Angst essen Verstand auf?

Ich verstehe das nicht, ich verstehe Leute nicht, die aus Protest AFD wählen, ich verstehe Leute nicht, die aus Angst vor [insert diffuse Unsicherheit here] AFD wählen …

Protest? „Jahrelang hab ich CSU gewählt, da kam nix bei rum, jetzt zeig ich es ihnen mal richtig und wähle AFD“? Was genau soll diese Form von Protest bringen? Der grossartige Stewart Lee hat zum Thema Protestwahl im Kontext mit UKIP mal gesagt

A protest vote for UKIP is like shitting your hotel bed as a protest against bad service, then realising you now have to sleep in a shitted bed.

So, UKIP ersetzen mit AFD, funktioniert immer noch. Wer jahrelang CSU gewählt hat, und dann aus Protest Linke oder MLDP wählt … ok, ja. Aber aus Protest noch ein Stück nach rechts rutschen? Zefuck?

Und Angst? Angst vor Überfremdung, Islamisierung (wenn ich die Person erwische, die dieses Wort eingeführt hat, setzt es was), vor Männern, die die deutschen Frauen aufessen, etc? Zefuck?

Es ist jetzt nicht so als käme seit 2015 jeden Abend eine Familie aus Syrien oder Eritrea zu mir nach Hause, plünderte meinen Kühlschrank (bzw. sagt mir ich soll verdammt noch mal endlich einkaufen), nähme mir alle Bücher und Kleidungsstücke weg und mein ganzes Bargeld (bzw. sagt mir ich müsse endlich mal besser mit meinem Geld umgehen), und ich behaupte mal das ist bei keinem so.

Ich bin auch seit ich in Berlin wohne noch kein einziges mal islamisiert worden. Ok, einmal haben welche versucht mit zu katholisieren, das war aber ein sehr halbherziger Versuch und ich habe sie ausgelacht.

Geht es mir seit 2015 schlechter? Es ist ja nun auch nicht so als könnte ich eine Email an die Bundesregierung schicken und schreiben

So, ich hab mir das jetzt eine Weile angeschaut und fordere hiermit, dass meine Steuergelder zukünftig ausschliesslich für folgende Punkte verwendet werden dürfen:

  • die Reformation des Schulbildungssystems für die Jahre 6-16, mit Schwerpunkt auf Kooperation, Empathie und Ermunterung, weg vom Konkurrenzdenken und unter Druck setzen der Kinder durch Noten, Performance-Bewertung und Vergleiche
  • Stärkung der LGBT* Rechte in Deutschland

Nicht mehr eingesetzt dürfen meine Steuergelder für

  • Ausbau von Autobahnen
  • Studien zur Benachteiligung von Cis-Hetero-Menschen

Glauben die wirklich allen Ernstes die Steuern sinken wenn wir jährlich nur noch 10000 Flüchtlinge aufnehmen? Kommt dann Post vom Finanzministerium mit einem Verrechnungsscheck über 13,20€ mit dem Zusatz „Aber gib nicht alles auf einmal aus“?

Ich verstehe das alles nicht, und das macht mir viel mehr Angst als muslimische Menschen, die mir nicht meine Schweineschnitzel wegessen und mir nicht den Gin wegsaufen. Mehr Angst habe ich vor Parteien, die sich jetzt panisch überlegen wie sie die AFD Wähler zurückholen können. „Immer ein bisschen mehr rechts als wie du“?

Mehr Dialog? Ich will nicht mit denen reden. Ich will sie nicht um mich herum haben, ich will nicht mit ihnen diskutieren müssen, ich will nicht mal in einem Raum mit denen sein. Am liebsten wäre ich auch nicht in einem Land mit denen. Die sind engstirnig, denken nicht weit, brauchen dringend etwas worauf sie nach unten treten können damit sie nur ja nicht am untersten Ende der Leiter sind, sie sind eine traurige Schande, für alles Gute was die Menschheit versehentlich auf die Beine gestellt hat und bestimmt riechen sie unangenehm.

