How to feminism, oder warum Blade Runner 2049 so ist, wie er ist

warning: contains spoilers.

Die Sarkeesian hat ja kürzlich nochmal über Blade Runner gesprochen, und die vage Hoffnung geäussert, dass 2049 ein wenig anders mit den Frauen umgegangen werden wird.

Nö.

Und meine Frage dazu lautet: Warum auch?

In 2019 wird eine Gesellschaft dargestellt, die female Sex-Androiden hat, in der Frauen kaum wahrnehmbar sind, es sind 3 Frauen in Blade Runner, die alle 3 Replikanten sind. Ok, ich glaube es gab noch eine Nudelverkäuferin, aber die hat kaum eine Rolle. Und die anderen? Assistentin, Exotic Dancer, und quasi Sexbot. Das klingt nicht nach einer Gesellschaft, die ein sehr fortgeschrittenes Frauenbild hat.

30 Jahre später. Ca. 6 Frauen in grösseren Rollen. Diesmal sind sogar menschliche dabei. Yay. Eine der menschlichen Frauen ist sogar in einer Führungsposition bei der Polizei. Yay. Die andere menschliche Frau ist Sexworkerin. Ansonsten hätten wir da 1 Assistentin, 1 uh, sagen wir Companion-KI, Replikanten deren ursprünglicher Einsatz nicht mehr so ganz klar ist, …

Man könnte also meinen, es hätten sich Dinge getan. Haben sich auch. Aber Robin Wright verkörpert meiner Meinung nach in ihrer Rolle der Polizistin ganz hervorragend ein Issue des Feminismus. Nämlich, how to feminism in a boys‘ club. Ihr Auftreten ist sehr ruppig, kurz angebunden, klarer Befehlston, kein Sozialisieren.

Wer jetzt meckern möchte: Die Szene in K’s Apartment ist kein Sozialisieren, sie ist leicht übergriffig und dreht quasi nur das Gender bei einer Art Powerplay. Den zusätzlichen Reiz übt dabei die Tatsache aus, dass K Replikant ist, keinen eindeutigen Befehl bekommen hat und sich bewusst entscheidet ihr nicht entgegen zu kommen. Vor 30 Jahren hätte diese Szene anders geendet. Aber da wäre K auch weiblich gewesen und Madam wäre Sir gewesen.

Die Charakterzüge von Joi und Luv genauer anzusehen, macht wenig Sinn, wenn man bedenkt dass beide mit ganz klaren Fokus auf bestimmte Aufgaben entwickelt wurden. Besorgniserregender ist eher die Tatsache, dass auch in 2049 ein Markt besteht für Partnerinnen, deren Hauptaufgabe es ist dem Partner ein „trautes Heim“ zu vermitteln, ohne grosses Hinterfragen zu unterstützen und vielleicht ein wenig Ambition auszulösen. Oder träumen Androidinnen von Menschenkindern als Freund?

Und mächtige Männer mit Gottkomplex™ wollen Assistentinnen, die mit absoluter Hingabe jeden ihrer Wünsche als Befehl ausführen. Nothing new here.

Insgesamt hat sich also wenig weiter entwickelt, die Frauen die sich mächtigere Positionen erarbeitet haben, haben dies vermutlich durch Methoden aus der Männerwelt™ erreicht und müssen nun weiter nach exakt diesen Regeln spielen um sich in ihren Stellungen zu halten.

Sind wir überrascht? Nö.

Ich halte Blade Runner 2049 in vieler Hinsicht, und auch in Hinsicht auf die Entwicklung des Feminismus, für eine konsequente Weiterentwicklung von der Welt die Ridley Scott damals aufgebaut hat.

Der Film ist grossartig, wunderbares Eye und Ear Candy und ich hoffe ein kleines bisschen, dass die Freunde und Freundinnen vom Netzfeminismus™ etwas weniger meckern, sondern sich mehr Gedanken machen um „how to feminism“

Kulturelle Aneignung

aka cultural appropriation. Ich hab das bisher so am Rande mit verfolgt, blackfacing, Transmenschen die in Film und Fernsehen von Cis Menschen gespielt werden, etc. Probleme die ich nachvollziehen konnte. Jetzt hat sich so ein Designmensch namens Marc Jacob die Wut des Internets (TM) zugezogen. Es war wohl so dass auf einer Modenshow Models mit Dreadlocks über den Laufsteg getrippelt sind. Weisse Models. Es herrschte grosse Aufregung, meine Filterblase hat mir dann einen älteren Artikel zu dem Thema reingespült.

