Warum ich nicht zur Feministin tauge

Da ich mich ja seit einiger Zeit mehr mit dem Thema befasse, kommt es mir in letzer Zeit öfter ein wenig so vor, als ginge es da für meinen Geschmack zu schwarz-weiss zu.

Es wird sich z.B. beklagt dass Medien zu wenig auf die Frauen zugingen um sie als Autorin zu gewinnen. Ist es jetzt Aufgabe der Magazine, oder ist es Aufgabe der interessierten Frauen Artikel zu stellen? Vielleicht bin ich auch zu tippfaul veranlagt um kein Problem in dem „Autor werden“ zu sehen. Ich weiss, dass im Java Magazin durchaus gelegentlich Artikel von Frauen drin sind. Ich achte jedoch nicht darauf, es geht mir um die Inhalte, bei denen ist es mir dann egal ob ein Mann oder eine Frau die geschrieben hat. Wichtig ist mir, dass sie hilfreich sind und mir neue Infos vermitteln.

Genauso ist es mir egal ob auf Conventions Speaker, oder Speakerinnen sind. Inhalte! Soll ich jetzt vom Java Mag erwarten, dass sie Frauen explizit einladen? Ganz ehrlich, ich glaube die freuen sich wenn eine Frau ihnen interessante Artikel liefert, genau wie wenn es ein Mann tut.

Sollten wir als Frauen erwarten, dass die Industrie uns explizit anspricht? Ich fühle mich nicht ausgelassen bei den jetzigen Formulierungen. Klar, so idiotische Spots wie der mit den Girl Science waren völlig ohne Frage unterirdisch schlecht, das war sowohl Frauen als auch Männern klar.

Ich habe immer noch Schwierigkeiten mit dem Anspruch der Gleichstellung, denn von den Zwischentönen kommt es mir oft vor als sei ein Stück weit eine spezielle Behandlung gefordert, das irritiert mich. Ausserdem habe ich das Gefühl es wird mehr Finger gezeigt und beklagt, als konstruktive Vorschläge gemacht. Sicher sind konstruktive Vorschläge irgendwie schwierig, denn Frauen sind so verschieden wie alle Menschen verschieden sind, es gibt kein Generalkonzept wie man „die Frauen“ besser erreicht, besser anspricht, etc.

Ich wäre eine ziemlich schlechte Feministin. Oh sorry, nein, ich BIN eine schlechte Feministin.

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4 Gedanken zu “Warum ich nicht zur Feministin tauge

  1. Ziemlich genau der Punkt ist mir auch aufgestoßen. Frauen sind unterrepräsentiert in der IT, auch bei den Autor_innen. Klar liegt das an sexistischen Strukturen, Jungsnetzwerken, Männerdominanz. Dann aber bei einem konkreten Angebot zu sagen, man macht es nicht, solange das männerdominierte Umfeld nicht von sich aus frauenfreundliche Strukturen schafft, ist mE in erster Linie Schuldzuweisung und die auch noch an der falschen Stelle. Das Problem ist Sexismus. Und der ist nicht allein von dieser einen Redaktion und den Männern die dort jetzt verantwortlich sind verursacht, sondern fängt schon da an, wo kleinen Mädchen Technikaffinität ausgeredet wird, geht über die Ausbildung bis hin zu beruflichen Chancen. Da kann man sich jetzt einiges überlegen, wie man so ein männerdominiertes Umfeld frauenfreundlicher* gestaltet. Aber wenn keine Frau die diesen Anspruch hat, mitzieht, bis es perfekt ist, wird es unnötig schwieriger wenn nicht sogar unmöglich.
    Da stört mich dann insgesamt die Prämisse, dass die Benachteiligung unmittelbar hier und jetzt im sexistischen Umfeld zu verorten ist. Wenns so einfach wäre, könnte man ja mal schnell alle IT-Firmen frauenfreundlich umgestalten.

  2. Naja, schlechte Feministin, kA… Die Kritik kommt ja nicht von dem Feminismus schlechthin, sondern einer bestimmten Richtung (feminist standpoint theory), die die angebliche Objektivität und Wertfreiheit (das was du als „es geht mir um die Inhalte, bei denen ist es mir dann egal ob ein Mann oder eine Frau die geschrieben hat“ umschreibst) kritisiert (bzw. von etwas anderem ausgeht).

