6 Monate Bundesslum – ein Fazit

  • WG-Leben? Check. Ist super wenn MiWo wenig da ist.
  • Diebstahl? Check, einmal Geldbeutel und Tabakbeutel geklaut bekommen.
  • Prügelei? Uncheck, nur gesehen wie ein Mannschaftsbus eine Prügelei zwischen 2 Leuten „auflösen“ kommt. Nicht geblieben.
  • Auto geklaut worden? Uncheck. Aber ish ‚abe doch gar keine Auto.
  • Auto geklaut? Uncheck. Ish ‚abe auch gar keine Führerschein.
  • Auto angezündet? Uncheck. Habe bei einem teuren Auto in kackbraun aber kurz darüber nachgedacht.
  • Demo? Check. Uncheck. Habe immerhin mehrfach ernsthaft darüber nachgedacht.

Und sonst so? Jo, dit is hier schon ganz oke. Ich kann immer noch nicht mit Geld umgehen, habe stilecht keinen Job, nutze vom Kulturangebot viel zu wenig (siehe nicht mit Geld umgehen können), Sommer in B war scheisseheiss, Winter könnte scheissekalt werden, es ist dreckig und stinkt, auch mir wurde unterstellt dass ich stinke … Wait what? Ja wirklich, ein gar nicht so junger Herr an einer Strassenecke wollte mir tatsächlich keine Drogen verkaufen sondern Parfum. Es hat ein wenig an meinem Ego gekratzt. An meinem offenbar nicht wohlriechenden Ego. Früher – in der guten alten Zeit (also so vorvorgestern?) wurden mir wenigstens Drogen angeboten. Jetzt Parfum. Als nächstes vermutlich Schuhe oder Handtaschen. So ist das wohl, dieses älter werden. Und ja, ich hatte an diesem Tag geduscht. Ja, obwohl ich in B lebe.

Nach dem Diebstahl meines Geldbeutels fragte mein Banksachbearbeiter in Wü ob ich nicht doch wieder dahin ziehen wollte. Antwort war und ist: Nein. Ich bereue gar nichts! Also schon, aber nicht den Umzug hierher. Immerhin konnte ich hier eine kostenlose Lesung von Kai Meyer verpassen. Und Charles Stross angucken, und seine Frau, und den Punk-Plüsch-Cthulhu. Und mir den Hintern platt sitzen während dem Kurzfilm-Festival. Mir den Handrücken im Computerspielmuseum bunt schlagen lassen weil ich wirklich wirklich schlecht in Pong bin. Hipster angucken geht hier auch viel besser als einem lieb ist. Ziemlich egal in welchem Stadtteil. Da zieht man extra nach Wedding und selbst hier treiben sie sich rum.

Habe beschlossen jetzt trotzdem kein Alba Fan zu werden. Die Tickets sind sicher viel zu teuer.

Fehlt mir Wü? Och, nöööö. Klar, hier jibt’s keen Hermkes, aber dafür ham wa dit Otherland und den Groben Unfug, und dit is auch alles schön weit wech von mir, dit is och sicherer für meen Budget, wah.

Ansonsten? Arm aber sexy? Ich nehme arm. Arm kann ich. Bein auch. Sogar Rücken.

Stell Dir vor es ist FsA und Du schaffst es nicht hin

Ich wollte, wirklich. Trotz einiger Nebenströmungen zu diesem Event, die mir etwas säuerlich aufstossen.

Aber nix war’s. Nach 2 Monaten Bundesslum mit gepflegtem Nichtstun, überstürzen sich die Ereignisse ein wenig. Meine MiWo und Hauptmieterin zieht kurzerhand aus, ich übernehme irgendwie diese Wohnung und muss jetzt selber MiWo Castings abhalten.

Kandidat 1 hat sich schon dadurch hervor getan, dass er nicht kam und nicht fähig war rechtzeitig abzusagen, dann hätte ich es nämlich doch noch auf die Heise Forum Klassenfahrt geschafft. Aber ne, selbst absagen ist scheinbar nicht so einfach.

Statt dessen im Technikmuseum rumgedümpelt, MiWo bekocht und so. War auch ok.

Warum ich zur FsA wollte? Weil das Grundprinzip „Freiheit statt Angst“ durchaus Sinn macht. Wenn man mal die Nebenströmungen aussen vor lässt, also jene welche die denken dass das diese Freiheit nur für Bundesbürger gilt, nicht für Asylbewerber oder Flüchtlinge. Jene die denken dass Asyl für Snowden voll supi wäre, die aber grade nix von den Problemen in der Ohlauer hören wollen. Jene die immer noch von Bradley Manning reden. Aber ach, was reg ich mich auf.

