It’s not a habit, it’s cool

„it’s cool“ in der Definition von „es ist ok“

Wer schon mal pre-OP Gespräche führen musste, weiss dass die Anästhesisten immer nach Drogen-, Nikotin- und Alkoholkonsum fragen (und ich weiss bis heute nicht warum die so tun als wären Zigaretten und Alkohol etwas anderes als Drogen, aber jut), und beim letzten Mal war es mir zum ersten Mal etwas unangenehm.

Ja, ich trinke seit einiger Zeit deutlich mehr. Was ich an sich nicht weiter tragisch fände, wenn sich da ein paar Dinge nicht verändert hätten.

Es ist kaum noch trinken aus Spass, kein trinken in Gesellschaft. Während ich lange Zeit die Regel hatte, zuhause alleine nichts zu trinken, hat sich dies in den letzten Monaten in Wohlgefallen aufgelöst. Ich erwische mich dabei wie ich um 14:00 denke „näh, das ist jetzt echt noch zu früh. Oder?“ Mit einer gedankenlosen Selbstverständlichkeit stehe ich um 16:00 nachmittags am Kühlschrank und kippe mir 2 Fingerbreit Wodka ins Glas. Zum ersten Mal verspüre ich leichte Unruhe wenn ich sehe dass der Füllstand der Flasche sich dem Ende zuneigt. Ohne jede Gewissensbisse wird um 18:00 mal das Abendessen umgewandelt in eine 2/3 Flasche Wein. Hier stehen derzeit 5 oder 6 leere Wodkaflaschen rum.

Ja, ich hatte frei, ja, ich habe mir vorgenommen das während ich wieder arbeite deutlich einzuschränken. Das klappt an sich auch, aber ab Freitag denke ich dann „ach, es ist Wochenende, scheiss drauf“

Ich würde nicht sagen, dass ich ein Alkoholproblem habe, auch nicht dass Alkohol ein Problem mit mir hat. Ich gebe aber zu, dass ich da ein Auge drauf haben muss. Ich weiss dass es keine dauerhafte Lösung ist, dass es gerade in der Kombination mit Schmerzmitteln oder Antibiotika nicht mal eine gute Idee ist.

Wenn jemand etwas dazu sagt, stellen sich meine Nackenhaare ein wenig auf und ich fühle einen kleinen aggressiven Terrier in mir anfangen zu kläffen.

Die letzten Monate seit dem ersten Implantatversuch waren hart, zusehen zu müssen wie eine Naht sich von Tag zu Tag verschlechtert, die erste Resignation beim Tausch. Zusehen wie auch das kleinere einfach nicht verheilt. Täglich im Spiegel etwas zu sehen, was einem Brechreiz verursacht, zu wissen dass auch dies nicht die letzte Operation gewesen sein kann. Nicht zu wissen was man als nächstes versuchen soll. Versuchen will. Alltagsprobleme verschwimmen, melden sich aber immer wieder, bevorzugt wenn man sowieso grade schon am Verzweifeln ist. Ständiges Schwanken zwischen Frustration, Resignation und einer stumpfen Planlosigkeit, wenn der Kopf aufgibt sich mit all den Themen überhaupt zu beschäftigen.

Und dann der Moment, in dem man Alkohol als neuen Freund findet, der dafür sorgt dass man nicht nachdenkt, sich keine Sorgen macht, nicht versucht Pläne zu schmieden, sondern einfach hin nimmt was geschieht ohne zu denken. Für einen ganzen Abend. Für die darauf folgende Nacht. Schlafen ohne Probleme. Dies ist keine Rechtfertigung. Dies ist der Versuch einer Erklärung. Die mir selber nicht gefällt, aber ich kann mich verstehen. Es ist ok.

(K’s Choice, I’m not an addict)

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