Ich hätte ja wirklich gerne an Gott geglaubt

zumindest in einem Buch mit dem schönen Titel „Last God Standing“ [leichte Spoilerwarnung]

Als unentschlossene zwischen Atheismus und Agnostik Schwankende, konnte ich mich dem Thema Religionen doch nie so völlig entziehen, bevorzugt jedoch in der humoristischen Variante, nicht als Sachbuch. Da gibt es durchaus viele Romane, ich sage nur American Gods, Lamb, Life of Pi, Norse Code, etc.

Jetzt eben auch Last God Standing. Schöner Titel, an sich eine gute Grundidee, Jesus / Gott gönnt sich ein Sabbatjahr und treibt sich als allergiebelasteter Asthmatiker in einem 08/15 Körper auf der Welt herum. Teil einer grotesk kaputten Familie und was kann mit dem Namen „Lando Calrissian Darnell Cooper anderes werden als Stand-up Comedian? Ja, auf total subtile Weise versucht er über diesen Weg eine Botschaft zu verbreiten, wer hätte es gedacht.

Ausserdem gehen ihm ständig andere Götter auf den Zeiger und versuchen ihn zu töten. So ganz wird nicht geklärt ob Götter jetzt eigentlich sterben oder nur verbannt werden. Da gibt es zum Beispiel Zeus, der einen leichten Hals hat auf den christlichen Emporkömmling, Dionysus der angestiftet wird, aus so ziemlich allen Religionen darf mal jemand durch’s Bild laufen. Christentum wird nicht direkt bevorzugt behandelt, es laufen jedoch auch Luzifer und ein paar Engel durch das Bild. Und – vielleicht weil der Autor zu amerikanisch ist – Islam wird kaum erwähnt.

Und dabei bleibt es leider auch, wirklich Charakter hat kaum einer der Charakter in dem Buch (Sorry for bad pun). Im Nachhinein habe ich festgestellt dass der Autor Michael Boatman auch noch Schauspieler ist. Aber auch das hätte ich nicht abgehalten, Hugh Laurie hat schliesslich auch ein gar nicht so schlechtes Buch geschrieben …

Trotzdem, das Potential für LGS ist vorhanden, die Sprache und die Geschichte an sich überzeugen mich aber nicht, es wirkt manchmal wie etwas das man als Grundlage für eine TV Serie nehmen könnte, sehr episodenhaft, ohne wirklich einen roten Faden aufzuweisen der stark genug wäre die ganzen Momentaufnahmen beisammen zu halten. (Und ich könnte mir vorstellen dass es als TV Serie auch unterhaltsam ist)

Ständige Referenzen auf Popkultur, die manchmal gezwungen cool wirkende Wortwahl und dann wieder zähe Erklärungsversuche für die „technische“ Wirkungsweise der Götter. Unausgegoren. Leider. Von der Idee her hätte ich das Buch wirklich gerne gemocht. Auch die „Message“ die Gott am Ende rüber bringt, ist nicht originell genug. Ich weiss nicht wer Zielgruppe für dieses Buch sein soll, für – sorry – Hobbychristen mag es unterhaltsam sein, Christenfundis würden sicher Erbsenbrei spucken und versuchen ihre Köpfe um 360° zu drehen während sie ihre Fuss- und Fingernägel in die Decke schlagen. Ich weiss nicht. Es ist unterhaltsam, aber nicht unterhaltsam genug. Lukewarm. Sorry, bei Lando Calrissian Darnell Cooper konnte ich da nicht anders.

Und auch wenn Gott am Ende als der Gute da steht. Er bleibt unglaubhaft.

 

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