Ihr blöden besorgten Bürger, ihr habt es jetzt also geschafft, ich habe Angst, und zwar vor euch, euren reaktionären Ideen in eurem Kopf, euren Vorstellungen davon was gut und richtig ist und richtig Angst hab ich davor euch jemals ein bisschen zu verstehen.

Kulturelle Aneignung

aka cultural appropriation. Ich hab das bisher so am Rande mit verfolgt, blackfacing, Transmenschen die in Film und Fernsehen von Cis Menschen gespielt werden, etc. Probleme die ich nachvollziehen konnte. Jetzt hat sich so ein Designmensch namens Marc Jacob die Wut des Internets (TM) zugezogen. Es war wohl so dass auf einer Modenshow Models mit Dreadlocks über den Laufsteg getrippelt sind. Weisse Models. Es herrschte grosse Aufregung, meine Filterblase hat mir dann einen älteren Artikel zu dem Thema reingespült.

Ich bin wie üblich sehr hin und her gerissen. Ja, besetzt gerne Trans-Rollen mit Trans-Leuten. Ja, ändert nicht die Herkunft einer Rolle für einen Film wenn es nicht nötig ist.

Aber wir reden hier von Mode. Diese Aufregung um Klamotten, die ständig irgendwie doch gleich aussehen, viel kosten, ein grosses Spektakel für viele Leute sind, und anderen am Po vorbei gehen. Mode, die sich ständig an anderen Kulturen bedient, seien es Schnitte, Farbzusammenstellungen, Präsentation, whatever.

Wo fängt kulturelle Annektierung an und wann hört sie auch mal wieder auf? Muss ich mir als gebürtige Koreanerin jetzt komisch vorkommen wenn ich japanisch esse? Muss ich jetzt Japaner verhauen wenn sie koreanisch essen? Muss ich Europäer anmaulen wenn sie asiatisch essen? Muss ich aufhören deutsch zu essen?

Und mal ganz provokant gefragt, dürfen Transmänner existieren? Oder sollten sie sich gefälligst schämen, weil sie sich die männlichen Privilegien aneignen?

Könnten wir auch hier bitte so vorgehen, wie ich es mir für den Netzfeminismus (TM) wünsche? Angemessen, mit einer Prise gesundem Menschenverstand und etwas weniger um-sich-schlagen-und-treten-und-schreien?

 

Buzzword Bingo

Szenario 1:

Eine leicht gebräunte Frau steht im Bikini vor einer Wand. Wind plustert ihre dunklen Locken auf, und damit man das besser sieht, fuchtelt sie mit den Händen darin rum. Sie besteht aus Muskeln und einer ziemlich kleinen Menge Fett. Ich kriege aus Solidarität Hunger wenn ich ihren Bauch ansehe. Sie glänzt. Wahrscheinlich glänzt sie, damit man besser sieht, dass ihre Haut absolut makellos ist. Ich kriege Pickel wenn ich sie länger ansehe. Vermutlich Stresspickel. Sie guckt ein wenig seltsam. Ich glaube ich gucke auch so, wenn ich gerade aufgestanden bin. Und ihr Mund steht ein wenig offen. Vielleicht ist sie verwirrt. Oder denkt nach. Vermutlich denkt sie an Kaffee. Oder an Käsebrötchen.

 

Szenario 2:

Ein Auto. In leicht schräger Frontansicht. Es glänzt, es wurde vermutlich vor 0,7 Sekunden frisch poliert. Es hat vier Reifen, 2 Türen, Fenster, was Autos halt so haben. Sonst kann ich dazu nichts sagen, weil ich mich mit Autos nicht auskenne. Auf der Motorhaube des Autos liegt eine Frau im Minirock mit aufgeknöpfter Bluse, der BH ist rot und scheint aus viel Spitze und wenig anderem Material zu bestehen. Die Frau besteht auch aus wenig anderem als Muskeln und minimalst Fett. Sie liegt in dieser klischeehaften „lasziv räkeln“ Position da. Ein Bein angewinkelt, ein Bein ausgestreckt, Rücken durchgedrückt, Kopf in meine Richtung, eine Hand fuchtelt in den Haaren, eine Hand spielt am BH rum. Sie glänzt fast so sehr wie das Auto. Sie schaut ebenfalls etwas seltsam drein und auch ihr Mund ist etwas offen. Vielleicht denkt sie auch gerade an Käsebrötchen. Oder Mett-Igel.