Eigentlich wollte ich mich nur beschweren, dass doch tatsächlich eine zu mir sagte ich würde ja mittlerweile auch so critical whiteness Dings verbreiten. Ich habe reflexartig gesagt dass ich doch ganz wenig feminiere. Im Vergleich zu früher – also gar nicht – ist das natürlich schon viel. Aber hey, das heisst lediglich, dass ich über ein paar Dinge mehr nachdenke, das kann ja generell nicht schaden. Und ich bemühe mich ja eigentlich schon, da noch so mittelmässig reflektiert, mit wenig Mimimi und wenig Fingerzeigen ran zu gehen. Und ich bin ja immer noch nicht so schlüssig mit dieser Feministensache. Eigentlich bin ich immer noch reluktant mich als solche zu bezeichnen.

Ich weiss jetzt nicht so recht ob ich bei der FsA gut aufgehoben gewesen wäre, oder gar bei der Feminismus statt Angst Fraktion. Und bei der FsA mitlaufen und womöglich in eine der Deppenecken gedrängt werden, hätte mich auch irgendwie geärgert. Ausserdem hab ich immer noch gewisse Zweifel an der Wirksamkeit von Demos, noch dazu wenn viele Parteien sich denken, das als Werbeplattform für sich nutzen zu sollen / wollen / können. Nur weil ich da mitgekommen wäre, bin ich noch keine Piratin, kein Pirat und kein post-gender Eichhörnchen. Und auch keine Grüne, Rote oder Gestreifte. Ich will mich nicht instrumentalisieren lassen für eine Partei, hinter der ich nicht stehe. Ich will nicht verstanden werden als eine, die sich gegen Überwachung, für Snowden, pro Assange und [insert something here] einsetzt.

Lange Rede, wenig Sinn, vielleicht war es ganz gut so dass ich doch nicht da war, und trotzdem ärgert es mich ein wenig.

Know your privilege?

Ich als weisse Cis-Frau … oh wait … Mir ist letztens eingefallen, dass ich eigentlich zur PoC Gruppierung gehöre. Aber mir das irgendwie nie richtig aufgefallen ist. Klar, als Kind dummes Gewäsch von anderen Kindern und deren Eltern. Als Jugendliche unfreundliches Gewäsch von anderen Jugendlichen. Von Fremden. Das hat in den letzten Jahren massiv nach gelassen. Ausser es ist gerade internationaler Fussball, da kehrt sich ja ganz schnell die hässliche Fratze der Ausländerfeindlichkeit nach draussen.

Aber sonst? Ich bin in einer deutschen Mittelstands-Familie aufgewachsen, ich habe keinen Migrationshintergrund im herkömmlichen Sinn, ich komme aus einem Land das politisch harmlos, wirtschaftlich ok und touristisch erschlossen ist, meine Schulbildung entspricht den Anforderungen des weissen gehobenen Mittelstands (ok, abgesehen vielleicht davon, dass ich kurz vor Abi schreiend vom Gymnasium weggelaufen bin).

Als Kind / Jugendliche dachte ich zwar öfter es wäre vielleicht cooler gewesen ein Junge zu sein, das erschloss sich aber primär aus dem Ungleichgewicht im Elternhaus was Rechte und Pflichten betrifft, das hat sich irgendwann wieder gelegt und seit dem bin ich gedankenlos cisgendered.

Das dumme ausländerfeindliche Gewäsch von früher habe ich grösstenteils vergessen oder verdrängt. Und ja, so gesehen habe ich über Jahre hinweg von dem Privileg profitiert, und tue es immer noch.

Damit will ich gar nichts spezielles sagen, ich bin nur ein wenig überrascht dass mir das erst seit einiger Zeit bewusst ist, und ich quasi das wandelnde Beispiel dafür bin, wie schwierig diese Privilege-Awareness manchmal sein kann. Womit ich jetzt wiederum niemanden verteidigen möchte, Denkarbeit muss schon jeder selber leisten. Ich hab da scheinbar auch noch einiges zu denken.

Darum geh ich jetzt putzen, das hilft bestimmt dagegen …

Aufräumarbeiten

Ich hab mal im Blog bisschen geputzt. Also nur ganz wenig, keine Sorge, für aufwendiges bin ich ja bekannterweise zu faul. Heisst nur dass ein paar sehr persönliche Posts aus diesem offen verlinkten Blog raus sind, und auch wohl nicht mehr wieder kommen, wer da Interesse hat, möge mich auf persönlichen Wegen nach der URL fragen. Im Zweifelsfalle begründetes Interesse bereit halten, wahlweise auch Erdbeerkuchen, Eis oder Alkohol.

Warum? Na weil Erdbeerkuchen, Eis oder Alkohol!

