Nerven jetzt wieder auf„. Nein, jetzt ist es „hm, fühlt sich dicker an, hat sich da Gewebsflüssigkeit angesammelt?“ und „oha, zieht, und es ist nicht die Haut, sollte ich das mal dem Arzt sagen“ und „ouch. das sollte gar nicht weh tun oder?“ Dinge, die die Welt nicht braucht.

Ach, und wenn nochmal jemand was erzählt von abnehmen, nicht rauchen, kein Alkohol, bekomme ich einen Anfall. Frauen senken ihr Brustkrebsrisiko wenn sie am Tag nicht mehr als 0.1l Rotwein zu sich nehmen (das ist nichtmal für den hohlen Zahn!!), Frauen senken ihr Risiko auf ein Rezidiv wenn sie einen „gesunden“ BMI haben. Studien haben gezeigt dass Frauen, die sich gesund ernährt haben, bla bla bla, statisches Rauschen. Ich könnte mir das Bein brechen und der Arzt würde sagen „hören sie auf zu rauchen, ernähren sie sich gesünder, treiben sie mehr Sport und nehmen sie ab“

Ausserdem lag mir ja die viel zu junge Psychodame in den Ohren, mir eventuell doch mal einen ambulaten Therapeuten zu suchen. Anderseits hat sich mich auch als stabil bezeichnet. Ha! Stabil, my ass …

Extrem lolig war die Situation als ich lesend unten sass, laut lachte (über den Text in dem Buch halt) und eine – ich glaub sie war Psychiaterin – auf mich zuschoss, es für nötig hielt mich am Arm zu betatschen und mir zu erzählen wie toll sie es findet, dass ich hier lache, und dass ich so schön gelacht hätte. So what? Das Buch war witzig. Was für eine Botschaft übermittelt man, wenn man hervor heben muss wie schön es ist, das jemand lacht?

All dem zum Trotz gehe ich nächstes Jahr vermutlich wieder hin. Bis dahin habe ich hoffentlich auf die eine oder andere Art wieder zwei Titten, und schaffe es vielleicht dass nicht wieder Winter ist, wenn ich dort bin. Liegt leider nicht in meiner Hand, aber wir werden sehen. Immerhin weiss ich dann was mich erwartet, und werde vielleicht weniger zugetextet, bzw. kann es dann besser von mir fernhalten.

Kurzfazit: Therapieziel „sich gesünder fühlen“ failed. Es bleibt das Gefühl sich mehr Gedanken und Sorgen um den ganzen Scheiss machen zu müssen, als ich es bisher getan habe. Epic fail quasi.

(Title ref: Tweaker, After All)

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