 

 

Beide Szenarien sind Plakate. Auf einem steht „[Markenname] Beachwear“ und kleiner „[Modellname] Bikini. Auf dem anderen steht „Geiles Teil. Der neue [Automarke] [Modellname]“ und kleiner „ab [Preis] Euro“.

Auf einem dieser Plakate hat jemand den Aufkleber mit dem aufgeregtem Text „Sexistische Kackscheisse“ angebracht.

Der Aufklebergewinner ist Szenario 1. Szenario 2 ist frei erdacht und ist mir in ähnlicher Form lange nicht mehr vor Augen gekommen.

Ok, ich bin verwirrt. Ich sehe ein, dass man Sexismus anprangert. Ich bin verstört, was zur Zeit alles als „sexistische Kackscheisse“ bezeichnet wird. Diese Leute aus Szenario 1 wollen Bademoden verkaufen, sie heuern dazu Marketingleute an, diese heuern teure Fotografen und teure Models an, und so weiter.

Entschuldigung, aber wie sollen diese Leute Bademode verkaufen, ohne die Bademode zu zeigen? Kommt mir jetzt bitte nicht mit „Jaha, aber diese Frau auf dem Plakat trägt bestimmt nur Grösse 34, ausserdem ist sie gephotoshopped (photogeshopped? gephotoshopt?) das Foto zigfach überarbeitet worden und sie selber wurde vermutlich eingesprüht, eingeölt und dann nochmal eingesprüht, das ist überhaupt nicht realistisch!!!1111″ Wenn es darum geht, klebt Aufkleber „lookistische Kackscheisse“ (was auch keinen Sinn ergibt, da die Frau auf dem Bild keine andere Person aufgrund ihres Aussehens diskriminiert) oder lasst euch ein schickes Buzzword einfallen für „Dieses Bild impliziert ein Schönheitsideal fernab der Realität und hat einen negativen Einfluss auf ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper!“.

Aber bitte stempelt solche Dinge jetzt nicht auch unter Sexismus ab, das verstehe ich nicht, und dann finde ich das alles wieder doof und seltsam und dann geht es meinem Gehirn schlecht. Erschwerend kommt hinzu, dass ich dann das Sexismus anprangern als überhöhten Aktionismus von Leuten, die sich gerne Probleme machen, wahrnehme und durch die reine Flut an „Sexistische Kackscheisse!!!111“ ein Überreiz entsteht, ich genervt darauf reagiere und die Szenarien, die wirklich nichts als dämlicher Sexismus sind, dadurch unter der Flut ersaufen. Das fände ich a) schade, b) sehr kontra produktiv, und b ist deutlich schlimmer als a. Und schadet meines Erachtens wirklich viel mehr als es irgendwem hilft. Also lasst das. Bittedankeschön.

 

Whitewashing, Cultural Theft oder irgendwas mit -ismus?

Meine Twitter Timeline hat mir heute erzählt, dass es eine Petition gibt, die von Dreamworks fordert das whitewashing zu unterlassen, vor allem wohl bezüglich der Verfilmung von Ghost in the Shell, für die Scarlett Johansson als Hauptrolle geplant ist. Siehe hier, bei themarysue.

Meine erste Reaktion, und – unglücklicherweise – immer noch bisherige Reaktion ist: ze fuck?