Ich bin wie üblich sehr hin und her gerissen. Ja, besetzt gerne Trans-Rollen mit Trans-Leuten. Ja, ändert nicht die Herkunft einer Rolle für einen Film wenn es nicht nötig ist.

Aber wir reden hier von Mode. Diese Aufregung um Klamotten, die ständig irgendwie doch gleich aussehen, viel kosten, ein grosses Spektakel für viele Leute sind, und anderen am Po vorbei gehen. Mode, die sich ständig an anderen Kulturen bedient, seien es Schnitte, Farbzusammenstellungen, Präsentation, whatever.

Wo fängt kulturelle Annektierung an und wann hört sie auch mal wieder auf? Muss ich mir als gebürtige Koreanerin jetzt komisch vorkommen wenn ich japanisch esse? Muss ich jetzt Japaner verhauen wenn sie koreanisch essen? Muss ich Europäer anmaulen wenn sie asiatisch essen? Muss ich aufhören deutsch zu essen?

Und mal ganz provokant gefragt, dürfen Transmänner existieren? Oder sollten sie sich gefälligst schämen, weil sie sich die männlichen Privilegien aneignen?

Könnten wir auch hier bitte so vorgehen, wie ich es mir für den Netzfeminismus (TM) wünsche? Angemessen, mit einer Prise gesundem Menschenverstand und etwas weniger um-sich-schlagen-und-treten-und-schreien?

 

Buzzword Bingo

Szenario 1:

Eine leicht gebräunte Frau steht im Bikini vor einer Wand. Wind plustert ihre dunklen Locken auf, und damit man das besser sieht, fuchtelt sie mit den Händen darin rum. Sie besteht aus Muskeln und einer ziemlich kleinen Menge Fett. Ich kriege aus Solidarität Hunger wenn ich ihren Bauch ansehe. Sie glänzt. Wahrscheinlich glänzt sie, damit man besser sieht, dass ihre Haut absolut makellos ist. Ich kriege Pickel wenn ich sie länger ansehe. Vermutlich Stresspickel. Sie guckt ein wenig seltsam. Ich glaube ich gucke auch so, wenn ich gerade aufgestanden bin. Und ihr Mund steht ein wenig offen. Vielleicht ist sie verwirrt. Oder denkt nach. Vermutlich denkt sie an Kaffee. Oder an Käsebrötchen.

 

Szenario 2:

Ein Auto. In leicht schräger Frontansicht. Es glänzt, es wurde vermutlich vor 0,7 Sekunden frisch poliert. Es hat vier Reifen, 2 Türen, Fenster, was Autos halt so haben. Sonst kann ich dazu nichts sagen, weil ich mich mit Autos nicht auskenne. Auf der Motorhaube des Autos liegt eine Frau im Minirock mit aufgeknöpfter Bluse, der BH ist rot und scheint aus viel Spitze und wenig anderem Material zu bestehen. Die Frau besteht auch aus wenig anderem als Muskeln und minimalst Fett. Sie liegt in dieser klischeehaften „lasziv räkeln“ Position da. Ein Bein angewinkelt, ein Bein ausgestreckt, Rücken durchgedrückt, Kopf in meine Richtung, eine Hand fuchtelt in den Haaren, eine Hand spielt am BH rum. Sie glänzt fast so sehr wie das Auto. Sie schaut ebenfalls etwas seltsam drein und auch ihr Mund ist etwas offen. Vielleicht denkt sie auch gerade an Käsebrötchen. Oder Mett-Igel.

 

 

Beide Szenarien sind Plakate. Auf einem steht „[Markenname] Beachwear“ und kleiner „[Modellname] Bikini. Auf dem anderen steht „Geiles Teil. Der neue [Automarke] [Modellname]“ und kleiner „ab [Preis] Euro“.

Auf einem dieser Plakate hat jemand den Aufkleber mit dem aufgeregtem Text „Sexistische Kackscheisse“ angebracht.

