Reboot

Ich bin jetzt schon 8 Jahre hier, in der gleichen Firma, in der gleichen Wohnung, mit den gleichen Problemen.

Langsam glaube ich es wäre mal wieder Zeit für einen Reboot. Neuer Job, neues Umfeld, neue Probleme. Ich hab allerdings überhaupt keinen Bock auf den ganzen Akt drumrum. Gibt es so etwas als Instant Pulver? Just add water oder so?

Mein Job geht mir seit einiger Zeit wieder gewaltig auf den Keks. Also nicht der Job an sich, eher das Job Umfeld. Meine Motivation hält sich nicht mehr in Grenzen, sie tanzt auf der Negativskala.

Was mich davon abhält einfach mal wieder Koffer zu packen? Bequemlichkeit (auch bekannt als Faulheit) und diese Beziehungskiste. Irgendwie kam mir das früher einfacher vor. Aber früher war ja eh alles besser. Sagt man. Vor allem mit diesem verklärten Rückwärtsblick. Wenn Zeitreise möglich wäre, würde jetzt vermutlich ein Ich aus der Vergangenheit kommen, mir kräftig gegen’s Schienbein treten, mich anscheissen ich solle gefälligst nicht nölen und wieder gehen. Laut diversen Zeitreise-Paradoxonen würde dabei sicher etwas ganz Grauenhaftes passieren. Erschütterung im Raum-Zeit-Kontinuumnumnum und mein Jetzt-Ich würde spontan in Flammen aufgehen und mein Vergangenheits-Ich hätte fiese Brandblasen. Oder so.

Es ist auch nicht so als hätte ich konkrete Gründe, es ist mehr so ein diffuses „wäääh, die Gesamtsituation ist irgendwie pnöd“. Vermutlich würde es helfen, den fetten Arsch zusammenzukneifen, sich mal ein oder zwei Hobbies zu suchen, diese länger als 3 Tage durchzuziehen und insgesamt mal ein entspannteres Verhältnis zur Arbeit zur entwickeln.

Aber das mit dem entspannten Arbeitsverhältnis hab ich bisher noch nicht gerafft, abgesehen davon dass ich sicher bin, es würde mir helfen, hab ich keinerlei Fortschritte gemacht.

Das jetzige Gejammer hat auch viel von einem Déja-écrit, vielleicht sollte ich einen Nervenzusammenbruch vortäuschen und mir ein paar Monate Therapiestations-Auszeit nehmen. So völlig unverlockend ist der Gedanke gar nicht. Es gäbe da eh noch so zwei bis vierzehn Sachen die ich mal therapieren sollte.

Oder mehr Milch trinken? Ach ne, die löst ja auch keine Probleme.

Drahtseilkünstlerin

werd ich als nächstes. Nein, eigentlich bin ich’s schon.

Ich bin ja nicht so die grosse Heldin der sozialen Interaktion, all dem zum Trotz konnte ich es nicht verhindern dass so eine kleine Handvoll Leute als Freunde an mir kleben geblieben sind. Das läuft grösstenteils ja auch ganz gut (abgesehen von so nervigen Problemen wie Geschenke)

Eine Challenge für Fortgeschrittene ist es dann mit Vater, Mutter und Tochter befreundet zu sein. Das ergibt dann wundervoll komplizierte Balanceakte wenn man a) keinen anlügen will, b) das Vertrauen von keinem missbrauchen will.

Als ob das nicht reicht, hat man natürlich noch ein paar eigene Probleme die auch nicht zu unterschätzen sind, und in der Wahlfamilie läuft auch nicht alles rund. Kein grosser Fussball. Ach ja, die Arbeit geht mir auch grad auf den imaginären Sack.

Natürlich will man sich dann möglichst um alle kümmern – das lenkt auch so hübsch vom eigenen Ärger ab – aber anderseits hat es ja nun mühevoll in der Therapie eingetrichtert bekommen auch auf sich selber zu achten. Äh, ja, Hände hoch wer da ein Problem erkennt.