Ok, ich verstehe das Konzept hinter whitewashing, ich verstehe das Konzept hinter cultural theft, und ich verstehe ein paar -ismen. Aber Major Kusanagi asiatisch besetzen? Bitte versteht mich nicht falsch, ich bin auf der Genetikskala auch bei den Asiaten angesiedelt, ich freu mich wenn Filme in Asien, oder aus Asien, auch asiatisch besetzt werden (ich sag nur Infernal Affairs vs The Departed, oder die Verfilmung von Cloud Atlas (obwohl ich es da noch etwas verstehen kann)

Aber wir reden hier von einer Manga Verfilmung. Schnell, man möge mir bitte eine Liste liefern, bei wievielen Mangas die (Haupt)Darsteller sehr asiatisch aussehen. GitS? nope. Neon Evangelion? nope. //hack/roots? nope. Akira? nope. Blade of the Immortal? Ja! Blue Seed? afaik nope. Bubblegum Crisis: nope. … Es gibt gewiss einige, in denen asiatische Gesichtsmerkmale vorhanden sind. Aber auch mehr als genug, deren Figuren violette Haare und grosse runde Augen haben. (Und riesige Brüste und ausladende Hüften bei den Frauen vs. sehr androgyne (halb)langhaarige Männer) Also Merkmale die jetzt weder besonders asiatisch, noch westlich aussehen. Nicht umsonst gibt es einen Modetrend um Anime herum, der weltweit mehr oder weniger extrem betrieben wird. Die 2m langen hellgrünen Perücken werden nach überall verschifft, genau wie die Linsen, die die Pupille vergrössern.

Also bitte, beklagt euch über whitewashing von Rollen an Stellen, an denen die Kritik nachvollziehbar ist. Aber gerade bei Manga / Anime ist die Beschwerde, hm, naja, wie soll ich sagen … Ze Fuck?

Note to self: dringend aufhören über einzelne seltsame Punkte in meiner TL leichten Puls zu kriegen. Man reiche mir ein Kitten!

Lies doch mal was vernünftiges

Zum Glück aller Beteiligten hat dies schon länger niemand mehr zu mir gesagt, da es mir aus unerfindlichen Gründen gerade aber wieder durch den Kopf ging, maule ich eben an dieser Stelle pauschal alle an, die so eine Unverschämtheit zu anderen oder gar zu mir sagen.

Der Kontext ist meist das Zugeben, dass man gerne Comics, Sci-Fi und Fantasy liest (an dieser Stelle möge der geneigte Leser nicht vornüber fallen, sondern das ‚und‘ auch gerne durch ein ‚oder‘ ersetzen)

Diese Aufforderung erfolgt oft von Leuten, die zwar lesen, aber dann gerne mal Auto/Biographien lesen und oder Selbsthilfebücher, vielleicht historische Romane wegen der realistischen Darstellung [insert skeptisches Husten here] dieser Epochen und – wenn sie sich mutig fühlen – im Urlaub mal vorsichtig in „zeitgenössische Literatur“ rein schnuppern.

Diesen und ähnlichen Leuten sei an dieser Stelle mit meiner charmant subtilen Art folgendes gesagt:

Haltet die Fresse

Es ist schön für Euch, dass Ihr Eure Bildung und Euer Wissen aus biographischen und wohl temperierten recherchierten Büchern bezieht, meinereiner macht das anders. Ja, auch ich lese „zeitgenössische Romane“, ich habe auch schon biographische Werke gelesen und ich werde trotzdem weiterhin auch Sci-Fi und Fantasy lesen.

Was Ihr in Eurer ablehnenden Ignoranz nicht wahrnehmt, oder wahrnehmen wollt, ist dass gerade alte Sci-Fi Bücher ein gangbarer Weg waren die jeweiligen Gesellschafts- und Regierungsstrukturen zu hinterfragen und mehr oder minder offen zu kritisieren. Jedes dieser Bücher kann man lesen und – wenn man den willens ist – daraus Denkanstösse ziehen! Sei es zu der Problematik der fortschreitenden Technik und ihrer Auswirkungen auf die Machtstrukturen ihrer Gesellschaft, zur Globalisierung und der damit einher gehenden weiteren Aufsplittung zwischen arm und reich, zur Genderfragen, zur Auflösung und Neubildung gesellschaftlicher Strukturen. Es gibt eigentlich kein sozialwissenschaftliches Thema, das nicht in einigen Büchern sowohl aus Sci-Fi als auch Fantasy abgearbeitet werden würde.