Oh, ach, warum geputzt? Achso, ja, nur so, weil halt, dieses hier ist halt von überall verlinkt, mit dem Nick, den ich ja nicht sparsam einsetze, wirklich herrlich leicht zu finden, aber ein paar Sachen gehen halt vielleicht doch nicht jeden was an. Und überhaupt. Aus Gründen und was es noch alles für inhaltslose Begründungen gibt.

Bitte gehen Sie jetzt weiter, ausser Sie haben Erdbeerkuchen, Eis oder Alkohol.

 

Ein Bein ist ein Bein ist ein Bein

Während dieser kurzen aber äussert hinterhältigen Sommerattacke letzte Woche, stand mir nicht nur der Schweiss im Gesicht, sondern auch die nackte Angst. Und die ist nicht hübsch. Genau wie meine Beine. Egal. Die Angst, die immer mit der Frage kommt „Shit, wenn das der Anfang ist, wie wird dann der richtige Sommer?“ Und „Was ziehe ich an ohne mich nach 5min Bewegung draussen in eine Schweisspfütze zu verwandeln?“

Lange Zeit habe ich mich Kleidungsstücken verweigert die meine Beine in „nackt“ zeigen. Röcke ohne Strümpfe nur im alleräussersten Notfall wenn es eh bald dunkel wird und Shorts waren etwas, das anderen Leuten passiert.

Es tut mir leid Welt, damit ist jetzt Schluss. Ich habe mir die letzten Jahre das Fatshaming recht erfolgreich abgewöhnt, jetzt seid ihr dran. Sowenig wie ich nach den ästhetischen Werten meiner Haare, Handgelenke, Fingernägel oder Sonstigem bewertet werden möchte, so wenig versuche ich andere nach den ästhetischen Werten ihre Füsse, Ohrläppchen und Körperbehaarung zu bewerten. Und Beine fallen da auch mit rein. Ja, es gibt tolle Beine. Beine bis zum Boden. Lange, schlanke Beine bei denen man ein wenig die Muskeln sieht, sehen zweifelsohne hübsch aus. Die machen aber eben nur hübsche Beine und nicht nett, höflich, intelligent oder einfühlsam. Genau so wenig wie dicke, kurze, haarige Beine das tun. Es sind halt Beine. Die haben eh schon so viel zu tun, die können nicht auch noch den Charakter eines Menschen visualisieren.

Also, meine Beine, die vage von dem Konzept Sonnenlicht wissen, werden diesen Sommer in Shorts spazieren gehen müssen. Vermutlich macht das meinen Beinen weniger als mir. Euch hoffentlich auch weniger als mir. Und selbst wenn nicht … warum sollte mich das interessieren? Ich muss jetzt also „nur noch“ meinem Kopf beibringen dass Beine eben Beine sind, und ich mich nicht verrückt machen sollte, dass sich irgendwer durch den Anblick meiner Beine gestört fühlt. Denn wer sich dadurch gestört fühlt, hat ein ganz anderes Problem. So, und diesen Text lese ich jetzt bis zur nächsten Sommerattacke mehrmals täglich, und hoffe dass es was bringt.

T minus 6 Arbeitstage

Und dann hat das hier ein Ende. Abnabelungsprozess läuft prima. Zum Missfallen mancher Kollegen gelingt es mir bei jeder Gelegenheit zu erwähnen, dass mich Problem X bald nicht mehr betrifft, dass mir Y ja eigentlich egal sein kann, dass sie mit Z machen können was sie wollen. Jetzt muss ich nur noch dringend anfangen, die Kunden die mich direkt anrufen und anschreiben zu entwöhnen.

Fragen nach Job- und Arbeitssuche lassen sich immer noch grösstenteils mit einem mittelmässig entspannten Schulterzucken beantworten. Immerhin habe ich alle Bücher und Comics bereits gepackt. Von den ehemals 208 zum Verkauf stehenden Büchern und Comics sind immerhin 82 weg.

Statt Arbeitssuche habe ich jetzt knapp 2 Wochen Arztwochen. Augenklinik mit Termin vom Ausreissen und Verschweissen von Wimpern die in zweiter Reihe parken. Termin abgesagt wegen unsicherer Dienstärztin. Termin mit Oberarzt. Während ich höflicherweise gut 2h vor Termin auf Rauchen verzichte und Kaugummis kaue als gäbe es kein morgen, ist der Oberarzt der Meinung dass olfaktorische Belästigung über die Distanz einer Spaltlampe kein Problem ist. Roch wie Mettbrötchen mit Zwiebeln 30 Minuten vorher. Danke. Jetzt doch Ausreissen und Verschweissen. Das waren dann bis zu diesem Termin morgen auch wieder ca. 8 – 9 h meiner Lebenszeit, die ich mit Warten (und einmal Verlaufen) in diesem Teil der Uniklinik verbracht habe.