Der Aufklebergewinner ist Szenario 1. Szenario 2 ist frei erdacht und ist mir in ähnlicher Form lange nicht mehr vor Augen gekommen.

Ok, ich bin verwirrt. Ich sehe ein, dass man Sexismus anprangert. Ich bin verstört, was zur Zeit alles als „sexistische Kackscheisse“ bezeichnet wird. Diese Leute aus Szenario 1 wollen Bademoden verkaufen, sie heuern dazu Marketingleute an, diese heuern teure Fotografen und teure Models an, und so weiter.

Entschuldigung, aber wie sollen diese Leute Bademode verkaufen, ohne die Bademode zu zeigen? Kommt mir jetzt bitte nicht mit „Jaha, aber diese Frau auf dem Plakat trägt bestimmt nur Grösse 34, ausserdem ist sie gephotoshopped (photogeshopped? gephotoshopt?) das Foto zigfach überarbeitet worden und sie selber wurde vermutlich eingesprüht, eingeölt und dann nochmal eingesprüht, das ist überhaupt nicht realistisch!!!1111″ Wenn es darum geht, klebt Aufkleber „lookistische Kackscheisse“ (was auch keinen Sinn ergibt, da die Frau auf dem Bild keine andere Person aufgrund ihres Aussehens diskriminiert) oder lasst euch ein schickes Buzzword einfallen für „Dieses Bild impliziert ein Schönheitsideal fernab der Realität und hat einen negativen Einfluss auf ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper!“.

Aber bitte stempelt solche Dinge jetzt nicht auch unter Sexismus ab, das verstehe ich nicht, und dann finde ich das alles wieder doof und seltsam und dann geht es meinem Gehirn schlecht. Erschwerend kommt hinzu, dass ich dann das Sexismus anprangern als überhöhten Aktionismus von Leuten, die sich gerne Probleme machen, wahrnehme und durch die reine Flut an „Sexistische Kackscheisse!!!111“ ein Überreiz entsteht, ich genervt darauf reagiere und die Szenarien, die wirklich nichts als dämlicher Sexismus sind, dadurch unter der Flut ersaufen. Das fände ich a) schade, b) sehr kontra produktiv, und b ist deutlich schlimmer als a. Und schadet meines Erachtens wirklich viel mehr als es irgendwem hilft. Also lasst das. Bittedankeschön.

 

Queers destroy Science Fiction – and one narrator destroys all ze stories

Das Lightspeed Magazine hat zur Zeit die Aktion ‚Queers destroy Science Fiction‘ laufen, ähnlich wie damals Women destroy Science Fiction (and Fantasy, and Horror)

Ich bin ja herrlich unbedarft und nehme beim lesen weniger über die Autor*en wahr. Wenn ich mehrere der Geschichten mag, google ich sicher mal nach der Person um mehr Material zwischen die Finger zu kriegen, orientiere mich aber am Gender, das der Name impliziert.

Aber darum geht es gar nicht, es geht um etwas wirklich Tragisches! Denn so gerne ich zwischendurch Podcasts höre, und mich durchaus auf einen bewusst queeren Einfluss im SciFi Genre gefreut habe … warum Paul Boehmer? Es ist mir völlig unklar, warum der so viel lesen darf, ich finde einfach er macht das nicht gut. Das klingt immer zu gekünstelt, zu stockig im Arsch, ich weiss auch nicht. Gerade bei Black Holes, in einer Geschichte in der auch gender-neutrale Pronomen  eingesetzt werden (yay!), klingen diese bei Paul Boehmer so mühselig, als hätte man einen Deutschen mit bewusst miesem Akzent englisch reden lassen („Where is ze way to ze hospital?“). Auf diese Weise stört mich der Laut zu sehr und unterbindet damit das eigentliche Ziel, nämlich solche Pronomen als völlig normale Alternative einzusetzen.

Ich bin an sich schon eher schmerzbefreit wenn es um Stimmen in Kurzgeschichten geht, aber das ist nun schon die zweite Geschichte aus der „Queers destroy“ Reihe, die ich nach ca. 15 Minuten abbrechen musste, da mich seine Stimme die imaginären Wände hochgetrieben hat. Schade drum, ich hoffe sehr dass ich den Stories demnächst eine zweite Chance geben kann und sie dann selber lese. Some of ze zings sound better in my head :p

Wer also lieber liest, als hört, kann sich bei destroysf.com viel schlauer machen. Und bitte liebe queer Narrators: löst den Mann dort ab!