Und ja, es kommt darauf an wie man diese Bücher liest. Natürlich kann ich eine Vorkosigan Saga einfach zur Unterhaltung lesen, ich kann aber auch die ethisch-moralischen Hintergründe zum Klonen, DNA Manipulation, Transsexualität und traditioneller Geschlechterrollen dabei wahr nehmen und mich fragen wie sehr das die Ist-Gesellschaft widerspiegelt und welche Hoffnung die Autorin dabei in die zukünftige Entwicklung setzt.

Jede Alien Invasion kann als Unterhaltung betrachtet werden, wer sich die Mühe macht die Rassen auf eine Menschengruppierung zu projizieren, erfährt aber vielleicht viel über das Empfinden der politischen Situation des Autors dieser Zeit.

Und Fantasy? Ja natürlich kann man Fantasy abhandeln unter „Drachen, Zwerge, baumknutschende Elfen und jammernde Hobbits“ Muss man aber nicht, man kann sogar Harry Potter lesen und sich fragen was die gute Frau sich bei der Darstellung der Hauselfen eigentlich gedacht hat, und sich unangenehm an Herrenrassen erinnert fühlen wenn sie von ihren „pure bloods“ spricht. Man kann Goodkind’s Bücher lesen und sieht die Angst der Gesellschaft vor Dingen, die sie nicht versteht, und wie mit dieser Angst umgegangen wird.

Und geht doch mal Transmetropolitan lesen und denkt dann noch mal über die Menschheit nach. Und habt Ihr Euch mal gefragt warum damals die ganzen Superhelden so nötig waren?

Also kommt mir nicht mit so herablassenden Aufforderungen, oder dem Gerede von Eskapismus. Was ich an Wissen und Ideen, und – ja auch – Welten aus diesem „komischen Genre“ schon gesammelt habe, taugt für mich besser zur Selbsthilfe als „wie werde ich glücklich in 20 Tagen“ oder „die letzten Tage von Gustav Mahler“

Disclaimer: diese Gemaule richtet sich an Leute die diesen Genres nie eine ernsthafte Chance gegeben haben

Auf einer Skala von 0 bis 1

… ist meine Wahrscheinlichkeit demnächst wahnsinnig zu werden etwa bei 8.

Rückblickend bilde ich mir ein, ich hätte die eigentliche Krebsbehandlung besser weggesteckt, als den Wiederaufbau-Terror.

Täuscht aber vielleicht, viel lamentiert habe ich da auch. Es kann auch eine blöde Kombination sein mit Wetter, sonstigen Problemen und Sonnenflecken, was weiss ich.

Jedoch: Es nervt, ich komme mir vor wie ein paranoides Nervenbündel, das bei jedem Schmerz, der länger als 5Sek anhält panisch eine Körperinventur macht, jede kleine Temperaturveränderung rund um die Naht im 5min Takt verfolgt und sich ständig fragt „hab ich den Arm blöd bewegt? hab ich rumgezappelt? Ist der Faden jetzt weiter raus als gestern? haben sich die Wundränder um 0.3mm verschoben?“

Meine Nerven liegen ähnlich blank wie das genähte Gewebe. Ich wollte so nie werden. Früher hat mir was weh getan, das war nervig und wurde ignoriert, erst wenn es länger als 2 Tage ging, wurde mal erwogen einen Arzt zu besuchen. Früher war Schmerz einfach Schmerz. Ohne Skala von 1 bis 10. Boolean, Schmerz oder kein Schmerz. Ohne Attribute wie brennend, stechend, juckend, ziehend, pulsierend. Früher war eine warme Hautstelle halt warm. Schön für sie. Pech für den Rest.

