Definitionsfragen, Teil 2

Zuerst: danke für die ganzen Antworten, ich komme näher 🙂

Ok, freie Wahl. Ist wichtig, und noch nicht so frei wie man wohl meinen möchte. Gerade die Diskussion über Mütter und ihre Möglichkeiten hatte ich kürzlich erst mit einem Bekannten. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, wie gerade die Optionen sind mit KiTa etc. Mir kommt es teilweise so vor als würde die Wahl schon im Vorfeld erschwert aufgrund gesellschaftlicher Regeln. Ich kenne in meiner eigenen Altersgruppe (30-40) Frauen, die der festen Überzeugung sind, Frauen sollten zuhause bleiben bis ihr Kind in die Schule geht. Es fallen zwar keine Worte wie „Rabenmutter“, aber es geht in die Richtung.

D.h. einerseits gibt es die Fraktion, die verlangt dass die Mutter das Kind quasi sofort weggibt und Vollzeit arbeitet, und anderseits die Fraktion, die erwartet dass Mutter das Kind bis zum Alter von 6 oder 10 zuhause betreut. Die Diskussion find ich blöd, denn was geht es uns an, was die Familie will oder sich leisten kann? Aber wieviel hat das mit Feminismus zu tun? Geht es hier nicht ein Stück weit um die allgemeinen Schwierigkeiten sich gegen Erwartungen von aussen durchzusetzen?

Und ich möchte bitte gar nicht erst über realitätsfremde Ministerinnen reden, die noch weniger Ahnung als ich von dem Leben als Durchschnittsmutter haben!

Ok, anderes Thema, mein Erleben von diskriminierenden Situationen. Ich wurde vor gut 10 Jahren mal gefragt „sag mal stört es dich nicht die einzige Frau unter den Programmierern zu sein?“ Ich hatte kurz gestutzt und gesagt „nö, wieso?“ Es hatte mich nicht gestört, die Dev Jungs haben mich nicht anders behandelt, ich hatte da nie drüber nach gedacht. Mit der Frage dieses neuen Projektleitungskollegen habe ich dann mal drauf geachtet um festzustellen, dass die anderen Kollegen sich eigentlich nicht anders verhielten, der neue jedoch tatsächlich bevorzugt zu den Jungs ging.

Das hatte ich dann als einmaliges Problem abgehakt, der war eh etwas doof und mir nur recht, dass er mich nicht belästigte. Vor dann nicht ganz so vielen Jahren hatte ich einen Kollegen, der recht deutlich machte, dass er Frauen in dem Beruf für unangemessen hielt.

So ganz ernst genommen habe ich das nie, dummerweise hatte ich nämlich im Laufe meiner „Karriere“ einen grösseren Anteil Mädels getroffen, die gerne mal ihren Mädelsbonus ausgespielt haben und in Fällen von Problemen mal das hilflose kleine Mädchen gespielt haben. In dem Kontext fand ich es nicht weiter verwunderlich, dass die Kerle sich ähnlich blöde verhielten wie die Mädels.

Erschwerend kommt hinzu dass ich aufgrund meiner sozialen Skills es Leuten eh nie so richtig leicht mache.

Um Missverständnissen vorzubeugen: ich lehne Feminismus nicht ab.

Ich kenne nur leider eben auch die Sorte Frauen, die keine Probleme haben zu behaupten, dass sie auch problemlos bei Sun unterkämen (und zwar aufgrund der Frauenquote und nicht aufgrund ihrer Kompetenzen!), Frauen die ausnutzen dass sie eben mal das Mädchen spielen können um Hilfe zu bekommen. Und sorry, die sehe ich teilweise als grösseres Problem als die Männer. Zumindest mir persönlich stehen die mehr im Weg bei dem Versuch aufgrund von Kompetenz und Wissen akzeptiert zu werden.

Und ich kenne auch Frauen, die das Gender Paygap gerne mal beklagen, und selber gerne hätten dass ihr Chef ihnen freiwillig Geld nach trägt. Sorry, in der Firma in der ich tätig bin, gibt es keine festen Gehaltserhöhungen. Wer mehr will, muss dafür sorgen, dass das passiert. Und zwar nicht durch niedlich sein, auch nicht durch „dicke Hose“ machen, sondern durch Leistung und sachliches Verargumentieren dieser Leistung. Das hat in dem speziellen Fall nichts mit Ellbogen zu tun, sondern eben mit freier Marktwirtschaft, geschäftlichen Interessen und Erwartungen, die auch der Realität entsprechen müssen.

So, das reicht vorerst mal, für’s Protokoll sei nochmal erwähnt, dass es sich hier um subjektive Erfahrungen handelt und ich keinesfalls so tun möchte als gäbe es die Diskriminierung nicht.

Eigentlich will ich nur versuchen zu erklären wo ein Teil meines Verständnisproblems dafür liegt. Daher: erklärt on my dears 🙂

Dieser Beitrag wurde unter text abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Gedanken zu “Definitionsfragen, Teil 2

  1. Zur Kinderbetreuung

    Du ziehst da ein paar klitzekleine falsche Schlüsse, und zwar… Wahlfreiheit zu wollen bedeutet eben gerade nicht, die bestehenden Möglichkeiten abzulehnen. Es bedeutet noch nicht mal, die neu entstehenden Möglichkeiten in Anspruch nehmen zu wollen. Und es bedeutet schon gar nicht, anderen vorschreiben zu wollen, wie sie ihr Kind betreuen oder betreuen lassen.

