Kranke als Kunden oder als Menschen

Habe mir eben die Prix Pantheon 2013 Sendung angesehen. Weil Georg Schramm, und Dieter Hildebrandt, und Hassknecht und Sträter und überhaupt.

Interessant war dass der Preis „Geben und Nehmen“ an eine Stiftung „Humor hilft Heilen“ vom Hirschhausen ging. Ich gebe zu ich war nie ein grosser Fan von ihm, jedoch hat sich sein Humor in der Dankesrede auf ein Minimum beschränkt. Das war gut. Gut war auch dass er kurz den Hintergrund erklärt hat und sagte dass das Patiententier mehr und mehr zum Kunden verkommt, und weniger als Menschentier, das Zuwendung braucht, gesehen wird.

Das wiederum erinnert mich an ein kurzes aber heftiges Lamentat von Onkel Doc, als er keine Zeit hatte wegen Audit für eine weitere Zertifizierung der Klinik. Quasi eine Iso 9001 unter den Krankenhäusern. Er regte sich dann kurz auf warum man so einen Scheiss denn bräuchte, und das ist ein Krankenhaus, da geht es doch um das Menschliche, und überhaupt, ich musste dann leider lachen und ihn darauf hinweisen dass er mir gerade ein wenig naiv vorkäme. Das fand er glaube ich ein wenig doof. Ich habe mir das Zertifikat danach mal online angesehen, nix was mich als Patientin jetzt mehr überzeugt, ich hatte mich damals allerdings auch wegen einer Zertifikats für diese Klinik entschieden. Die sind ein zertifiziertes Brustzentrum. Das wiederum sagt jedoch nichts weiter aus, als dass gewisse erprobte Wege eingehalten werden bei der Behandlung. Das ist für mich als Patientin etwas, was ich verstehen kann, und eine Sache der ich ein gewisses Vertrauen entgegenbringen kann.

Das fragwürdige andere Zertifikat … nun ja … ich weiss immer noch nicht ob es schade ist, dass ich es als so selbstverständlich sehe, dass Kliniken von Wirtschaftlern geführt werden, oder ob es schade ist, dass ich ihn als naiv betrachte und ihm das auch noch in’s Gesicht sage. Er hat eine Zusatzausbildung in Palliativmedizin, da muss man wohl insgesamt menschlicher drauf sein. Mindestens eine Schwester in der Station hat das ebenfalls. Anderseits ist man auf onkologischen Stationen vielleicht insgesamt besser in Mitgefühl.

Ich möchte nicht behaupten dass es schaden würde dort Clowns durchzujagen (vorzugsweise mit einer Schrotflinte wenn es nach mir ginge) aber ich kann guten Gewissens sagen, das mit Verlassen des dortigen Verwaltungsbüros zur Anmeldung, die menschlichen Faktoren Zuwendung, Humor und Aufmerksamkeit in keinem meiner Aufenthalte zu kurz kamen.

Was ich damit sagen will? Nichts spezielles, aber hätte ich zuviel Geld, würde ich eher dort spenden als einer Stiftung eines witzereissenden Arztes der damit Geld verdient. Denn die dort sind witzig ohne auf der Bühne zu stehen, ohne sich Reden zu schreiben, spontan und ehrlich. Und eben auch mal schlecht drauf weil nicht immer etwas witzig ist. Besonders nicht dort.

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