Er ist tot, Jim

I have never been, and never will be, a Trekkie. Ich habe von Star Trek ToS zwar viele gesehen, aber es hat mich nicht umgehauen, mit Next Generation konnte ich dann besser. Kirk war mir immer etwas zu plump, Pille war ein elender Spaßverderber, Chekov zu russisch, Scotty zu weiß-auch-nicht, Sulu zu unauffällig und Uhura zu viel fremdes Frauenbild. Aber Spock, der war wenigstens sympathisch anders. Logisch, viel zu intelligent, herrlich trocken und halt anders.

Später haben youtube Videos von Interviews die Person hinter der Rolle sympathisch und interessant gemacht. Das Geplänkel zwischen Nimoy und Shatner, kein noch so altes Ehepaar hätte das besser machen können. Und mal ehrlich, Schauspieler in einer Geek Serie UND schreibt Gedichte? Schweig still, mein Herz…

Die Ausstrahlung des leicht mysteriösen hat er in den paar Auftritten auch in Fringe nicht verloren, ich habe mich echt gefreut ihn da zu sehen.

Und wer bitte hat bei TBBT nicht Verständnis für Sheldon gehabt, und hätte nicht auch gerne einen eigenen Nimoy Klon besessen? Oder wenigstens die sprechende Actionfigur? Oder den Kopf aus Futurama? Die Simpsons Episode hab ich leider nicht gesehen. 

Allein die Cameos zeigen wieviel Ruhm diese Rolle eingebracht hat, und leider weiß ich für meinen Teil viel zu wenig über die Person, aber vielleicht ist das auch gerade gut so.

Auch ohne Trekkie zu sein, stimmt es mich ein wenig traurig, dass eine Person gestorben ist, die ein Idol für eine – damals zumindest – Randgruppe dargestellt hat, die Wissenschaft „cooler“ gemacht hat und Logik gefeiert hat (wenn auch sehr zurückhaltend) und der Geeks aus den verschiedensten Gebieten vereint hat.

John Scalzi hat auf Twitter die beste Erklärung abgeliefert

@scalzi: If you’re having trouble understanding the grief over @TheRealNimoy’s passing, here it is: Every geek just lost their favorite grandparent.

Whitewashing, Cultural Theft oder irgendwas mit -ismus?

Meine Twitter Timeline hat mir heute erzählt, dass es eine Petition gibt, die von Dreamworks fordert das whitewashing zu unterlassen, vor allem wohl bezüglich der Verfilmung von Ghost in the Shell, für die Scarlett Johansson als Hauptrolle geplant ist. Siehe hier, bei themarysue.

Meine erste Reaktion, und – unglücklicherweise – immer noch bisherige Reaktion ist: ze fuck?

Ok, ich verstehe das Konzept hinter whitewashing, ich verstehe das Konzept hinter cultural theft, und ich verstehe ein paar -ismen. Aber Major Kusanagi asiatisch besetzen? Bitte versteht mich nicht falsch, ich bin auf der Genetikskala auch bei den Asiaten angesiedelt, ich freu mich wenn Filme in Asien, oder aus Asien, auch asiatisch besetzt werden (ich sag nur Infernal Affairs vs The Departed, oder die Verfilmung von Cloud Atlas (obwohl ich es da noch etwas verstehen kann)

Aber wir reden hier von einer Manga Verfilmung. Schnell, man möge mir bitte eine Liste liefern, bei wievielen Mangas die (Haupt)Darsteller sehr asiatisch aussehen. GitS? nope. Neon Evangelion? nope. //hack/roots? nope. Akira? nope. Blade of the Immortal? Ja! Blue Seed? afaik nope. Bubblegum Crisis: nope. … Es gibt gewiss einige, in denen asiatische Gesichtsmerkmale vorhanden sind. Aber auch mehr als genug, deren Figuren violette Haare und grosse runde Augen haben. (Und riesige Brüste und ausladende Hüften bei den Frauen vs. sehr androgyne (halb)langhaarige Männer) Also Merkmale die jetzt weder besonders asiatisch, noch westlich aussehen. Nicht umsonst gibt es einen Modetrend um Anime herum, der weltweit mehr oder weniger extrem betrieben wird. Die 2m langen hellgrünen Perücken werden nach überall verschifft, genau wie die Linsen, die die Pupille vergrössern.