    Die staatliche Kinderbetreuung ist nicht soweit ausgebaut, die Wahlfreiheit zu gewährleisten. Bis 2013 sollen für ein Drittel der unter Dreijährigen Kita-Plätze zur Verfügung stehen. Viele Frauen haben also nicht die Wahl, ihr Kind von Anfang an betreuen zu lassen.

    Es mag sein, dass es diese unterschiedlichen Fraktionen gibt: Die einen, die finden, Mütter sollten zu Hause bleiben, bis ihr Kind in die Schule kommt, und die anderen, die meinen, Mütter sollten ihr Kind sofort fremdbetreuen lassen. Da wäre dein Einwand „Was geht es uns an?“ zwar ein völlig berechtigter, nur beim Feminismus an der falschen Adresse.

    Feminist_innen finden nur, dass es die Wahlmöglichkeit geben muss. Wenn die Möglichkeit nicht da ist, ist das potentiell einschränkend, weil man sich eben nicht frei entscheiden kann. Es gibt viele Feminist_innen die Stay-at-Home Mütter sind. Ziel feministischer Politk ist nicht, Lebensentwürfe zu bewerten oder anderen reinzureden. Aber konservative Rollenverteilung wird gefördert und wer anders leben will oder muss, ist oft eingeschränkt.

    Und es ist ein ganz verbreitetes antifeministisches „Argument“, Fremdbetreuung zu diskreditieren und Mütter, die ihr Kind früh „abgeben“ (das Wort ist ja schon abwertend) als Rabenmütter und ähnliches zu bezeichnen. Und da ist, finde ich zumindest, ganz klar erkennbar, wer wem in den Lebensentwurf reinredet und den eigenen als den besseren darstellt.

    Und kleine Randbemerkung: Du schreibst mehrmals Mütter wo eigentlich Eltern angesprochen sind, und in der Diskussion, über die du berichtest, ist auch nur von Müttern die Rede. Dass man die Väter so leicht übersieht als auch an einer Entscheidung „weggeben“ vs. zu Hause bleiben beteiligt, liegt ja gerade an überholten – weil stark einschränkenden – Rollenbildern, die der Feminismus überwinden will und bestätigt, wie stark in Deutschland dieses überhöhte Mutterbild präsent ist, bei dem zu Hause bleibende Mütter als Ideal gelten, „weggeben“ verpönt ist und Väter gleich ganz übersehen werden.

    // Fortsetzung folgt…

  2. Zum „Mädels-Bonus“

    „Mädels-Bonus“ gäbs gar nicht ohne Sexismus. Überleg mal, warum du „sich dumm stellen, um Hilfe zu bekommen“ überhaupt „Mädels“-$irgendwas nennst. Das ist die Seite des Sexismus, wo Frauen ausnahmsweise mal profitieren können davon, dass ihr Geschlecht über genau solche Zuschreibungen von Schwäche und Hilflosigkeit abgewertet wird. Die Frau bestätigt dann „nur“ ein vorhandenes Vorurteil. Ist natürlich Mist, weil es genau dieses falsche Geschlechterstereotyp verfestigt. Und wenn mal wirklich eine bei ihrer Arbeit nicht weiterkommt, fällt das auch wieder auf die gesamte Frauenwelt zurück.

    Zu Quoten

    Frauen, die behaupten, aufgrund Frauenquote und nicht Kompetenz Jobs zu bekommen haben die Frauenquote nicht richtig verstanden. Die stellt gleich qualifizierte gleich und bevorzugt nicht weniger qualifizierte bloß weil sie Frauen sind. Das ist ja oft der Trugschluss, dass angenommen wird, wo Frauen bis zum Erreichen der Quote bevorzugt eingestellt werden, würden Männer diskriminiert. Dabei wirken Quoten nur vorhandenen Benachteiligungen entgegen. Ein de facto paarundneunzig Prozent Männeranteil in den Chefetagen erklärt sich z.B. nicht durch das Fehlen qualifizierter Frauen.

    Zum Gender Pay Gap

    „Wer mehr will, muss dafür sorgen, dass das passiert (…) durch Leistung und sachliches Verargumentieren dieser Leistung“. Sorry, aber das ist ein ganz verbreiteter Trugschluss, dass Frauen am Gender Pay Gap selber schuld wären. Du hast ja Recht, wenn du schreibst, das ist freie Marktwirtschaft, aber genauso der freien Marktwirtschaft geschuldet ist, dass für Arbeitskraft nicht gerne mehr ausgegeben wird, als nötig. Durchschnittlich 8% weniger für Frauen, wo gleicher Lohn für gleiche Arbeit gelten sollte, ist nicht einfach deshalb fair, weil Frauen in Gehaltsverhandlungen zurückhaltender sind. Oder glaubst du wirklich, Frauen liefern um den im Gender Pay Gap festgeschriebenen Prozentsatz schlechtere Arbeit?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s