Die neunte Kunst oder ein kurzer Anfall von Lokalpatriotismus

Neuntekunst

Das ist mir fast unangenehm, ich neige ja eigentlich gar nicht dazu Würzburg irgendwie super zu finden. Abgesehen von der Fruchtbar, dem Umsonst & Draussen, dem Poetry Slam, dem Kaffee im Mozart … ähem … ja gut, ich schweife ab…

Nun gut, dann war ich jedenfalls gestern in der Orangerie, um mir einen Vortrag von Marco Behringer anzuhören, der einen kurzen Abriss über Kunst und Comics hielt. Das ganze lief unter dem Thema die neunte Kunst. Achja, die anderen acht Künste sind

  • Architektur
  • Bildhauerei
  • Malerei
  • Tanz
  • Musik
  • Poesie
  • Kino
  • Fernsehen

Und dank Francis Lacassin eben die neunte, der / das Comic.

Der Vortrag war insgesamt interessant, ich fand ihn stellenweise etwas holprig und hätte mir etwas mehr Tiefe gewünscht. Gerade bei dem Herausgreifen der einzelnen Künstler, die er vorgestellt hat, wäre etwas mehr zeitlicher Kontext vielleicht wünschenswert gewesen. Das Gegenüberstellen von Einzelpanels und mehr oder weniger bekannter Kunst war nun … vielleicht fragwürdig. Aber da er sich dabei nur auf die stilistischen Vergleiche bezogen hat, auch wiederum ok.

Insgesamt hätte mir auch etwas mehr Chronologie geholfen, z.B. wann fing das überhaupt an mit den Comic Strips in Zeitungen? Aber ok, das Publikum bestand auch aus Leuten mit teils mehr Ahnung, und er hatte ja nun auch nicht ewig Zeit.

Aber hey, das schöne an dem eigenen Blog ist, dass ich eben nicht objektiv sein muss. Daher also ganz offiziell: den Vortrag fand ich insgesamt bissi enttäuschend. So.

Für die Diskussion wäre einfach mehr Zeit nötig gewesen. Die Mischung aus Dealer, Verlag, Kunsthistoriker auf der Bühne war gut gewählt. Zeit war einfach knapp. Bissi Licht würde der Orangerie auch nicht schaden 😉

Nach dem Abbruch draussen, fand ich es etwas vermessen dass einer der Besucher sich über Halblaien äusserte, das klang leider so als hätten wir Hobbykonsumenten, die wir uns nicht bei jedem Comic den wir mögen sofort in die Hintergründe verbeissen, weniger Recht auf Meinung. Da er dann jedoch sehr rechtfertigend wurde, habe ich ihn entweder misverstanden oder er hatte einfach nicht mit Gegenwehr gerechnet. Aber sorry, jeder hat ein Recht auf Meinung, und jeder bildet diese Meinung auf dem was er kennt. Und sorry, KEINER kann von sich behaupten die Weisheit mit Löffeln zu sich genommen zu haben. Sicher, manche interessieren sich mehr, kümmern sich mehr, und wissen somit mehr. Und ich für meinen Teil würde nie behaupten, viel über Comics zu wissen. Hab aber trotzdem Meinungen darüber. Und freue mich auch immer andere Meinungen zu hören, und dabei auch noch mehr Infos zu kriegen.

Na gut, ich wollte hier keinen Rant schreiben. Schulligung.

Es wurde letztlich nicht zufriedenstellend geklärt warum Deutschland im Vergleich zum „Rest der Welt“ so ein schlechtes Verhältnis zu Comics hat. Und was man dagegen tun kann.

Also einfach nur kurz mal danke an die Organisation, und ich hoffe dass der Eindruck zurückgeblieben ist, dass man Events in dieser Richtung öfter machen könnte. Und sollte. Das Interesse ist klar vorhanden.

Und danke für die lecker Crepes vom Wunschlos glücklich! (Da ist übrigens glaube ich demnächst Bube, Dame, Ritter Lesung)

Die Jungs vom Hermke verlinke ich jetzt nicht schon wieder, langsam müsstet ihr das wissen :p

Nachtrag:

Dass die deutschen Jungs, die gestern genannt wurden so erfolgreich waren, liegt mE auch an der Thematik. Die Deutschen wurden irgendwie auf soviel Pragmatismus und Realitätsnähe getuned, da lässt sich einfach mit Schwulen oder Motorrädern mehr identifizieren als mit dem Heile-Welt Programm der Superhelden Comics, die lange Zeit eher in einfachen gut-böse Welten lebten oder aber auch mit den eher unkonventionellen französischen Comics.

Der Einstieg ist auch einfacher bei der Ansage „da gehts um Mopeds und biersaufende Jungs, die die Bullen verarschen“ als mit „Ja nun, der wurde mal von einer Spinne gebissen, und rettet jetzt die Welt und versucht ein Mädchen zu beeindrucken“ Klingt jetzt komisch, aber ich glaube Lesen als Realitätsflucht so wie ich das betreibe, scheint manchmal eher verpönt zu sein.

Und ja, auch ich glaube ohne Goethe, Schiller, Kafka und Hegel hätte sich die Comic Kultur hier anders entwickeln können.

So, jetzt hör ich aber auf.

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