Das sind so die Phasen in denen ich für meine Happy Pills verflucht dankbar bin und mir gar nicht vorstellen möchte wie es gerade ohne wäre. Und gleichzeitig wünsch ich mich in die Ruhe der Station zurück. Oder ein Loch in dem ich mich für ein paar Monate verkriechen kann, ohne Menschen, mit meinen Büchern, Musik und vielleicht mit Internet für Notfälle, aus dem ich erst raus komme wenn „da draussen“ wieder alles gut ist.

Aber wie überlebt man 43 Jahre in einem Erdloch? Ach, manchmal wäre so eine Pause-Taste für’s Leben toll.  Aber genug gejammert. Für’s erste. 😉

Das Kreuz irgendwie doch ein Mädchen zu sein

Vorneweg: ja, ich weiss, Frauen sollen sich nicht Mädchen nennen, und dann erwarten dass man sie ernst nimmt. Den Spruch kenne ich. Meine Antwort: verpissdu!

Wer es nicht schafft mich ernst zu nehmen, wenn das mal notwendig ist, hat irgendwie ein Wahrnehmungsproblem. Das ist schade, mache ich aber nicht zu meinem Problem.

So ganz blicke ich durch diese Gender Debatte nach wie vor nicht durch (soll heissen, ich blicke es zu 83% nicht). Ich war ja nie so ein Feminismus-Anhänger. Ich gebe jedoch gerne zu, dass die Feminismusbewegung für die Gesellschaft enorm wichtig war. Und vielleicht immer noch ist.

Ich würde auch sagen dass ich mich nach wie vor nicht in erster Instanz als Frau wahrnehme, sondern als Mensch. Als eine Person die nichts vom rote-Handtasche-Tag hält, als Kind lieber mit Jungs gespielt hat, Barbie doof fand, den Amiga des Bruders und seinen Chemiebaukasten ein Vielfaches interessanter fand als blöde Puppen die so gar nix konnten. Eine Person, die als Kind gern ein Junge gewesen wär, in der Jugend immer noch manchmal lieber ein Junge und das irgendwann aufgegeben hat. Die jetzt ca. 5mal im Jahr nen Rock trägt, sich die Nägel anmalt und mittlerweile sogar Makeup verwendet.

Die sich aber immer noch unwohl fühlt, wenn sie Schuhe sieht und sich denkt „amagad, do want!!“ und erst vor einigen Jahren gelernt hat was ein Keilabsatz ist. Und übrigens in hohen Schuhen maximal stehen kann. Und vermutlich selbst da nach wenigen Minuten nach vorne umkippen würde. Auf Actionfilme steht, Nerdwitze mag und wenn es ihr schlecht geht zur Abhilfe Glee guckt. Bei Kittens und in Baumärkten grosse glänzende Augen bekommt.

Eine Person, die ihren Job gelegentlich hasst, aber nach drei Tagen programmieren ein wonniges Gefühl im Bauch kriegt, wenn die Tests funktionieren, das Zeug dokumentiert ist und einigermassen clever konzipiert ist. Die anderen Leuten gerne Smartphones wegnehmen würde, wenn sie damit nicht umgehen können. Gerne eine ordentliche Bohrmaschine besässe. Und ein Laser-Ausmess-Wasserwage-Gerät. Und einen gut sortierten Werkzeugkoffer. Und eine gewisse Handtasche die eigentlich viel zu teuer ist.

Ausserdem eine Person, die einen 200er Puls bekommt, wenn Frauen oder Mädchen sich extra blöde stellen um als hilfloses kleines Ding durchzugehen dem man(n) doch unbedingt helfen muss. Und gerne noch ein paar mehr Roboterfiguren hätte, handwerklich begabter wäre und ein lebensgrosses Han-Solo-in-Carbonit Relief für den Flur will. Und einen Garden Jawa. Und einen 200er Puls bekommt, wenn ein Kerl sagt sie könnte was nicht, weil sie ein Mädchen sei. Oder etwas nix für Frauen sei.

Und immer Schwierigkeiten hat, bei einigen dieser Merkmale nicht ein wenig einen Anflug von seltsamen Gewissen zu bekommen, weil die Mixtur wohl gesellschaftlich noch nicht so ganz in einigen Köpfen angekommen ist. Im Eigenen übrigens leider auch nicht.

