Dann nimm halt die Brust nicht so voll

Hab ich ja nicht, aber offensichtlich doch so voll, dass es problematisch ist.

Zumindest hat Onkel Doc beim Kontrolltermin gestern mal fröhlich die Strips abgerissen (au), beanstandet dass die Wundränder sich zurückbilden (böse Wundränder! aus!) und geäussert, dass er sich Sorgen macht, dass die Wunde nochmal aufreisst (hat die Trickserei wohl nicht gereicht), was prompt dazu führte dass ich mir Sorgen mache, dass die Wunde nochmal aufreisst.

Dann hat er mehr oder minder kunstvoll 2 – 3 Folien frischer Strips in abstrakten Mustern neu über der Naht verteilt (au!!) und ich darf am Montag nochmal vorstellig werden (so werde ich das verdammte 4square Mayorship dort nie wieder los). „Wenn es jetzt vorher viel suppt, dann müssten Sie schon früher nochmal kommen“ – Äh, ok“

Gestern Abend habe ich dann mit leichtem Ekel die Kompresse betrachtet und kam mal wieder zum Ergebnis, dass Sprache manchmal einfach zu unspezifisch ist. „viel“ ist wieviel? Zur Kontrolle nochmal eine frische Kompresse drauf und heute morgen mit ähnlich viel Ekel kontrolliert. Ich weiss immer noch nicht wieviel viel ist.

Onkel Doc angerufen. Onkel Doc ist im OP. Onkel Doc möge mich bitte mal zurückrufen. Onkel Doc ruft zurück, wir diskutieren die Interpretationsmöglichkeiten des Begriffs „viel“ unter Rücksichtnahme auf Sorge, schlichte Paranoia und und Relativität im nicht-Einstein’schen Sinn. War ein gutes Gespräch, muss mal den Narkosearzt nach seiner Sicht der hegel’schen Auswirkungen auf Marx befragen.

Jedenfalls entspricht in unserem Kontext „viel“ einer durchgesifften Kompresse in <= 3 Stunden. Das hätte er mir doch auch gestern schon so sagen können. Aber na gut.

Montag also, bis dahin mögen meine Wundränder also bitte artige Wundränder werden, die sich nicht angeekelt von der Wunde abwenden. (Und ich warte jetzt auf eine neue Arztserie im deutschen Privatfernsehen 'Welt der Wunden')

Das hab ich so aber nicht bestellt

Hm, da denkt man sich nichts böses und lässt sich ein Silikonimplantat einbauen, und am Tag danach schaut man in den Spiegel und denkt sich „what the winzige fuck?? Wo isse hin? Als noch der Expander drin war, sah das grösser aus als jetzt. Hatte mein Doc seine Brille nicht auf bei der OP? Aberwitzigen Sinn für Humor?“

Als ich ihn darauf anspreche mit den diplomatischen und wohlgewählten Worten „äh, die sieht aber verdammt klein aus?!?!“ wirkt er ein wenig überrascht und erklärt mir, dass da jetzt 620 (oder 640) mg drin sind, und die grösstmögliche Prothese gewählt wurde. Was ich angesichts der unförmigen Expanderendphase gerade nicht recht glauben mag, aber auch nicht so genau weiss.

Tja, lange Rede, wenig Sinn. Verheilen muss das jetzt eh erst mal, drin ist sie jetzt, ist ja nicht so als wäre die mit doppelseitigem Klebeband befestigt und wäre einfach auszutauschen, und ich muss jetzt die nächsten Wochen mal sehen was ich davon halte.

Spontan bin ich angefressen und hochgradig underwhelmed, die Vorfreude auf die ganze Sache hat sich null gelohnt. Ich wünschte wirklich, dieses Leben würde aufhören mir bei fast jeder sich bietenden Gelegenheit in dir Fresse zu treten.

Die Trickser in weiss

So, ich sollte gegen 9 Uhr in der Klinik sein, ich war um 8:40 da, ich tauschte Dusche und WC innenliegend gegen ein Einzelzimmer (das viel von meiner Vorstellung einer Gefängniszelle hat). Dann habe ich müde, hungrig und durstig bis kurz nach 12 gewartet, bis ich dann doch noch operiert wurde.