Also bitte, beklagt euch über whitewashing von Rollen an Stellen, an denen die Kritik nachvollziehbar ist. Aber gerade bei Manga / Anime ist die Beschwerde, hm, naja, wie soll ich sagen … Ze Fuck?

Note to self: dringend aufhören über einzelne seltsame Punkte in meiner TL leichten Puls zu kriegen. Man reiche mir ein Kitten!

XP Points ersetzen Noten?

Über Facebook bin ich auf diesen kurzen Beitrag beim ZDF gestossen, dass ein Informatik Lehrer in Wien sein Notensystem überarbeitet. XP Punkte ergeben in bestimmten Mengen ein Schulnoten-Äquivalent, erreichte XP Punkte werden nicht mehr verloren, positive Leistung wird belohnt, negative Leistung ignoriert. In besagtem Facebook Post war die Begeisterung erst mal gross.

Ich dagegen war kurz versucht mit den Augen zu rollen. Zum einen weil der Beitrag WoW als Referenz verwendet, und sorry an alle, aber das XP System wurde tatsächlich nicht erst in WoW von Blizzard erfunden. Aber gut, das ist ein persönliches Problem, meine Fussnägel rollen immer steil nach oben wenn WoW irgendwo als Mutter aller Rollenspiele dargestellt wird, idR in Breitbandmedien die es mit 2min nachdenken besser wissen sollten, aber ach, was reg ich mich auf.

Zum andern:

Nichts gegen ein Überarbeiten des Schulnotensystems. Nichts gegen die Orientierung an RPGs.

Aber …

das geübte „daily grind“ Zockerkind (TM) setzt sich also zu Beginn des Schuljahres hin, levelt sich wie blöde auf die Note die es benötigt und lässt dann gemütlich alles fallen?

Da muss es doch etwas dagegen geben? Siehe Wii Fit wenn Zockerkind (TM) 3 Wochen nicht eingeloggt war, wird der Avatar ja auch etwas, äh, breiter. Folglich müsste es durchaus möglich sein dass die XP wieder sinkt, wenn cleveres Zockerkind (TM) sich jetzt also auf die nötige umgerechnete Note 3 gelevelt hat, und dann der Meinung ist es müsse jetzt die nächsten 4 Wochen nicht erscheinen, müsste also eine Art DKP System die Anwesenheit regeln, und während ingame ein Raidleiter empört brüllt, dass der Tank jetzt schon wieder 10min zu spät erschienen ist und das in „minus 20 fucking DKP!!“ endet, müsste also ein Umrechnungssystem existieren dass negativ DPK in XP Abzug umrechnet.

Und wenn wir schon im Spielejargon bleiben wollen, wo sind die Achievements?

Quasi 1 Monat ohne Fehlzeiten, 3malige Teilnahme an freiwilligen Projekten, 5 x Referat gehalten. Achievements bringen bekannterweise nicht so irre viel, sehen aber im Spieleprofil toll aus und gehen tatsächlich nicht mehr flöten. Beeinflussen aber das Profil des Zockerkinds (TM) im Gesamtschuljahresverlauf durchaus positiv.

Wenn Zockerkind (TM) sich mühselig auf eine Note 2 gelevelt hat, und eine Arbeit komplett versemmelt, wieso wirkt sich das nicht aus? Versteht mich nicht falsch, ich will kein Bestrafen von negativer Leistung, ich denke nur dass es schon darum gehen sollte, ein System zu finden dass einigermassen stete Bemühung auch entsprechend würdigt statt „powerleveln“ bis zum mindestens notwendigen Level.

Und wieso überhaupt beschäftige ich mich mit dem Thema Schulnoten? Ich muss weg …

Unter Moskau verfahren

some spoilers incoming

Zumindest fühl ich mich so, wieso hat mich eigentlich keiner von diesen 784 Seiten abgehalten? Immerhin habe ich jetzt Metro 2033 erfolgreich hinter mir, und geteiltes Leid ist ja bekanntlich vervielfachtes Leid…

Gibt es eine Altersempfehlung für dieses Buch? Ich hab auf die Schnelle nichts dergleichen bei Amazon gefunden, nur viele Pressejubelstimmen und 4 Sterne bei 230 Rezensionen.

