Tabula Rasa

Zumindest auf der rechten Seite meiner Brust.

2013 hat sich überhaupt nicht gelohnt für das Projekt G2B. Expander einsetzen, Auffüllen, Implantat einsetzen, Implantat austauschen, Implantat entfernen.

Für nichts. Für einen Oberkörper, der wieder auf einer Seite eine Lücke aufweist. Ein Oberkörper dessen OP Narbe jetzt schon so oft die Grösse gewechselt hat, das man bald versuchen kann davon Lebenslinien abzulesen. Der mittlerweile so viele Löcher von Drainage Schläuchen hat dass ich Connect-the-dots darauf spielen könnte. Also für nichts.

Jetzt heisst es wieder ein paar Wochen warten auf Ausheilung. Das könnte ja diesmal klappen weil nichts mehr drunter ist.

Und dann?

Das wüsste ich auch gerne. Die Idee 2014 mal keine einzige Nacht in einem Krankenhaus zu verbringen erscheint mir gerade unglaublich reizvoll. Die Idee des Aufbaus aus Eigengewebe, ganz egal ob DIEP-/TRAM- oder Latissimus-Dorsi-Flap, erscheint mir hingegen immer noch stark reizlos. Mir gehen langsam aber sicher die Alternativen aus.

Der Arzt, der mich von Brust-Ablation bis zum Entfernen des letzten Implantats begleitet hat, wechselt die Klinik zum 1. Februar und ich muss mir noch die Hacken ablaufen um ihn vorher noch in die Finger zu bekommen für ein Gespräch.

Mein neuer Gynäkologe rät mir sicherlich zu DIEP Flap und kassiert dafür vermutlich irgendwelche für Goodies von dem Operateur an den er mich verweisen würde.

Die eine Krankenschwester faselte etwas von 5-10 Jahre warten. What the Fuck?? 5-10 Jahre?? Abgesehen davon dass Geduld nicht zu meinen grossen Stärken gehört, 5-10 Jahre?? Hofft die etwa dass ich heute mit dem Rauchen aufhöre und dann in 5-10 Jahren mein Gewebe so fit ist, dass es binnen 2 Tagen zuheilt? 5-10 Jahre my ass …

Ich muss mal herausfinden wie lange Venen brauchen um wieder „Normalleistung“ zu bringen. Der Abbokath im Fussrücken hat einen fiesen blauen Fleck hinterlassen und der im Handrücken lag wieder 1 Tag nach OP wirklich beschissen und musste gezogen werden.

Immerhin hab ich Eris ja noch, und die 2 Jahre sind um, d.h. ich kann mir mal eine neue verschreiben lassen, vielleicht versuch ich mein Glück doch mal mit den selbsthaftenden Prothesen. Mit etwas Glück gelingt es mir die morgens nicht verpennt in mein Gesicht zu pappen.

Ich habe irgendwie immer noch keinen Plan wie ich die ganze Sache finde, jetzt wo wieder alles weg ist und mich im Spiegel kein schwarzer Spalt mit Seromschicht drauf angrinst. Es geht mir nicht gut. Es geht mir nicht wirklich schlecht. Ich stehe da immer noch etwas neben mir.

Eines kann ich aber mit absoluter Überzeugung sagen:

Ganz ehrlich, fick dich 2013!

Täglich 30min Ausgang

für meine Wunde. Also in meinen eigenen 4 Wänden (ich könnte wohl auch ganz draussen, aber das kommt sicher nicht sooo gut). Hat der Arzt gesagt. Nachdem er wieder Strips abgerissen hat, einmal erleichtert geseufzt hat und dann neue drauf geklebt hat.

Die Naht ist nämlich nicht aufgerissen. Anderseits wächst sie auch nach wie vor nicht so ganz zu, wie sie das soll. Zickiges Ding. Ich frag mich von wem sie das hat.

Da es ihm noch nicht so gut gefällt, krieg ich jetzt noch mal eine Woche lang Antibiotika, hab haufenweise Strips und Saugkompressen mit nach Hause bekommen und soll der Wunde aber doch möglichst täglich 30min Luft gönnen.

Mach ich. Ist super. Solang ich mich von Spiegeln fernhalte. Dann kommt nämlich ein gewisser Brechreiz auf. Wenn man die Strips abreisst, die eine Weile drauf waren, reisst nämlich die Haut darunter auf, und da kann dann auch Wundflüssigkeit austreten. Yummy. Immerhin sieht das, was letzte Woche noch aussah wie ein klaffender Abgrund, der gerne in Herr der Ringe mitgespielt hätte, jetzt nur noch aus wie ein kleffender Hund klaffender Abgrund, der ’nur spielen will‘. Ich weiss noch nicht genau wie ich ihm vermitteln soll, dass die Spiel- und Spasszeit jetzt langsam mal vorbei ist.

Wenn das irgendwann mal zuheilt, wird das auch mit Abstand die hässlichste Naht, die ich an dieser Stelle jemals hatte. Und langsam aber sicher verlässt sogar mich der Sinn für Humor bei dieser Geschichte.

Liebe mich operierende Ärzte, ich kann es nicht anders sagen: Worst. Boobjob. Ever.

Das hab ich so aber nicht bestellt

Hm, da denkt man sich nichts böses und lässt sich ein Silikonimplantat einbauen, und am Tag danach schaut man in den Spiegel und denkt sich „what the winzige fuck?? Wo isse hin? Als noch der Expander drin war, sah das grösser aus als jetzt. Hatte mein Doc seine Brille nicht auf bei der OP? Aberwitzigen Sinn für Humor?“

Als ich ihn darauf anspreche mit den diplomatischen und wohlgewählten Worten „äh, die sieht aber verdammt klein aus?!?!“ wirkt er ein wenig überrascht und erklärt mir, dass da jetzt 620 (oder 640) mg drin sind, und die grösstmögliche Prothese gewählt wurde. Was ich angesichts der unförmigen Expanderendphase gerade nicht recht glauben mag, aber auch nicht so genau weiss.

Tja, lange Rede, wenig Sinn. Verheilen muss das jetzt eh erst mal, drin ist sie jetzt, ist ja nicht so als wäre die mit doppelseitigem Klebeband befestigt und wäre einfach auszutauschen, und ich muss jetzt die nächsten Wochen mal sehen was ich davon halte.

Spontan bin ich angefressen und hochgradig underwhelmed, die Vorfreude auf die ganze Sache hat sich null gelohnt. Ich wünschte wirklich, dieses Leben würde aufhören mir bei fast jeder sich bietenden Gelegenheit in dir Fresse zu treten.