Ich will dahin gerne wieder zurück. Jetzt. Sofort. Ich möchte weg von dem Gefühl mich dringend dauerhaft ablenken zu müssen, weil ich mich als alternative Beschäftigung sonst heulend in einer Ecke zusammenrollen müsste. Ich will weg von diesem geradezu unerträglichen Ausmass an Selbstmitleid, ich hab keinen Bock mehr auf Gejammer und Gepienze. Mein Lamentieren geht mir selber gewaltig auf den Zeiger.

Ich will mal wieder auf die Frage „und, wie isses?“ sagen können „voll gut!“

Einzelfälle

die in überhaupt keine Gemeinsamkeiten aufweisen.

  • August 2013, Dossenheim, Eigentümerversammlung, 2 Tote, 5 Verletzte, Suizid, Sportschütze
  • Juli 2013, Wellendingen, 1 Toter, Täter Sportschütze
  • Juli 2013, Lehrensteinfeld, Privatwohnung, 2 Tote (geplanter Suizid), 1 Verletzte, Täter Sportschütze
  • Februar 2013, Memmingen, Schule, Sportplatz, keine Toten, keine Verletzten, Vater des Täters Sportschütze
  • April 2011, Hamburg, 2 temporäre Geiseln, 1 Toter, 2 Verletzte, Suizid, Täter Sportschütze
  • April 2009, Landshut, Gericht, 1 Tote, 2 Verletzte, Suizid, Täter Sportschütze
  • März 2009, Winnenden, Schule, 15 Tote, Vater des Täters Sportschütze
  • April 2007, Berlin – Waßmannsdorf, 2 verletzte Polizisten, Suizid, Täter Sportschütze
  • Juli 2003, Berlin – Kreuzberg, 1 Tote, 2 Verletzte, Suizid, Täter Sportschütze
  • April 2002, Erfurt, Schule, 17 Tote, Suizid, Täter Sportschütze

(Quelle: Spon.de Archiv, Suchbegriff „Sportschütze“, wenig Recherche, ich will nicht wissen was sich findet wenn man genauer sucht … )

Wer Gemeinsamkeiten findet, darf sie behalten.

Celebrity mit Brustkrebs? Please STFU

Ich mag es nicht mehr lesen und nicht mehr hören. Die kleine Wanderfahrt (deren Namen ich weder tippen noch aussprechen kann), Kylie Minogue (oder so ähnlich), Anastacia, etc etc und jetzt auch die Jolie. Und schon machen Zeitungen wieder Wirbel, die Jolie hat es gestern sogar in die Tagesschau geschafft.

Ok, jetzt noch mal für’s Protokoll und für alle. Brustkrebs ist (zumindest in DE) eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Und eine der untödlichsten Krebsarten. Wer die Auswahl bekommt zwischen Brustkrebs, Lungenkrebs, Darmkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs, möge bitte das Tor Brustkrebs nehmen.

„Horrordiagnose“. Nein. Definitiv keine Sache bei der frau danach vor Freude eine Flasche Schampus köpft, aber es ist im seltensten Fall der Untergang der zivilisierten Welt. Es gibt Behandlungsmöglichkeiten  – keine davon ist mit einem 4wöchigen all-inclusive Urlaub auf den Malediven gleichzusetzen – die wirksam sind.

Liebe Medien, jedesmal wenn ihr „mutige Entscheidungen“ nach „Horrordiagnose Brustkrebs“ bejubelt, gibt es Hunderte von Frauen die sich ziemlich verarscht fühlen dürften.

Auch wenn ich mich wiederhole, nicht jede Frau schwimmt in Geld und kann sich – besonders präventive – Behandlungen einfach so leisten.

Der Gentest der gerade als Wunderwaffe gelobt wird, ist keine Wunderwaffe. Es wird auf zwei, also 2, bekannte Gene getestet, sind diese nicht vorhanden und ist der familiäre Hintergrund nicht ganz klar, ist die Risikoeinstufung total für die Füsse. Wer dennoch präventiv etwas machen will, müsste das aus eigener Tasche bezahlen.