    Klar, in einem Java-Tutorial, wo es um das Vermitteln starer Techniken geht, wird es kaum Platz geben, über diese Inhalte hinaus irgendwelche anderen Perspektiven einbauen zu können, aber in einer Diskussion um gesellschaftspolitische Dinge bei der verschiedene Standpunkte relevant sind (z.B. Frauenbild oder Sexismus in Computerspielen), dann nur Männer einzuladen, die offensichtlich keine Ahnung haben, wovon sie reden und nur Klischees und Stereotype wiederholen, wäre es schon wichtig, dass dann net so getan wird, als ob von diesen Gaming-„Experten“ irgendwelche „Inhalte“ diskutiert werden könnten, sondern dass dann vor allem die Sicht von Frauen* als marginalisierte Gruppe in einer männerdominierten oder zumindest so dargestellten/wahrgenommenen Kultur eingefordert wird. (Also sofern du dich jetzt auf die aktuelle DRadio Wissen Kontroverse beziehst…)

    Feministische Standpunkttheorie geht halt einen Schritt weiter und geht davon aus, dass grundsätzlich marginalisierte Indivuduen allein dadurch, dass sie marginalisiert sind, einen „objektiveren“ (weil mehr Perspektiven kennenden) Blick auf die Welt haben (zumindest objektiver als Menschen, die aufgrund ihrer Privilegien ihr eigenes, als objektiv wahrgenommenes Weltbild nicht hinterfragen müssen). Wie das bei Medien ausschauen kann, oder ob diese Prämisse, dass gewisse Menschen einfach (wobei das jetzt sicher eine ziemlich verkürzte Darstellung von mir ist…) aufgrund struktureller Verhältnisse mehr oder vielleicht wichtigeres zu sagen haben, überhaupt stimmt oder keine rein akademische Fragestellung ist, die in der „realen“ Welt keine Bedeutung hat, kann ich jetzt net beurteilen, denke aber schon, dass ein Infragestellen hegemonialer Ansichten wesentlich für eine „objektivere“ oder zumindest kritischere Sicht ist…

    • ah, nein, es ging mir gar nicht um die DRadio Show, ich hab mir die nicht ganz angehört, und halte die Einladungspolitik für sehr fragwürdig bzw. hochgradig ungeschickt. Es ging um einen Post bei femgeeks.de, bei dem es um die Art wie mögliche Autorinnen angesprochen oder eher eben nicht angesprochen werden. Meine Schwierigkeit ist einfach dass mir der (ganz grob pauschalisierte) Feminismus in letzter Zeit etwas zu dogmatisch vorkommt, als hätten Frauen bestimmten Verhaltensmuster und vor allem Ablehnungsmustern zu folgen um als Feministin durchzugehen. Und ich vermisse bei manchen Blogs halt einfach die Selbstreflektion und den konstruktiven Willen Verbesserungen durchzuführen. Hach, da hab ich ja wieder herrlich mit der Pauschal-Keule um mich gehauen, sorry hierfür schonmal.

      • ah, okay. öhm jo. also den rant auf fachmagazine kann ich gut nachvollziehen, auch die reaktion desselben halte ich jetzt nicht gerade für glücklich gewählt (im sinne von: änder doch du was, weil du ja frau bist und du es schließlich für ein problem hältst – also die verantwortung zu einer persönlichen macht). aber kann auch verstehen, wenn das echauffieren darüber etwas reflexhaft wirkt und dogmatisch. problem ist halt, dass viel zu viel was publiziert wird, eine nerven kann und wenn einer z.B. gendergerechte sprache ein anliegen ist, dann könnte sie gar nichts mehr erfreuen (weil ja fast nirgends darauf geachtet wird)… aber die frage ist ja, ob es wirklich die aufgabe der person ist, die sich an etwas stört, was die mehrheit macht, weil sie nicht reflektiert (oder warum auch immer), diese mehrheit dazuzubringen, sich zu ändern (mehr zu reflektieren, strukturelle veränderungen zu schaffen, o.ä.) bzw. wenn du diese frage bejahst, wie du bewertest ob etwas konstruktiv (also zweckdienlich für die sache?) ist oder nicht. btw: diese debatte über den richtigen ton in der diskussion wird in ziemlich allen sozialen bewegungen geführt. feminismus kann dabei auf eine lange geschichte zurückblicken, an die manche bewusster anschließen wollen (auch aus pragmatischen gründen, weil mensch so auf einen reichen ideenschatz zurückgreifen kann), manche sich aber auch davon bewusster abgrenzen wollen. (die gefahr dabei ist natürlich, dass frau sich dann eventuell so sehr abgrenzt, dass das feministische ziel einer besseren, gerechteren welt auch ganz von der bildfläche verschwindet.)

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