Gibt’s da was von Ratiopharm? Oder wenigstens eine App?

I can haz decision?

Residenzgarten

Residenzgarten

Ok, ich wohne jetzt schon fast sieben Jahre hier. 7 Jahre Tibet, äh, Würzburg.

So lange habe ich es seit meiner Kindheit nicht mehr an einem Ort ausgehalten. Wirklich gerne lebe ich hier auch immer noch nicht. Es fällt mir schwer, gerne in einer Stadt zu leben deren Hauptbahnhof um Mitternacht komplett geschlossen hat, keine Zigaretten kaufen, nichts zu trinken … Eine Stadt, für deren öffentliche Verkehrsmittel „1+4“ nicht 5 ergibt, sondern 4 Haltestellen. Offensichtlich zahlt man schon für die Benutzung der Einstiegshaltestelle.

Eine Stadt mit einer Bürgerinitiative für eine ruhigere Innenstadt, was soviel bedeutet wie Zapfenstreich um 22.00, zumindest könnte es einem bei miesen Wetter so vorkommen. Eine Stadt, die trotz vieler Studenten eine durch und durch bürgerliche Art versprüht.

Eine Stadt, bei der meine Freunde mich öfter mal bemitleiden mit „naja, du musstest ja nach Bayern ziehen …“

Es ist nicht alles schlecht hier. Aber es ist auch nicht vieles richtig gut. Und gerade zu dem Zeitpunkt, an dem ich tatsächlich sowas wie ein soziales Umfeld um mich herum gebastelt habe, stellt sich mir die Frage ob es nicht an der Zeit wäre, sich jobtechnisch mal wieder anderweitig umzusehen. Da ist jedoch klar, dass ich innerhalb dieser Stadt nicht suchen muss.

Also hiesse es wieder umziehen, neue Leute kennenlernen, beschnuppern, abhaken als Deppen, oder die Arbeit investieren sie näher kennzulernen, zaghaft Bekanntschaften zu Freundschaften ausbauen. Kneipen, Buchläden, Cafés, Ärzte und Restaurants suchen. Und ganz ehrlich, mir fehlt dazu immer noch die Energie. Vom Frustrationslevel her wäre es langsam Zeit, man kann immer noch endlich lange maulen und nichts tun. Aber umziehen, neue Wohnung suchen und diesen ganzen Sozialtanz nochmal starten? Puh …

Sollte jemand wissen wie man sich mehr Gelassenheit im Job zulegt, mehr Distanz zu seiner Arbeit aufbaut und arbeitsbezogene Themen einfach in der Firma lässt, wenn man abends geht: bitte verratet es mir. Bitte!!

Dear 2012

Wir kennen uns ja nun gerade mal eine Woche, also eigentlich noch gar nicht. Deinem Vorgänger bin ich ja recht ablehnend entgegengekommen, er hat sich dann aber doch sehr bemüht. Dich würde ich also mit Vorschusslorbeeren beehren. Du verstehst natürlich, dass das für mich ein Risiko ist, bei dem ich mich nicht ganz wohl fühle.

Wie wäre es mit einem ganz einfachen „Bist du nett zu mir, bin ich nett zu dir“? Meinst Du wir kriegen das hin? Wir müssen schliesslich noch über 11 Monate miteinander auskommen, und wenn wir uns die ganze Zeit in die Haare kriegen, hat doch keiner etwas davon. (Zugegeben, ich hab davon noch weniger als Du)

Ich hab mir auch nicht allzu viel vorgenommen, Du wirst also von mir nicht sonderlich gestresst werden. Gut, da wäre das mit der Klinik und dem Port und der Brust, aber lass Dich davon nicht abschrecken, wenn wir ein wenig zusammen arbeiten, kriegen wir das hin.