Dann war mein anderer Arzt der Meinung dass ihm die Sono-Bilder meiner linken Seite nicht so gut gefallen. Jetzt weiss ich immerhin dass mein Hautanker zu 100% aus Titan ist, MRT auf dem Bauch liegend eher unbequem und es da drin trotz Ohrstöpseln sacklaut ist. Da das Resultat jetzt aber auch nicht so richtig klar war, probiere ich heute noch das Gegenprogramm CT. Sollte immerhin leiser sein, aber ich befürchte dass meine linke Vene demnächst wieder etwas ungehalten sein wird.

Ich fürchte meine Krankenkasse hasst mich.

Immerhin verkürzen die Arztwochen meine restlichen Arbeitstage. Aber langsam wären Stempelkarten für ein Gratis-MRT oder ähnliches doch mal irgendwie eine gute Sache.

 

It’s not a habit, it’s cool

„it’s cool“ in der Definition von „es ist ok“

Wer schon mal pre-OP Gespräche führen musste, weiss dass die Anästhesisten immer nach Drogen-, Nikotin- und Alkoholkonsum fragen (und ich weiss bis heute nicht warum die so tun als wären Zigaretten und Alkohol etwas anderes als Drogen, aber jut), und beim letzten Mal war es mir zum ersten Mal etwas unangenehm.

Ja, ich trinke seit einiger Zeit deutlich mehr. Was ich an sich nicht weiter tragisch fände, wenn sich da ein paar Dinge nicht verändert hätten.

Es ist kaum noch trinken aus Spass, kein trinken in Gesellschaft. Während ich lange Zeit die Regel hatte, zuhause alleine nichts zu trinken, hat sich dies in den letzten Monaten in Wohlgefallen aufgelöst. Ich erwische mich dabei wie ich um 14:00 denke „näh, das ist jetzt echt noch zu früh. Oder?“ Mit einer gedankenlosen Selbstverständlichkeit stehe ich um 16:00 nachmittags am Kühlschrank und kippe mir 2 Fingerbreit Wodka ins Glas. Zum ersten Mal verspüre ich leichte Unruhe wenn ich sehe dass der Füllstand der Flasche sich dem Ende zuneigt. Ohne jede Gewissensbisse wird um 18:00 mal das Abendessen umgewandelt in eine 2/3 Flasche Wein. Hier stehen derzeit 5 oder 6 leere Wodkaflaschen rum.

Ja, ich hatte frei, ja, ich habe mir vorgenommen das während ich wieder arbeite deutlich einzuschränken. Das klappt an sich auch, aber ab Freitag denke ich dann „ach, es ist Wochenende, scheiss drauf“

Ich würde nicht sagen, dass ich ein Alkoholproblem habe, auch nicht dass Alkohol ein Problem mit mir hat. Ich gebe aber zu, dass ich da ein Auge drauf haben muss. Ich weiss dass es keine dauerhafte Lösung ist, dass es gerade in der Kombination mit Schmerzmitteln oder Antibiotika nicht mal eine gute Idee ist.

Wenn jemand etwas dazu sagt, stellen sich meine Nackenhaare ein wenig auf und ich fühle einen kleinen aggressiven Terrier in mir anfangen zu kläffen.

Die letzten Monate seit dem ersten Implantatversuch waren hart, zusehen zu müssen wie eine Naht sich von Tag zu Tag verschlechtert, die erste Resignation beim Tausch. Zusehen wie auch das kleinere einfach nicht verheilt. Täglich im Spiegel etwas zu sehen, was einem Brechreiz verursacht, zu wissen dass auch dies nicht die letzte Operation gewesen sein kann. Nicht zu wissen was man als nächstes versuchen soll. Versuchen will. Alltagsprobleme verschwimmen, melden sich aber immer wieder, bevorzugt wenn man sowieso grade schon am Verzweifeln ist. Ständiges Schwanken zwischen Frustration, Resignation und einer stumpfen Planlosigkeit, wenn der Kopf aufgibt sich mit all den Themen überhaupt zu beschäftigen.

Und dann der Moment, in dem man Alkohol als neuen Freund findet, der dafür sorgt dass man nicht nachdenkt, sich keine Sorgen macht, nicht versucht Pläne zu schmieden, sondern einfach hin nimmt was geschieht ohne zu denken. Für einen ganzen Abend. Für die darauf folgende Nacht. Schlafen ohne Probleme. Dies ist keine Rechtfertigung. Dies ist der Versuch einer Erklärung. Die mir selber nicht gefällt, aber ich kann mich verstehen. Es ist ok.

(K’s Choice, I’m not an addict)