Die Bäckereifachverkäuferin ist oftmals nicht privat versichert, da lacht die Krankenkasse sie also hübsch aus wenn sie sagt „öh, könnt ihr mir wohl präventiv die Brüste abbauen?“

So wenig ich dagegen habe, wie ihr Brustkrebs „Awareness“ betreibt, soviel habe ich dagegen wie ihr dies durchführt. Ich für meinen Teil möchte nicht, dass in den Köpfen der Leute ankommt „ahjo, machste nen Test, lässt die abmontieren und gut ist“

Krebs – egal welcher – ist eine dumme Pottsau, der Umgang damit niemals leicht, aber hört auf uns irgendwelche stinkreichen Weiber vorzuführen, die von vielen Problemen der betroffenen Frauen keine Ahnung haben und hört auf so zu tun als müsse frau das jetzt genau so machen. Egal ob Perücken aus Echthaar für 2000 Euro, dank personal Trainer binnen 2 Wochen nach Chemo wieder fit und gesund, oder sonst was, berichtet ehrlich oder haltet verdammt nochmal die Fresse Presse.

Lest doch mal hier in der Kategorie „kranklog“, schaut doch mal in Foren, schaut mal in andere Blogs, so läuft es nämlich wirklich ab. Reality: meet Medien, Medien: meet Reality.

Star Dreck, into Oblivion – Spoileralert –

Arrrrgh, bitte lieber Herr Abrams, konzentrieren Sie sich jetzt darauf das Star Wars Universum kaputt zu spielen, mit Star Trek hatten Sie dabei ja bereits grossen Erfolg. Oder wie sonst erklärt sich Into Darkness?

Ich hatte ja irgendwie gedacht das klappt jetzt besser. Was sich im Reboot von 2009 schon abgezeichnet hat, haben Sie jetzt finalisiert. Glückwünsche.

Während es damals noch ganz witzig gewesen sein mochte den grossartigen Nimoy nochmal kurz in’s Bild zu bringen, war diese Zeitreisestory eher etwas hanebüchen und jetzt den Khan wieder aufzutauen ist ja wohl eine Nullnummer gewesen. Nichts gegen B. Cumberbatch, der gefällt mir auch in der Rolle recht gut. Aber Khan? Muss dit denn?

Aber jetzt einfach mal das Ende vom Zorn des Khan in umgedreht einzubringen? Wat soll dit denn? Und was soll dieses charakterlose Töchterchen? Sie wissen schon, die Blondine die etwas blass durch’s Bild schleicht, einmal schreien darf, Daddy ohrfeigen darf und sonst nicht weiter auffällt? Hat sich das Gleichstellungskomitee beklagt und es wurde schnell noch eine Frau in’s Drehbuch geschrieben? Als Alibi? Denn zu mehr taugt die Gute leider nicht.

Der Sidekick von Scotty entwickelt sich übrigens langsam zu einem stummen Jar Jar Binks. Ich seh schon, Sie üben für Star Wars.

Sorry, aber es wirkt immer mehr als wären Filme für Sie die Spielzeuge eines Jungen. Mamaaa, ich will ein neues Raumschiff!!! Ein grösseres, besseres, das ganz doll viel Damage machen kann!! – Ja Bub, hier haste eine Dreadnaught Klasse, guck, die ist sogar schwarz! Und vieeel grösser als die Enterprise, die kann sogar in Warp überholen – Uiii, die ist toll, die mach ich dann nachher aber trotzdem kaputt. – Ja mach nur, Hauptsache du bist jetzt still.

Und diese Beziehungskiste, ist das auch Trockenübung für Star Wars oder was soll der Quatsch? Das war ja schon im letzten eher unnötig und das wird auch nochmal aufgewärmt?

Was kommt als nächstes? Uhura und Spock müssen während der Hochzeitszeremonie nochmal schnell Wale retten?