Wenn ich versuche, Dich nicht mit zuviel Erwartung zu nerven, könntest Du doch mit Ärger etwas zurückhaltend sein? Gegenseitiger Respekt und so? Klar, ich fände es schön wenn Du mir keine so fiesen Überraschungen hinknallen würdest wie 2009, aber ich denke wir sind uns einig wenn ich sage, dass 2009 ein echtes Arschloch war.

Red mal mit 2011, der war eigentlich echt ok, mit dem hab ich mich im Grossen und Ganzen gut verstanden, ich glaub der mochte mich irgendwie, zumindest hat er sich so benommen. 

Und hey, Du kannst zusehen wie ich binnen 11 Monaten häkeln lerne, Dich darüber lustig machen wie ich sicher auch dieses Jahr meinen Wänden wieder Immobilienmakler-Hasstiraden erzähle, und wieder unglaublich geschickt jedem aktiven Sport ausweiche.

Ach und keine Angst wenn ich wieder was von Schafe züchten in Irland erzähle, dann kann ich nur meinen Job wieder nicht ab, aber das sind so Phasen, das musst Du nicht weiter ernst nehmen.

Eigentlich freue ich mich ein klein bisschen auf Dich, wenn auch mit einer gewissen Portion zurückhaltender Skepsis, aber bei manchen Deiner Vorgänger dürfte Dich das ja nicht überraschen.

Also dann, mal sehen wie es läuft.

Schöne Grüsse und guten Start.

 

/Lain

Yes, well …

so I moved the blog. again. Seems I can’t come up with a name that sounds ok for more than a year. And I still don’t know about this writing in english. Sometimes I think it helps me stay focused on a topic. Sometimes I think it simply depends if I read too many books and watched too much tv in english. But let’s face it, who cares?

Christmas is pretty much over, and I got by ok. Now all I have to face is new year’s eve and I still have more than enough alcohol to cope with that. I still don’t get the hype about it. I used to, I think. But all this excitement and hope doesn’t seem to make that much sense any more.

So, medication is okay, but it sucks big time to suffer from withdrawal symptoms after not taking them for two days. At least they work. I’ve been going out more, lately, I guess the meds have something to do with that too. Maybe not, maybe I’m just sick of sitting at home all the time. Sometimes I watch myself and wonder how people can think I am ok. Yes, well, I am actually ok. But being ok is not enough on the long run. It’s like the difference between surviving and living. To quote: „I demand euphoria“ Ok, euphoria may be a bit much. A daily dose of happiness? With a side order of … you know … sex?

And no, I do not want to actually do something to be happy, I want room service. Some people seem to do nothing at all for being happy and they are. That is what I want. Now, please. Demanding too much? Yeah, I guessed so. Forgive a girl for dreaming…

I got hooked up on Glee. It’s perfect, really, absolutely no thinking required, it’s even better if you’re half drunk. It is annoyingly morale once you think about it, so don’t. Just watch the utterly parallel-universe-like problems, laugh at the performance, and enjoy music you would normally kill the radio for. And never ever think. Yes, it makes your brain feel all squishy after a while, but hey, isn’t that what holidays are for?

This too shall pass

Ich erwäge immer noch ob ich mir das nicht mal als Tattoo verpassen lasse. Und ich meine nicht irgendeinen Song, sondern den ursprünglichen Spruch. In persisch sieht der eigentlich ganz hübsch aus …

Das ist gerade alles eine ganze Portion zuviel. Zuviel was? Ja, das wenn ich wüsste. Ich bin offensichtlich unfähig in mehrere Dinge gleichzeitig Energie zu stecken. Entweder Arbeit, oder mein Privatleben, oder meine Therapie, oder meine Wohnung, oder meine Gesundheit, oder meine Finanzen. Oder ich bin in dieser Hinsicht einfach absolut nicht multitasking-fähig. Stack Overflow, quasi.

Kraftreserven? Was ist das? Kräfte einteilen? Teilen? Teile und herrsche ist sicher nur so ein blöder Spruch. Teile und herrsch keinen an? Schon eher, aber auch unwahrscheinlich.

