Entschuldigen Sie meinen Wutanfall

(Disclaimer: frustgetriebener Rant, keine Struktur, keine Moral)

Vor kurzem kam die Nachricht, dass es unseren Krankenkassen finanziell blendend geht. Hurrah. Schön für die Krankenkassen. Die Regierung erwägt jetzt sogar die Abschaffung der Praxisgebühr. Hurrah.

Ich dagegen bekam letztens einen Brief, dass der Medizinische Dienst der Krankenkassen mal wieder ablehnt, dass ich mir prophylaktisch meine linke Brust abnehmen lasse und beidseitig einen Wiederaufbau betreibe. Es besteht laut Paragraph Bla im Bla-Buch keine medizinische Notwendigkeit.

Ich hab jetzt ehrlich gesagt keine Ahnung über was für einen Kostenpunkt wir hier reden, ich behaupte einfach mal tollkühn auf jeden Fall weniger als erneute komplette Krebsbehandlung UND Wiederaufbau.

Meine Bewertung stützt sich dabei auf Daten die zum einen aus der Histologie des damaligen Tumors stammen, zum anderen aus dem Gentest, dem ich mich unterzogen habe. Der Gentest wiederum beruht auf der Suche nach bekannten Krebs-Genen (atm 2 oder 3) und dem familiären Hintergrund. Als Import-Kind ist mein familiärer Hintergrund nicht bekannt. Daraus wird gnadenlos optimistisch geschlossen dass alles gut ist.

Ich bin jetzt in der Altersgruppe zwischen 35 und 40, das Krebsabenteuer ging mit 35 los, der Tumor war schnellwachsend, aggressiv und alles in allem wohl ein Arschlochtumor. Der ist raus und ich hab keine Brust mehr. Den Wiederaufbau für die Seite muss die Krankenkasse eh zahlen.

Jetzt habe ich diverse Argumente warum ich links die prophylaktische Entnahme will.

  • So ganz und gar keine Lust auf eine erneute Behandlung
  • Überhaupt keine Lust auf eine erneute Behandlung
  • Ich will nicht in 10-15 Jahren eine künstliche Brust haben die steht wie ein Zinnsoldat, und links eine aufgrund natürlicher Gewebealterung chillig rumhängende Brust
  • Ich will keine erneute Behandlung wenn da noch mal was kommt

Soweit, so Pech.

Wiederaufbau einseitig. Meh. Und nein, ich will es so nicht lassen, Eris nervt manchmal ungemein. Ausserdem schränkt sie ein. BHs nur auf Rezept, die Krankenkasse gönnt frau exakt zwei – in Zahlen 2 – BHs pro Jahr. Irre. Davon ist ein Modell schöner als das andere. Nicht. Ausser man mag weiss, beige, breite Träger, breiten Unterbrustgurt und Blümchen. Regelmässiges Waschen trägt auch nicht zum dauerhaften Erhalt dieser Modelle bei. Die Taschenseite, die bei mir in Benutzung ist, reisst leicht ein.

Ich habe keine sonderlich grossen Brüste. Ich will wieder billige BHs kaufen die wenig halten, aber gut aussehen. Ich will nicht mehr bei Oberteilen darauf achten müssen, ob der Ausschnitt so tief ist, dass man sehen kann dass da ein Brustansatz fehlt.

Ich will nicht hören, dass unsere Krankenkassen zuviel Geld haben. Wenn ich noch einmal von einer A bis F Promifrau höre, die hoch gejubelt wird, weil sie ach so tapfer ihren Brustkrebs bekämpft hat, und guck wie sie jetzt aussieht, lauf ich wirklich Amok. Diese Frauen haben eine Riesenauswahl aus Ärzten, Kliniken, etc weil sie nicht auf ihre Zeit und ihr Geld achten müssen, tagtäglich schlagen sich Hunderte von „normalen“ Frauen damit herum, und die kriegen dann von ihrer Krankenkasse ähnlich wie ich einen Tritt mitten in die Fresse.

Dummerweise kann ich die Schuld vermutlich nichtmal direkt auf die Kasse schieben, sondern auf die Paragrafenreiter beim MDK.

Bei der ersten Absage wurde mir indirekt unterstellt ich bräuchte eine Therapie – brauch ich, aber nicht deswegen – und ausserdem sei es eine leichtfertig getroffene Entscheidung ein gesundes Körperteil entfernen zu wollen. Sorry, ihr könnt mir verdammt nochmal den Bucken runter rutschen. Ich bin zwischen 35 und 40. Ich treffe so eine Entscheidung verflucht nochmal nicht leichtfertig. Ich trenne mich nicht aus einer verdammten Laune heraus von Körperteilen! Und ich brauche auch keine verfickte Therapie! Nicht deswegen. Ich weiss dass meine Weiblichkeit durch das Fehlen einer Brust nicht gemindert wird. Ich WEISS dass ich immer noch eine Frau bin. Aber ihr wisst ganz offensichtlich NICHT IM GERINGSTEN wie es langfristig ist, mit nur einer Brust und einer Prothese namens Eris herumzulaufen. Bei massenhaft Klamotten zu sagen „oh, ne, kann ich nicht tragen“. Ihr Arschgeigen habt keinen Plan wie es ist sich mit einem nicht kompletten Körper zu arrangieren. Und egal wie sehr ich mich darüber gerade aufrege, es ist KEINE leichtfertig getroffene Entscheidung, keine Frau die bei klarem Verstand ist, trennt sich freiwillig einfach so von einer Brust!

Und wenn jetzt irgendwer in den Kommentaren blöde Witze über Amazonen und Bogenschiessen reisst, explodier ich.

 

 

 

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