Wir sind blöde?

Eigentlich wollte ich faul und nichts Böses denkend in der Badewanne liegen. Dann habe ich faul in der Badewanne gelegen, meine Gedanken schweiften ab und ich war übellaunig. Das müsst ihr jetzt ausbaden.

Es gibt viele Sätze, die mit „wir sind“ anfangen dürfen. Wir sind verheiratet. Wir sind Geschwister. Wir sind Erzfeinde. Wir sind hungrig. Wir sind König (tritt ja auch nicht mehr so häufig auf). Wir sind gegen ACTA. Wir sind etwas ratlos. Viele Sätze, ganz viele.

Es gibt aber auch Sätze, die dürfen nicht mit „wir sind“ anfangen. Zum Beispiel: Wir sind Papst. Wir sind Europameister. Wir sind XY Gewinner.

Das stimmt so nicht, ein paar Leute dürfen einen Teil der oben aufgeführten Sätze sagen. Fussballer, die bei der EM gespielt haben, ihre Trainer, der ganze enorme Orga Apparat darum rum. Leute, die XY gewonnen haben, meinetwegen noch ihre Coaches, Assistenten, whatever. Der Papst. Der sagt dann aber bitte „Ich bin Papst“ (oder gibt es einen päpstlichen Plural?)

Alle anderen dürfen das aber nicht. Und sollten es auch nicht. Ich hab das Prinzip Lokalpatriotismus noch nie verstanden. Nehmen wir das „Wir sind Papst!“ Ich weiss nicht mehr welcher Zeitung wir das zu verdanken haben, aber was um aller Päpste willen, soll das? Was ist das wieder für ein dämliches wir? Ja, er ist aus Deutschland, aus irgendeiner Stadt, aber selbst diese Stadt ist nicht Papst, und ich schon gleich gar nicht. Ebensowenig alle Atheisten, Agnostiker, Evangelischen, anderweitigen Christen, Schwule, Lesben, Moslems, Juden, Hindus, Buddhisten, etc etc. Und hey, manche wollen auch gar nicht Papst sein.

Ok, das zählt jetzt vielleicht nicht, weil uns eine Zeitung das aufgedrückt hat. Nehmen wir Fussball. Was hat irgendjemand dafür getan dass Deutschland im Jahre XY mal Europa- oder Weltmeister war? Ausser den Spielern, ihren Trainern, … also wirklich von den Leuten die sich nur ganz doll gefreut haben? Nüscht. Vor dem Fernseher gesessen, Bier getrunken, Fernseher angebrüllt, aktiv beigetragen haben sie nichts, trotzdem sagen sie „Wir sind Blameister“.

Oder hier, Würzburg. Dirk Nowitzki war hier, als er MVP wurde. Yay. Da gab es auch massig Leute, die schon ganz schön stolz waren. Warum? Haben sie den Dirk als Kind zum Training gefahren? Haben sie dafür gesorgt, dass er wächst als ob es kein Morgen gäbe? Haben sie ihm gut zugeredet wenn er mal gar keinen Bock mehr hatte? Was soll dieser Mist?

So wenig wie ich einsehe, dass wir uns über 60 Jahre später noch für Dinge entschuldigen müssen, die Vorfahren verzapft haben (ich rede von entschuldigen, nicht von Vergessen!), sowenig sehe ich ein, dass wir stolz darauf sein können, dass in diesem Land, dieser Stadt, etc. irgendjemand etwas mehr oder minder Tolles geschafft hat.

Ich hab mir nicht ausgesucht Deutsche zu sein, ich hab nix dagegen getan (ich bin nicht ausgewandert), ich wurde importiert, und auch jene die hier geboren wurden, haben einen Scheissdreck dazu beigetragen Deutsche zu werden.

Und jeder der rumläuft „Wir sind Deutschland“ möge mal bitte eben die Luft anhalten, überlegen was er damit aussagen will und was er dafür tut dass dieser Satz etwas positives hat. (Und jeder der mir jetzt mit dem Mangel an geschlechtsneutraler Sprache kommt, darf mir mal meinen weiblichen Rücken runterrutschen)

 

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