Und es hilft auch nicht, dass es nur noch 4 Monate bis Jahresende sind. Nicht weil dann schon wieder ein völlig überbewertetes Sylvester ansteht, sondern weil ich dann eigentlich Deadline habe, um zu entscheiden was ich mir so vorstellte. Ob ich nicht doch mal wieder umziehe, ob ich nicht doch mal wieder versuche einen Job anderswo zu finden? Kennt jemand jemanden, der eine einstellt die so tut als sei sie Java Dev? Und ihr dann auch noch den Umzug zahlt? Oder ob ich bleibe, und was sich dafür ändern müsste. An mir, an den Anderen. An meinem Leben. Ach, da sind sie ja wieder, meine drei Probleme.

Wie machen das die Leute, die arbeiten gehen und sich nicht den Rest ihrer Zeit von der Arbeit versauen lassen? Haben die an der Tür ihres Arbeitgebers ein Gerät hängen, das sie einer schnellen Gehirnwäsche unterzieht? Oder einen Reset auf den Stand von vor-der-Arbeit versetzt? Gibts da was von Ratiopharm?

Ha, mir fehlt sogar die Energie hier ordentlich zu jammern. Nur ein halbherziges Lamentat. Muss reichen. Auch das wird vorübergehen.

Weiblich, ledig, nicht mehr ganz jung sucht …

ich bin Sternzeichen Löwe, was ich angesichts der Horoskope für einen Beweis der Ironie des Schicksals halte, ich putze meine Küche wenns mir mies geht, ich fange ständig Browserspiele an um sie nach einigen Wochen wieder zu kündigen, wenn ich krank bin gucke ich Teenager High School Filme, ich habe ständig das Bedürfnis mal wieder intelligente Bücher zu lesen und lese dann doch wieder abgedrehte SciFi Romane, ich renne in so ziemlich jede Comic Verfilmung obwohl ich weiss dass ich danach wieder darüber schimpfe, ich liebe Comics aber lese sie zu selten, ich werde wohl bald anfangen den Knubbel meiner Rauhfasertapete Namen zu geben, ich habe seit Woche keine Musik mehr gehört, ich ertrinke entweder bald in der Banalität meines Alltags oder ich fange an die Banalität in Alkohol zu ertränken, ich bin mit meinem Leben nicht zufrieden bin aber unfähig oder zu feige etwas daran zu ändern.

Nein, so sollte man wohl keine Kontaktanzeige formulieren. Und für die betont lässig ehrlichen Anzeigen in der Neon ist es nicht eben nicht lässig genug. Ausserdem möchte ich nicht wissen was der Ex sagt. Und eigentlich suche ich auch nicht einen Kerl, sondern eher mich. Würde ich auf so eine Anzeige reagieren? Ich habe meine Zweifel, noch dazu wenn sie von mir ist. Das Bild im Spiegel ist kein Bild, sondern ich. Das will ich manchmal nicht wahr haben. Also starre ich das Bild an und versuche zu erkennen wer das ist. Was für ein Mensch. Ich finde es nicht heraus und nach einiger Zeit beginnt das Bild mit den Augen zu rollen, dann gehe ich meist weg. Ich bin derzeit nicht gewillt mich von Bildern fremder Menschen verhöhnen zu lassen.

Bin ich verzweifelt angesichts meines Single Daseins? Nein, eigentlich nicht. Glaub ich, vielleicht rede ich es mir nur ein. Anderseits gibts da auch die Stimme im Kopf – die gehört aber vielleicht gar nicht zu meinem Kopf, sondern zu der Alten deren Bild bei mir im Bad über dem Waschbecken hängt – erzählt auch regelmässig dass ich eh keine Chance hätte. Ja, ja, ich bin zu dick. Und wenn ich weiter soviel fernsehe bin ich auch bald dumm. Dickdumm. Oder auch dummdick. In beiden Fällen keine gute Konstellation. Aber reicht dick und intelligent? Oder genügt in vielen Fällen nicht dummschlank? Die Medien präsentieren doch ständig gut aussehende Hühner die sich offensichtlich damit zufrieden geben, dass sie ihr Hirn nur zu 15% auslasten. Achja, Klischees …