Ganz ehrlich, wenn Ihnen und den Drehbuchschreiberlingen nichts Neues mehr einfällt, lassen Sie es doch einfach. Bittedankeschön.

 

 

Keinradwegponies

Ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll, mich zu beklagen. Ich selber bin ja überwiegend Fussgängerin, bei gutem Wetter Radfahrerin, öffentliche Verkehrsmittelnutzerin und gelegentlich Beifahrerin.

Seid einiger Zeit gibt es ja recht regelmässig die Critical Mass Rides und nachdem ich mich gestern auf Twitter über Autofahrer und Radfahrer beklagt habe, wurde mir der Link zu diesem Stern TV Video geschickt. Ok, ich bin hier nicht in Köln, sondern in Würzburg.

Und ja, ich kann es verstehen, ich selber fahre gar nicht gern im Strassenverkehr, das liegt aber mehr an mir und persönlicher Unsicherheit. Ich nutze bevorzugt Radwege, und finde es regelmässig hochgradig nervig in was für einem miesen Zustand die teilweise sind. Ich sage nur Rennweg runter mit Laub, Dreck und Wurzelschäden. Oder auch die Variante Radweg neben Parkplätzen. Valentin-Becker hoch (oder runter) ist es immer wieder mal spannend ob jemand spontan ausparkt, einparkt oder Tür aufreisst. Ich wurde auch von Autofahrer_innen doof angemacht weil ich eine Einbahnstrasse hochfahre. Schön, da unten ist aber ein Schild, das Radfahrer_innen ausdrücklich erlaubt, da lang zu fahren. Pech.

Ja, manche Radwege sind oft zu schmal um überhaupt zu überholen, ich sehe manchmal Leute mit Anhänger, da ist der Radweg dann einfach dicht. Und manche Fussgänger_innen denken auch sie könnten den Radweg mit assimilieren, damit sie zu viert nebeneinander laufen können.

Ich kenne aber auch ausgewachsene Radfahrer_innen, die mit voll verkehrstüchtigen Rädern gerne mal auf dem Fussweg fahren, da platzt mir als Fussgängerin dann gerne mal der Kragen. Zumal da auch nicht von vorraus schaunden Fahren die Rede sein kann, nein, da wird fröhlich mit schöner Radgeschwindigkeit um die Ecke gefetzt.

Ja, mir sind auch schon Autos „untergekommen“ die ignorieren dass sie beim rechts abbiegen auch auf Fussgänger – und Radfahrer_innen zu achten haben und mal heiter ausscheren.

Aber all das ändert nichts daran, dass ich weiterhin nervös auf dem Radweg durch die Gegend eiern werden.

Wir verhärten ständig diese Grenzen, es ist nirgends ein Ansatz zu sehen der ein vernünftiges Miteinander verfolgt. Die Radfahrer_innen hetzen gegen Autos und Zweibeiner (mit Vierbeinern), die Autofahrer_innen gegen Räder und Zweibeiner (mit Vierbeinern) und die Fussgänger_innen gegen Autos und Räder. Es ist ein Teufelskreis. Und Trotzaktionen, egal von welcher Partei bringen da nichts.

Es müsste viel getan werden, man müsste Radwege besser halten, breiter, auf den Belag achten, man müsste Strassen die Fusswege kreuzen besser markieren, man müsste dies, man müsste jenes. Vor allem müsste man im Strassenverkehr einfach achtsamer sein, egal wieviele Räder und Beine. Man müsste bedenken dass man nie die einzige Person unterwegs ist. Dass es alle eilig haben.

Man müsste lediglich soviel Verständnis und Respekt aufbringen, wie man erwartet entgegen gebracht zu kriegen. Wir sitzen doch letztlich alle im gleichen Boot, wir wollen von A nach B, und das einigermassen zeitnah und stressbefreit.

Gegenseitiger Respekt, gegenseitiges Verständnis. Führen zu einem vernünftigen Miteinander. Für den Fall, dass mich jemand nicht verstanden hat: Achtsamkeit, Respekt, Verständnis => gutes Miteinander.