Wie befürchtet war ich beim Aufwachen zu groggy für „Doktor, konnten Sie meinen Arm retten??“ Dafür wartete bereits Besuch auf mich, was der Schwester, die mich abholte ein leicht vorwurfsvolles „Sie haben ja gar nicht gesagt, dass sie eine Tochter haben!“ entlockte. Ehm, ja, gut, das haben wir dann auch geklärt.

Die erste Nacht war an sich ok, allerdings haben sie wohl während meiner Vollnarkose Twister mit mir gespielt, Rückenschmerzen, Nackenschmerzen und ein leicht tauber rechter Arm.

Der perfide Trick der Ärzte, unangenehmen Fragen aus dem weg zu gehen ist der, dass man die Visite so früh am Morgen macht, dass das Patiententier noch so verpennt ist, und eh nur die Hälfte mitbekommt.

Was ich allerdings mitbekommen habe, war dass einer meiner OP Ärzte sagte „Die Kapsel ist immer wieder aufgerissen, da mussten wir dann ein bisschen tricksen, die Haut ging aber super zu nähen“

Liebe Ärzte, achtet doch ein bisschen mehr auf Eure Ausdrucksweise, für Euch mag eine reissende Kapsel ähnlich ärgerlich sein wie für mich eine vergessene Debug Meldung, aber „da mussten wir etwas tricksen“ klingt für mich so:

Arzt1: sooo
Arzt2: ehm schon wieder gerissen!
Arzt1: ach Scheisse!!
Schwester1: Haha, du schuldest mir 2 Bier!
Arzt1: Mist, das müssen wir anders machen, wart ma
Arzt1 zu Arzt2: also, du klammerst das da mal fest
Arzt1 zu Schwester1: du hältst das dann da fest
Arzt1: und wenn das da drüber liegt, näh ich hier fest
Arzt2: super, dann tacker ich einfach die Ecke da rüber und dann sieht das später keine Sau mehr!
Schwester1: hm, naja, gut, wenn das wirklich hält, geb ich dir ein Bier aus!
Arzt1: klar hält das, die Haut drüber genäht und es sieht aus wie gewollt

Also bitte, sagt nicht tricksen, sagt meinetwegen alternativer Lösungsweg 😉

Abgefüllt

Gestern noch mal auffüllen gewesen, ich schleppe jetzt immerhin 600ml mit mir herum. Leider immer noch nicht mit der korrekten Projektion. Würden wir weiter machen, könnte ich entweder mein Kinn darauf abstützen, oder aber meinen rechten Arm nicht mehr nach vorne bewegen. Das gesamte Ding bricht nach oben und zur Seite aus. Ich habe da gerade etwas, das man als unförmige Riesenbeule bezeichnen könnte.

Alle Beteiligten sind aber willens, das expandieren jetzt mal aufzugeben, nix mit „heute die Brust, morgen die ganze Welt!“

Mein Doc rief mich heute an um mir mitzuteilen, dass entgegen dem üblichen Prozedere meine abgesägte Brust damals nicht gewogen wurde, also keine Vergleichsmöglichkeit. Wir sind uns aber einig und rupfen den Fahrradschlauch Expander raus, und pflanzen die finale Prothese ein.

Die muss dann zum Glück nicht ich in Form bringen, das müssen die Männer irgendwie hinkriegen, während ich faul rumliege und vor mich hin blute. Er ist aber optimistisch. Sagt er. Ich selber bin atm eher verhalten optimistisch, aber ich denke das verbessert sich noch.

Der Expander darf jetzt noch etwas träge herumliegen und sich in Sicherheit wiegen. In etwas mehr als 4 Wochen ist er dann aber fällig und muss ausziehen. Eris die zweite (ich werde ihr aber glaube ich keinen Namen geben) zieht also wenn alles klappt Mitte Oktober bei mir ein.

Ich bin gespannt wie ein Schirm.

Darf’s auch ein bisschen mehr sein?

fragte mein Arzt gestern und ich nickte artig in der Hoffnung zum Abschied noch eine Scheibe Wurst zu bekommen.

Das hat nicht so geklappt.