Nein, ich denke nicht dass ich unglücklich mit meinem Single Dasein bin. Wenn, dann bin ich unglücklich mit meinem Dasein. Das klingt auch viel melodramatischer. Gut, formulieren wir es um: ich bin unzufrieden mit der Gesamtsituation. Das darf man heutzutage sagen, das wird nicht weiter ernst genommen. Ausserdem, wer ist denn heute wirklich zufrieden mit seiner Situation? Das gehört sich ja schon gar nicht mehr. In meiner Altersklasse hat man gefälligst etwas auszusetzen. Sei es an den überhöhten Steuern, daran dass man die Raten fürs Haus abzahlen muss, man dringend einen neuen Wagen braucht, die vielen Krankheiten die man so hat. Allerdings hat man hier bitte nur „gute“ Krankheiten zu haben. Knieverletzungen vom vielen Sport, einen Tennisarm, einen Tinitus vom vielen Stress im Büro seit man Abteilungsleiter geworden ist, Probleme mit der Schulter aus der Zeit als man noch Handball gespielt hat … Das klingt nach heldenhaften und gerechtfertigtem Leiden. Nicht aufzuführen hat man hier bitte so Dinge wie Magen-Darm-Grippe oder Hodenkrebs, das ist nicht „lifestyle-gerecht“.

Ich schweife ab, dabei weiss ich gar nicht was ich sagen wollte. Eigentlich hatte ich nach all der Zeit das Blog angeworfen um endlich mal mein „Manifest der unvermeidlichen Hoffnung“ zu schreiben, aber das wird wohl nie etwas werden, nachdem jemand über diesem Titel einen Kicheranfall bekommen hat. Egal, ich persönlich finde den Titel immer noch sehr gut, und in einigen Jahren wird jemand so etwas verfassen und es wird grandios sein. Die Chancen, dass nicht ich das bin, stehen hoffentlich sehr gut.

Nun denn, mein Leben stinkt mir, aber scheinbar stinkt es noch nicht genug. Sie können jetzt weitergehen, hier gibts nichts zu sehen.

Ein Tag in vier Gängen

Erster Gang:

Ich ging duschen. Das klingt jetzt wenig spektakulär, manchmal ist es das aber. Nicht unbedingt auf eine Woohooo!! spektakuläre Art, sondern eher auf eine verblüffend bis irritierende Art und Weise. Manchmal finde ich es schon verwunderlich, dass schon wieder ein neuer Tag angefangen hat. So völlig ohne Einladung. Dass ich über Nacht schon wieder einen Tag mehr gealtert bin, ohne dass ich das Gefühl hätte mich jemals selbst einzuholen, geschweige denn mich mir ernsthaft anzunähern. Es ist verblüffend dass ich seit Wochen oder Monaten duschen kann und für diese flache Stelle und die Narbe nur noch klinisches Interesse aufbringen kann, wenn überhaupt. Und dass ich überhaupt keine Ahnung mehr habe seit wann das so ist, ist manchmal irritierend. Und überhaupt, dieser neue Tag, dem man sich mit der morgendlichen Dusche stellt, mal verhalten optimistisch, mal resignierend. Woher kommen die immer? Wieso sinkt man nachts in die Kissen, bar jeder Hoffnung und erwacht am nächsten Tag? Um festzustellen, dass das Weltengefüge sich einfach nicht für einen interessiert und wohl ewig so weitermachen wird? Tag auf Tag auf Tag? Selbst wenn die gesamte Weltbevölkerung abends einen kollektiven Protestschrei ausstossen würde, der nächste Tag käme trotzdem? Nunja, man kann ja nicht ewig duschen …

Zweiter Gang:

