Kopierschutz in den Zeiten der Tapes?

 

Weiss noch jemand ob es das damals gab? Also so post-Vinyl und pre-CD? Als man noch Lieder aus dem Radio aufnahm und wild fluchte wenn der Moderator die letzten paar Takte schon reinfaselte. Oder noch schlimmer, mittendrin unterbrochen wurde weil auf der A7 Richtung Bla zwischen Kreuz Blubb und Blabla ein LKW querstand.

Als man die Best-of Compilations noch selber aufgenommen hat und ein Best-of AC/DC wirklich das persönliche Best-of war und nicht die 13 meistverkauften Singles. Als man sich noch für die Spieldauer der Lieder interessiert hat, als man sich noch ernsthafte Gedanken um Reihenfolgen machte.

Als die Zeit der Doppel Tapedecks anbrach. Und man ohne jedes Nachdenken Audio Kassetten kopiert hat, für die Freundin, den Kumpel, für die Fahrt im Auto … Als man gekaufte Audio Kassetten noch brutal überspielt hat weil man den „Lösch-Schutz“ mit Klebeband umgehen konnte. Als man noch mühselig die Tapehüllen beschriftet hat, mit Tracklisting, Laufzeit, und alberner gemalter Deko. Als man für Parties noch Kassetten aufgenommen hat. Mit viel Mühe, Fluchen, Schimpfen und Aufwand.

Hat damals die Musikindustrie auch schon gejault? Und wir haben es nur nicht gehört weil wir damals keine Zeitung gelesen haben, kein Twitter uns davon erzählt hat und noch keiner wegen seinen 230 Tapes festgenommen wurde?

Oder hat das damals noch keinen gestört? Ich weiss es wirklich nicht mehr. Würde mich aber schon irgendwie interessieren. Kopierschutz gabs damals ja nicht? Gefühlt ging das Problem erst mit den Audio CDs los. Aber vielleicht wurde auch einfach mein Gedächtnis mit dem Alter schlechter …

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4 Gedanken zu “Kopierschutz in den Zeiten der Tapes?

  1. Ja, gejault hat die Musikindustrie schon immer. Es wurde auch damals schon in der Presse daüber berichtet. Nachzulesen hier in „Bravo“ und „Spiegel“ aus dem Jahr 1977 (sehr amüsant aus heutiger Sicht):http://cliphead.wordpress.com/2010/04/12/sind-leer-cassetten-der-tod-der-schahttp://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40915958.htmlDie Argumente waren den heutigen bereits sehr ähnlich. Und man darf nicht vergessen, dass auch damals schon der Kaufpreis einer Leercassette immer einen GEMA-Aufschlag hatte. Vor allem aber, weil damals nicht nur die Musikindustrie, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auch die Kassettenaufnahmen mehr oder weniger gejault haben, sprich: weil mit jeder (Analog-)kopie immer auch ein Qualitätsverlust einherging, hat man sich seitens der Musikindustrie mit dem Problem des Scharzkopierens wohl eher abgefunden als heute. Denn: Nein, einen echten Kopierschutz gab es zwar nicht, aber der besagte Qualitätsverlust stellte de Facto einen Quasi-Kopierschutz dar, so dass man als Musikfan nicht am Erwerb der Schallplatte vorbeikam, wenn man Wert auf langanhaltend unverfälschten Klang legte. Die einzige Möglichkeit, kostenlos Musik in einigermaßen guter Qualität zu Hause mitzuschneiden, ohne die Platte zu besitzen, war das Radio. Und auch hier war fast immer durch das Hineinreden des Moderators ein Quasi-Kopierschutz gegeben (ein Vorgehen, das damaligen Gerüchten zufolge von den Radiosendern genau zu diesem Zweck praktiziert wurde).Deshalb haben wir als qualitätsbewusste „Musik-Kopierer“ dem Kopieren vom Tonträger immer den Vorzug gegenüber dem Radiomitschnitt gegeben. Schließlich konnte man sich Schallplatten, und später auch CDs fürs Überspielen (wir hatten noch keine Computer mit CD-ROM-Laufwerken) relativ günstig ausleihen.Überhaupt war gößtmögliche Qualität im Analogzeitalter immer ein großes Thema (jedenfalls für mich). So gab es eigentlich keinen Grund, vorbespielte MCs mit Klebeband zu präparieren, um sie neu zu bespielen. Die Bandsorte war meistens ungeeignet, und das Übersprechen des vorherigen Inhalts, der sich nicht vollständig löschen ließ, noch bemerkbar. Tapedecks konnten gar nicht teuer und ausgefeilt genug sein, um möglichst brillante, rauscharme und gleichlaufende Aufnahmen (mit Bandeinmessung, sorgfältigem Aussteuern, Probeaufnahmen, Dolby usw.) zu erzielen. Von daher standen auch Doppel-Tapedecks in Verruf. Nicht nur dass durch das Kopieren einer (eh schon schlechten) Quellkassette ein weiterer Verlust entstand: Es bestand auch der Verdacht, dass die Hersteller durch den Einbau zweier Tape-Laufwerke in einem Gerät, welches am Ende kaum teuerer war als ein Einzel-Tapedeck, an der Qualität einzelner Bauteile gespart hatten. Also lieber aich zwei hochwertige Einzel-Decks anschaffen.Jaja so war das…

  2. zum Glück war ich damals noch so jung und unbedarft dass mich das mit der Qualität damals noch nicht gestört hat, meine Geräte waren eh so billig dass selbst eine Original Audio Kassette immer mehr gerauscht hat als sonst irgendwas.Mit der CD gingen mir damals quasi die Ohren auf 🙂

  3. Natürlich habe ich zuerst auch mit entsetzlich minderwertigen Billig-Geräten meine Kassetten aufgenommen (das war eine CTX-Kompaktanlage mit Doppel-Kassettendeck). Da saß ich dann als Jugendlicher manchmal Freitag abends bei „Die Schlager der Woche“ auf Bayern 3 mit dem Finger auf der Pausentaste ;-)Später habe ich dann eine halbwegs hochwertige Hifi-Anlage inkl. meines ersten CD-Spielers gekauft. Und klar gingen uns mit der CD die Ohren auf. Aber CDs in größeren Mengen zu kaufen war indiskutabel. Computer, mit denen man CDs auf die Festplatte rippen konnte, waren für uns 1994/95 noch weit entfernt jeder Vorstellung, ganz zu schweigen von Begriffen wie MP3 und Internet.Also haben wir CDs halt ganz klassisch auf Kassetten überspielt. Und das Ergebnis sollte sich nachher natürlich wenigstens annähernd so anhören wie auf dem Original. Ein Bestreben, das aber bei Vinyl schon genauso vorhanden war, nur vielleicht noch nicht so ausgeprägt.Übrigens das mit den Spieldauern und das mühselige Hüllen-Gestalten ging noch eine Zeitlang weiter, als man endlich in der Lage war, CDs selbst zu brennen.

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