Dafür statt 50ml diesmal 75ml weil „die Projektion noch fehlt“. Äh, ja. Ich wusste nicht dass mein Brustexpander projizieren kann, kann er, aber er projiziert nicht die Brust nebenan. Er projiziert eher faul. Soll heissen die Flüssigkeit da drin verbreitet sich überall dahin wo sie gut Platz findet. Ich hab jetzt eine eher miserabel geformte Beule, die Aussenwölbung lässt zu wünschen übrig und mein Arzt und auch der gesprächige Oberarzt sind nicht ganz zufrieden mit der Gesamtsituation.

Also gestern mehr, diesmal 2 Wochen Pause und nächstes Mal gucken wohin es diesmal projiziert hat.

Abgesehen davon dass mein Arzt also keine Karten für Wacken 2014 bekommen hat,  mit dem Fahrrad in die Arbeit fährt und das Summer Breeze eher doof fand, das Telefon des Oberarztes mit „Sekretariat Dr. XX, YY am Apparat“ beantwortet und vergisst die Mullkompressenpackung zu öffnen, will er weiter auffüllen.

Und obwohl 25ml jetzt echt nicht viel klingt, macht eine 75ml Füllung einen gefühlten verdammt grossen Unterschied. Nicht in Volumen oder gar Projektion. Nein, in Schmerzen. Grade sitzen, tief einatmen => aua. Im Bett liegen, schlafen wollen => aua. Auf die betroffene Seite legen => nowai!

Also fröhlich zur Hausapotheke gehüpft – da gibt’s doch was von ABZ Pharma – und eine Schmerztablette später ging es dann auch. Einen Tag danach spüre ich auch kaum noch etwas davon, ausser leicht dumpfes unangenehmes Gefühl beim herumfuchteln. Wird heute halt weniger gefuchtelt.

Fest steht: mein neues Lieblingshobby wird diese Auffüllerei nicht, noch 1-2 mal, dann ruhen lassen (zum Glück nicht in Alufolie im Ofen) für etwa 4 Wochen, dann operieren.

Vielleicht bekomme ich dann ja eine Scheibe Wurst?

Was Sie schon immer über den Brust-Expander wissen wollten, Ihnen aber kein Arzt gesagt hat.

Ich gebe zu, ich hab mich vorab gar nicht anderweitig informiert, ich hab mich vom Arzt meines (mittelmässigen) Vertrauens zukäsen lassen, genickt und die Hälfte sofort wieder vergessen.

Ich bin bei jetzt bei 175 ml, und 2 Auffüll-Terminen. Meine Erfahrung hält sich also noch in Grenzen.

Was geht:

  • Sex (yay, bissi Vorsicht ist geboten)
  • schlafen auf der betroffenen Seite, zumindest eine Weile
  • normale Benutzung der betroffenen Seite
  • duschen
  • baden

Was geht nicht:

  • Hitze (Die Kombination BH drunter, Stuttgarter Gürtel drüber macht verrückt, komm ich nachher noch mal drauf)
  • Ansatzweise tiefe Ausschnitte (Frau kann aber auch prima ignorieren und so tun als trage sie ein Feinripp-Top drunter)
  • eng anliegende Kleidung (Brustgürtel zeichnet sich doof ab)
  • ernstzunehmender Kraftsport im Bereich Oberkörper (ausser ihr seid alle viel schmerzbefreiter als ich)

Mehr fällt mir spontan nicht ein.

Thema drecksverfluchter[zensiert] Stuttgarter Brustgürtel (nicht zu verwechseln mit Frankfurter Kranz, Wiener Melange, Bremer Stadtmusikanten, o.ä.): Leider reibt der Unterbrustgurt direkt auf der Haut die gedehnt wird, gerade bei Wärme entsteht da ein Jucken, das einen schonmal fast wahnsinnig werden lässt. Aber heute gelernt: ausgiebiges Gemaule beim Arzt ergibt die folgenden Alternativen: Sport BH oder Sport Bustier und der Gurt kann weg. Das reibt vermutlich zwar auch, könnte aber insgesamt etwas angenehmer werden, und nimmt das Einengen oberhalb der Brust wenigstens weg.

Direkt dazu kommt leider die schlechte Nachricht: wenn das finale Implantat drin ist, ist der Gürtel wieder unser neuer bester Freund.