Äh, wat? 4 Sterne? Wofür? Ich weiss immer noch nicht was das eigentlich für ein Buch ist. Post-apokalyptischer Coming-of-Age Roadtrip mit einer Prise Horror? Oder so ähnlich, ich hab keine Ahnung. Aber ich bin hochgradig unterwältigt und ein wenig angefressen angesichts der Zeit … ok, Hörbuch, und ja, ich hätte ja auch aufhören können, aber ich hatte gehofft dass es irgendwie noch einen Sinn ergibt.

Artjom, der Protagonist erinnert mich viel zu häufig an den mauligen Simon aus Memory, Sorrow and Thorn. Nix gegen diese Bücher, aber der Bub war manchmal nervig. Ähnlich geht es mir mit Artjom, ab und an möchte ich ihm einfach einen Tritt in den Hintern versetzen, oder ausprobieren ob leichte Schläge gegen den Hinterkopf nicht doch das Denkvermögen erhöhen.

Sorry, aber die Hauptfigur ist unglaublich, hm, blass. Das ist gut, weil er leicht beeinflussbar ist und alles was er unterwegs so trifft, aufsaugt wie ein Schwamm, seien es Satanisten, Christen oder Wurmisten. Seine Fähigkeit diese Dinge in Frage zu stellen ist zwar vorhanden, kommt aber irgendwie immer zu kurz. Also ist das Buch so eine Art Religionstrip? Nö. Schliesslich trifft er ja auch auf Faschisten, Kommunisten und sonstige *isten. Nein, es ist auch kein Philosophietrip. Wirklich daraus lernen tut der Kerl auch nicht. Kann man jetzt streiten ob das gut oder schlecht ist.

Ausserdem gibt es Ratten, schlechtes Essen, wenig Licht, komische Träume / Visionen, Pilze, Moos, Kannibalen, Killer-Bibliothekare, Wahnsinnige, schier unendlich wirkende Vorräte an Munition (wieso gibt es davon eigentlich immer noch so viel, wenn die schon seit Jahren da unten leben und ständig am kämpfen sind?), Wasserfilteranlagen (wer wartet die eigentlich die ganze Zeit?), seltsame Monster und merkwürdige Drogen.

Achja, und Tunnel, massenhaft Tunnel. Also U-Bahn Tunnel. Unter Moskau. Das ist ganz hübsch, aber nicht so richtig praktisch, weil zumindest ich irgendwann verwirrt bin, wenn jede zweite Station Irgendwas-kaja heisst. Und dann haben die Russen auch noch die Unart, dass Personennamen etwas abhängig vom persönlichen Verhältnis sind.

Egal. Die Geschichte kommt bei mir einfach nicht an. Das Setting ist sicher toll, die beklemmende Atmosphäre kommt stellenweise gut rüber, aber ansonsten mäandert der Glukhovsky für meinen Geschmack oftmals zu viel herum. Der prophezeiter-aber-unwissender-Messias-stolpert-herum-und-muss-die-Welt-Retten Plot ist jetzt auch nicht so brandneu und die Umsetzung lässt für meinen Geschmack einfach zu Wünschen übrig.

Ich weiss nicht ob mir da kulturell etwas fehlt, ob die Übersetzung gelitten hat, es erreicht mich einfach nicht, und ich bin ernsthaft verwundert angesichts der Lobhudelei auf diversen Plattformen. Und eigentlich bin ich recht leidensfähig wenn es um Sci-Fi und Dystopien geht.

Ich hätte ja wirklich gerne an Gott geglaubt

zumindest in einem Buch mit dem schönen Titel „Last God Standing“ [leichte Spoilerwarnung]

Als unentschlossene zwischen Atheismus und Agnostik Schwankende, konnte ich mich dem Thema Religionen doch nie so völlig entziehen, bevorzugt jedoch in der humoristischen Variante, nicht als Sachbuch. Da gibt es durchaus viele Romane, ich sage nur American Gods, Lamb, Life of Pi, Norse Code, etc.

