Defekter Filter

Ich bin kürzlich bei Twitter über eine Buchempfehlung – naja, falscher Ausdruck, es war eigentlich mehr ein ‚hey, tolles Buch, habt ihr es schon?‘ –  gestolpert, ohne mich gross zu informieren hab ich es dann eben gekauft.

Bah, Kinder, naja, Jugendliche. Und abartige Krebsformen. Nunja, mal gucken. Und dann eben mal kurz nicht aufgepasst und das Buch nicht mehr weggelegt. Ich bin ja an sich kein Freund von Jugendromanzen, auch nicht bzw. erst recht nicht wenn sie mit tödlichen Krankheiten dramatisiert werden. Aber es liess mich dann irgendwie nicht los. Das Mädel mit dem Wasser in den Lungen und der idealistische Krüppel. Die Eltern, die damit leben dass sie nicht wissen wie lang ihr Kind noch lebt. Der Vater, der bei jeder Gelegenheit weint. Die Mutter, die ständig versucht stark zu sein. Der Kumpel, der blind wird und kurz vorher von seiner Freundin abgesägt wird. Das kann ja irgendwie nur in die Hose gehen.

Und dieser Schriftsteller in Holland, der sein Buch einfach nicht richtig zu Ende geschrieben hat. Trotz der Klischees hat es sich an mir festgefressen, und die letzten 30 Minuten des Buches waren schwierig weil ich durch Tränenfilm so schlecht sehe. Kein dramatisch hochwertiges Schluchzen und Heulen, einfach nur als hätte jemand kurz mal den Hahn aufgedreht, wäre weggegangen und hätte vergessen, dass das Wasser noch läuft.

Und ich bin wirklich nicht der Typ für sowas. Ich habe ungelogen noch nie bei einem Buch geweint. Selbst bei Filmen nur wirklich selten. Ich habe bei Requiem for a dream kurz mal geweint, und in einer Szene in der letzten Staffel vom Battlestar Galactica Remake. Das sind die einzigen an die ich mich erinnern kann. Im Alter von 6 Jahren bei Bambi zu heulen zählt nicht. Falls ich das gemacht habe. Normalerweise funktioniert mein Filter sehr zuverlässig. Wenn ich rührselig werden will, kommt die Vernunft, tippt mir auf die Schulter und erklärt mir was für manipulative Tricks eingesetzt werden und ich denke mir „ohja, wie doof, sorry.“

Und dann kommt dieses eine Buch an, und ich benehme mich als wäre ich nicht nah am Wasser gebaut, sondern im Wasser. Ich kann gerade gar nicht definieren ob es die Klischees sind, denn eigentlich wird damit gar nicht so schlecht umgegangen. Und nein, ich behaupte mal das hat nichts mit meinem persönlichen Krebsabenteuer zu tun. Oder wenn dann nur sehr wenig.

Ich bin jedenfalls verwirrt. Also mehr als sonst.

Achja, das Buch … „The Fault in our Stars“ von John Green. Auf deutsch unter dem wesentlich unschöneren Titel „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Mag das mal jemand lesen und testen was andere Tränendrüsen dazu sagen? So zur Rettung meines Egos oder so. Bittedankeschön.

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2 Gedanken zu “Defekter Filter

  1. Ich habe auch geheult und das passiert mir eher selten bei Büchern. Wenn du das mal wieder erleben willst, lies „sieben Minuten“. Wunderschön und sautraurig.

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