Unter Moskau verfahren

some spoilers incoming

Zumindest fühl ich mich so, wieso hat mich eigentlich keiner von diesen 784 Seiten abgehalten? Immerhin habe ich jetzt Metro 2033 erfolgreich hinter mir, und geteiltes Leid ist ja bekanntlich vervielfachtes Leid…

Gibt es eine Altersempfehlung für dieses Buch? Ich hab auf die Schnelle nichts dergleichen bei Amazon gefunden, nur viele Pressejubelstimmen und 4 Sterne bei 230 Rezensionen.

Äh, wat? 4 Sterne? Wofür? Ich weiss immer noch nicht was das eigentlich für ein Buch ist. Post-apokalyptischer Coming-of-Age Roadtrip mit einer Prise Horror? Oder so ähnlich, ich hab keine Ahnung. Aber ich bin hochgradig unterwältigt und ein wenig angefressen angesichts der Zeit … ok, Hörbuch, und ja, ich hätte ja auch aufhören können, aber ich hatte gehofft dass es irgendwie noch einen Sinn ergibt.

Artjom, der Protagonist erinnert mich viel zu häufig an den mauligen Simon aus Memory, Sorrow and Thorn. Nix gegen diese Bücher, aber der Bub war manchmal nervig. Ähnlich geht es mir mit Artjom, ab und an möchte ich ihm einfach einen Tritt in den Hintern versetzen, oder ausprobieren ob leichte Schläge gegen den Hinterkopf nicht doch das Denkvermögen erhöhen.

Sorry, aber die Hauptfigur ist unglaublich, hm, blass. Das ist gut, weil er leicht beeinflussbar ist und alles was er unterwegs so trifft, aufsaugt wie ein Schwamm, seien es Satanisten, Christen oder Wurmisten. Seine Fähigkeit diese Dinge in Frage zu stellen ist zwar vorhanden, kommt aber irgendwie immer zu kurz. Also ist das Buch so eine Art Religionstrip? Nö. Schliesslich trifft er ja auch auf Faschisten, Kommunisten und sonstige *isten. Nein, es ist auch kein Philosophietrip. Wirklich daraus lernen tut der Kerl auch nicht. Kann man jetzt streiten ob das gut oder schlecht ist.

Ausserdem gibt es Ratten, schlechtes Essen, wenig Licht, komische Träume / Visionen, Pilze, Moos, Kannibalen, Killer-Bibliothekare, Wahnsinnige, schier unendlich wirkende Vorräte an Munition (wieso gibt es davon eigentlich immer noch so viel, wenn die schon seit Jahren da unten leben und ständig am kämpfen sind?), Wasserfilteranlagen (wer wartet die eigentlich die ganze Zeit?), seltsame Monster und merkwürdige Drogen.

Achja, und Tunnel, massenhaft Tunnel. Also U-Bahn Tunnel. Unter Moskau. Das ist ganz hübsch, aber nicht so richtig praktisch, weil zumindest ich irgendwann verwirrt bin, wenn jede zweite Station Irgendwas-kaja heisst. Und dann haben die Russen auch noch die Unart, dass Personennamen etwas abhängig vom persönlichen Verhältnis sind.

Egal. Die Geschichte kommt bei mir einfach nicht an. Das Setting ist sicher toll, die beklemmende Atmosphäre kommt stellenweise gut rüber, aber ansonsten mäandert der Glukhovsky für meinen Geschmack oftmals zu viel herum. Der prophezeiter-aber-unwissender-Messias-stolpert-herum-und-muss-die-Welt-Retten Plot ist jetzt auch nicht so brandneu und die Umsetzung lässt für meinen Geschmack einfach zu Wünschen übrig.

Ich weiss nicht ob mir da kulturell etwas fehlt, ob die Übersetzung gelitten hat, es erreicht mich einfach nicht, und ich bin ernsthaft verwundert angesichts der Lobhudelei auf diversen Plattformen. Und eigentlich bin ich recht leidensfähig wenn es um Sci-Fi und Dystopien geht.

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