Ich ging arbeiten. Das ist nun wirklich nicht spektakulär. Gibt es irgendeine Form der Beschäftigung die man für Geld tut, die sich nicht binnen einer gewissen Zeit in eine dröge, öfter mal frustrierende Tätigkeit verwandelt? Gibt es Leute, die täglich arbeiten gehen weil sie das Geld brauchen und nicht bei ihrer Kaffee-/Frühstück-/Zigarettenpause innehalten und sich wünschen sie könnten kurz ihr Gehirn abschalten, damit sie aufhören sich zu fragen was in Namen aller Götter sie hier eigentlich tun? Kann man sich eine Beschäftigung suchen (und auch finden), die so befriedigend ist, dass man sie täglich tun will? An 365 Tagen abzüglich 30 Tagen Urlaub, 96 Tagen Wochenende, 10 Feiertagen, 10 Krankheitstage und 10 Krankfeiertage. Gibt es einen geheimen Trick mit seiner Arbeit so glücklich zu sein, dass man nicht gelegentlich von einer Brücke springen will bzw. die Kollegen von einer Brücke werfen will? Stumpft man irgendwann genug ab um nicht mehr in Frage zu stellen was man da als Beruf ausübt? Kann ich einen Tag, an dem ich nicht meinen Kopf gegen die Wand schlagen wollte, einen guten Tag nennen? War es ein erfolgreicher Tag wenn ich eine bestimmte Anzahl an Codezeilen geschrieben habe? Wenn ich nicht nachgesehen habe, wieviel ein Schafzüchter in Irland im Durchschnitt verdient? Ja ich weiss, ohne ein einigermassen erträgliches und gesicheres Einkommen wäre das Leben entsprechend unkomfortabler. Und der Zweck heiligt die Mittel. Aber was ist hier Zweck? Wir arbeiten, wir verdienen irgendwann mehr, innerhalb kürzester Zeit steigen unsere Lebenskosten, und in Folge auch die Erwartungen, also muss man noch mehr verdienen, dann steigen die Lebenskosten … sind wir Hamster in Rädern oder Mäuse in Labyrinthen? Ich für meinen Teil kann guten Gewissens sagen, dass ich seit meiner letzten Gehaltserhöhung kein glücklicherer Mensch wurde und übrigens auch kein besserer. Ich tendiere zum Maus im Labyrinth sein, aber langsam vermute ich, dass ich am Ende nur ein Schild vorfinde „the cheese was a lie“

Dritter Gang:

Ich ging nach Hause. Endlich frei. Endlich nicht mehr arbeiten für den Rest des Tages! Das sind ganze 6 Stunden! Vorausgesetzt ich schlafe nicht vorher ein. Blöd wenn man von den 6 Stunden dann noch fast eine Stunde mit einkaufen und heimgehen verbringt. Aber egal. Über 5 Stunden! Jetzt nur nichts verschwenden. Zeit ist schliesslich Geld, oder so. Ist eigentlich Blödsinn. Freizeit kostet meistens eher Geld. Aber ja, ich fang gleich an, den mir verbleibenden Tag auf ganz grossartige Weise zu verbringen. Nur noch schnell einen Kaffee in Ruhe und ein oder zwei Zigaretten. Man muss ja erstmal zur Ruhe kommen. 30 Minuten vergehen lassen. Und etwas essen. Vorbereiten, zubereiten, abarbeiten, wegräumen, eine rauchen. Wieder eine Stunde weniger. Egal. Betäubt vor lauter Feierabend-Euphorie auf der Couch sitzen: 30 Minuten. Im Wohnzimmer umsehen, ein schlechtes Gewissen bekommen, alibi-mässig Sachen von links nach rechts und in seltenen Fällen sogar aus dem Zimmer tragen: 30 Minuten. Erschöpft auf die Couch sinken, Twitter, Facebook, Emails checken: 30 Minuten. Genervt durchs Fernsehprogramm zappen: 30 Minuten. Ein Buch aufschlagen: 1 Stunde. Abermals Facebook, Twitter und Emails checken, zu spät auf frühere IMs reagieren: 30 Minuten. Lesen, als die Augen zufallen auf die Uhr sehen. Wieso ist es jetzt 1 Uhr nachts? Wo sind meine 6 Stunden? Wo ist die Feierabend-Euphorie? Die ist gegangen, kam sich vernachlässigt vor und hat mit der Müdigkeit Schicht getauscht.

Vierter Gang:

Ich ging ins Bett. Noch ein bischen lesen. Sinke ins Kissen, bar jeder Hoffnung.