Jetzt eben auch Last God Standing. Schöner Titel, an sich eine gute Grundidee, Jesus / Gott gönnt sich ein Sabbatjahr und treibt sich als allergiebelasteter Asthmatiker in einem 08/15 Körper auf der Welt herum. Teil einer grotesk kaputten Familie und was kann mit dem Namen „Lando Calrissian Darnell Cooper anderes werden als Stand-up Comedian? Ja, auf total subtile Weise versucht er über diesen Weg eine Botschaft zu verbreiten, wer hätte es gedacht.

Ausserdem gehen ihm ständig andere Götter auf den Zeiger und versuchen ihn zu töten. So ganz wird nicht geklärt ob Götter jetzt eigentlich sterben oder nur verbannt werden. Da gibt es zum Beispiel Zeus, der einen leichten Hals hat auf den christlichen Emporkömmling, Dionysus der angestiftet wird, aus so ziemlich allen Religionen darf mal jemand durch’s Bild laufen. Christentum wird nicht direkt bevorzugt behandelt, es laufen jedoch auch Luzifer und ein paar Engel durch das Bild. Und – vielleicht weil der Autor zu amerikanisch ist – Islam wird kaum erwähnt.

Und dabei bleibt es leider auch, wirklich Charakter hat kaum einer der Charakter in dem Buch (Sorry for bad pun). Im Nachhinein habe ich festgestellt dass der Autor Michael Boatman auch noch Schauspieler ist. Aber auch das hätte ich nicht abgehalten, Hugh Laurie hat schliesslich auch ein gar nicht so schlechtes Buch geschrieben …

Trotzdem, das Potential für LGS ist vorhanden, die Sprache und die Geschichte an sich überzeugen mich aber nicht, es wirkt manchmal wie etwas das man als Grundlage für eine TV Serie nehmen könnte, sehr episodenhaft, ohne wirklich einen roten Faden aufzuweisen der stark genug wäre die ganzen Momentaufnahmen beisammen zu halten. (Und ich könnte mir vorstellen dass es als TV Serie auch unterhaltsam ist)

Ständige Referenzen auf Popkultur, die manchmal gezwungen cool wirkende Wortwahl und dann wieder zähe Erklärungsversuche für die „technische“ Wirkungsweise der Götter. Unausgegoren. Leider. Von der Idee her hätte ich das Buch wirklich gerne gemocht. Auch die „Message“ die Gott am Ende rüber bringt, ist nicht originell genug. Ich weiss nicht wer Zielgruppe für dieses Buch sein soll, für – sorry – Hobbychristen mag es unterhaltsam sein, Christenfundis würden sicher Erbsenbrei spucken und versuchen ihre Köpfe um 360° zu drehen während sie ihre Fuss- und Fingernägel in die Decke schlagen. Ich weiss nicht. Es ist unterhaltsam, aber nicht unterhaltsam genug. Lukewarm. Sorry, bei Lando Calrissian Darnell Cooper konnte ich da nicht anders.

Und auch wenn Gott am Ende als der Gute da steht. Er bleibt unglaubhaft.

 

A love story, or how „Straight white male“ almost broke my heart

The amateurs, Kill your friends, The second coming, Cold hands … yes, by then I got used to John Niven surprising me. And then came Straight white male. For the first few chapters I had no idea what to expect. At one point – I admit it – I seriously wondered if he would get all soppy and add a horrible „omg, I have cancer, I am going to die soon, I need to change my life asap“ moment. Thank god, he was better than that, and I bend my head in shame ever suspecting such lowly actions of him. Mea culpa, mea maxima culpa and all that.

Really, it is a grand book, it contains some of the most beautiful sentences. I am not sure if there is so much more prose in that book, or if I simply did not pay enough attention to his others.

And I am willing to bet someone else’s liver it is a love story. Love for family. Love for sex. Love for life. Love for love itself. And love for words. Above all, a love for words and writing.

Still, there are the jabs and punches, to pretty much everything. Movies, music, people in general. Understandable, laughable when we don’t consider the people contain us, terribly funny and bitterly true.

As always, when someone manages to write for writing, I feel that burst of pain inside me, which is always followed by „oh never mind, you were a child then and you could never have written anything remotely that good“. It helps, but the pain lingers.

Nevertheless, thank you for that book. For loving books. For loving words. For loving writing. And for being able to put that into words.