Wer wie ich das Problem hat, dass der Gurt gefühlt die Haut aufreibt: Ich hab es mit Babypuder an den Stellen versucht, das hilft ein wenig.

Wenn die Ärzte so lustige Aussagen treffen wie „Wir machen mal 100ml rein, wenn es schmerzt kommen Sie noch mal her und wir nehmen was raus“ und wer sich dann denkt „WTF??“ kann sich überlegen ob Frau es eilig hat und und Schmerzen durchsteht, oder sich einfach mehr Zeit lässt, ich versuche jetzt mal wöchentlich 50ml, das dauert insgesamt länger, ich bin jetzt aber auch 3 Jahre  ohne rumgerannt. Dann lieber langsam und schmerzfrei. Und ohne öfter da zu sein als zwingend notwendig.

Kosmetischer Trick während der Auffüll-Phase: In einem beliebigen Laden wattierte Pushup Einlagen besorgen, die passen prima in die Tasche der Prothesen-BHs und ersetzen die Silikonprothese die irgendwann grössenmässig ja nicht mehr passt. Die produziert auch weniger Wärme, zumindest kommt das mir so vor.

Das Auffüllen ist ok, so lange man keine Probleme mit Spritzen hat. Das Magnetdings zum auffinden des Ventils ist ganz witzig, den Stich spürt man tatsächlich kaum, das erste unangehme Gefühl macht sich bei mir erst so ca. 1h später breit. Bei 50ml aber durchaus erträglich.

 

 

Wochenend Murphy die Zweite

So, jetzt bin ich also seit dem 11. Juni wieder in Freiheit und freute mich auf ein entspanntes Wochenende. Schmerzfrei war ich ja, also ausschlafen, wenig tun und das konzentriert, etc etc.

Wundervoller Plan. Also hätte es geklappt. Hab dann doch lieber was anderes gemacht.

Freitag abends beim Essen denken „oh, juckt, naja, ist vermutlich normal, Heilprozess und so“ Eine Stunde später heimgehen, weil man denkt „irghs, der BH scheint auf der Naht zu schubbern, ich zieh den mal aus“ Zuhause vor dem Spiegel stehen, und denken „Grossmutter, warum bist du so rot? Und warum bist du so dick? Und warum bist du eigentlich so heiss?“

Gut, Kontrolltermin ist am Dienstag, das ist noch ganz schön lang hin, hm, ich ruf da mal an. Mit einer Dienstärztin geredet, die mir empfohlen hat „kurz mal vorbeizukommen und das anschauen zu lassen“ Jetzt auf die schnelle jemanden finden, der um die Zeit noch nicht betrunken ist. Mit einer Riesenportion Panik im Bauch hinfahren lassen, halbe Ewigkeit warten, ultraschallen, Blut absaugen lassen und wurde heimgeschickt mit den Worten „Wir rufen sie an wenn die Ergebnisse vorliegen“. Heimfahren lassen, nicht über Los gegangen, schnell Frust Cuba getrunken, so gegen 12 dann doch mal in’s Bett. Natürlich klingelt dann um 00:12 die Klinik durch. Ja ne, die Werte zeigen eine klare Entzündung, da müssen sie Antibiotika nehmen. „Und wo krieg ich das um die Uhrzeit her?“ – „Ja, kommen sie kurz vorbei, das Rezept hinterlege ich hier auf der Station, und zwei Tabletten leg ich auch dazu, sie müssen jetzt sofort damit anfangen. Ach ja, morgen kommen sie dann zur Kontrolle noch mal her“ Yay me!

Schön, dass man Leute kennt, bei denen man noch einen Nachtanruf gut hat, nochmal zur Klinik.

Dann noch am Samstag, am Sonntag und am Montag. Der 4square Mayor Titel bleibt erst mal gesichert. Bald rede ich vom Hof der Frauenklinik vermutlich als „mein Garten“. Immerhin sind die Werte besser geworden, das Antibiotikum hat voll zugeschlagen.

Gestern gab es die erste Auffüllung, mit einer gefühlt 3m langen Nadel wird dann durch den Brustmuskel in das Ventil gestochen und die Flüssigkeit reingepumpt. Habe jetzt ein Wahnsinnsvolumen von 125ml.

Und Schmerzen. Und gleich Krankengymnastik. Sagte ich schon yay me?