Queers destroy Science Fiction – and one narrator destroys all ze stories

Das Lightspeed Magazine hat zur Zeit die Aktion ‚Queers destroy Science Fiction‘ laufen, ähnlich wie damals Women destroy Science Fiction (and Fantasy, and Horror)

Ich bin ja herrlich unbedarft und nehme beim lesen weniger über die Autor*en wahr. Wenn ich mehrere der Geschichten mag, google ich sicher mal nach der Person um mehr Material zwischen die Finger zu kriegen, orientiere mich aber am Gender, das der Name impliziert.

Aber darum geht es gar nicht, es geht um etwas wirklich Tragisches! Denn so gerne ich zwischendurch Podcasts höre, und mich durchaus auf einen bewusst queeren Einfluss im SciFi Genre gefreut habe … warum Paul Boehmer? Es ist mir völlig unklar, warum der so viel lesen darf, ich finde einfach er macht das nicht gut. Das klingt immer zu gekünstelt, zu stockig im Arsch, ich weiss auch nicht. Gerade bei Black Holes, in einer Geschichte in der auch gender-neutrale Pronomen  eingesetzt werden (yay!), klingen diese bei Paul Boehmer so mühselig, als hätte man einen Deutschen mit bewusst miesem Akzent englisch reden lassen („Where is ze way to ze hospital?“). Auf diese Weise stört mich der Laut zu sehr und unterbindet damit das eigentliche Ziel, nämlich solche Pronomen als völlig normale Alternative einzusetzen.

Ich bin an sich schon eher schmerzbefreit wenn es um Stimmen in Kurzgeschichten geht, aber das ist nun schon die zweite Geschichte aus der „Queers destroy“ Reihe, die ich nach ca. 15 Minuten abbrechen musste, da mich seine Stimme die imaginären Wände hochgetrieben hat. Schade drum, ich hoffe sehr dass ich den Stories demnächst eine zweite Chance geben kann und sie dann selber lese. Some of ze zings sound better in my head :p

Wer also lieber liest, als hört, kann sich bei destroysf.com viel schlauer machen. Und bitte liebe queer Narrators: löst den Mann dort ab!

Unter Moskau verfahren

some spoilers incoming

Zumindest fühl ich mich so, wieso hat mich eigentlich keiner von diesen 784 Seiten abgehalten? Immerhin habe ich jetzt Metro 2033 erfolgreich hinter mir, und geteiltes Leid ist ja bekanntlich vervielfachtes Leid…

Gibt es eine Altersempfehlung für dieses Buch? Ich hab auf die Schnelle nichts dergleichen bei Amazon gefunden, nur viele Pressejubelstimmen und 4 Sterne bei 230 Rezensionen.

Äh, wat? 4 Sterne? Wofür? Ich weiss immer noch nicht was das eigentlich für ein Buch ist. Post-apokalyptischer Coming-of-Age Roadtrip mit einer Prise Horror? Oder so ähnlich, ich hab keine Ahnung. Aber ich bin hochgradig unterwältigt und ein wenig angefressen angesichts der Zeit … ok, Hörbuch, und ja, ich hätte ja auch aufhören können, aber ich hatte gehofft dass es irgendwie noch einen Sinn ergibt.

Artjom, der Protagonist erinnert mich viel zu häufig an den mauligen Simon aus Memory, Sorrow and Thorn. Nix gegen diese Bücher, aber der Bub war manchmal nervig. Ähnlich geht es mir mit Artjom, ab und an möchte ich ihm einfach einen Tritt in den Hintern versetzen, oder ausprobieren ob leichte Schläge gegen den Hinterkopf nicht doch das Denkvermögen erhöhen.

Sorry, aber die Hauptfigur ist unglaublich, hm, blass. Das ist gut, weil er leicht beeinflussbar ist und alles was er unterwegs so trifft, aufsaugt wie ein Schwamm, seien es Satanisten, Christen oder Wurmisten. Seine Fähigkeit diese Dinge in Frage zu stellen ist zwar vorhanden, kommt aber irgendwie immer zu kurz. Also ist das Buch so eine Art Religionstrip? Nö. Schliesslich trifft er ja auch auf Faschisten, Kommunisten und sonstige *isten. Nein, es ist auch kein Philosophietrip. Wirklich daraus lernen tut der Kerl auch nicht. Kann man jetzt streiten ob das gut oder schlecht ist.

Ausserdem gibt es Ratten, schlechtes Essen, wenig Licht, komische Träume / Visionen, Pilze, Moos, Kannibalen, Killer-Bibliothekare, Wahnsinnige, schier unendlich wirkende Vorräte an Munition (wieso gibt es davon eigentlich immer noch so viel, wenn die schon seit Jahren da unten leben und ständig am kämpfen sind?), Wasserfilteranlagen (wer wartet die eigentlich die ganze Zeit?), seltsame Monster und merkwürdige Drogen.

Achja, und Tunnel, massenhaft Tunnel. Also U-Bahn Tunnel. Unter Moskau. Das ist ganz hübsch, aber nicht so richtig praktisch, weil zumindest ich irgendwann verwirrt bin, wenn jede zweite Station Irgendwas-kaja heisst. Und dann haben die Russen auch noch die Unart, dass Personennamen etwas abhängig vom persönlichen Verhältnis sind.

Egal. Die Geschichte kommt bei mir einfach nicht an. Das Setting ist sicher toll, die beklemmende Atmosphäre kommt stellenweise gut rüber, aber ansonsten mäandert der Glukhovsky für meinen Geschmack oftmals zu viel herum. Der prophezeiter-aber-unwissender-Messias-stolpert-herum-und-muss-die-Welt-Retten Plot ist jetzt auch nicht so brandneu und die Umsetzung lässt für meinen Geschmack einfach zu Wünschen übrig.

Ich weiss nicht ob mir da kulturell etwas fehlt, ob die Übersetzung gelitten hat, es erreicht mich einfach nicht, und ich bin ernsthaft verwundert angesichts der Lobhudelei auf diversen Plattformen. Und eigentlich bin ich recht leidensfähig wenn es um Sci-Fi und Dystopien geht.

Ich hätte ja wirklich gerne an Gott geglaubt

zumindest in einem Buch mit dem schönen Titel „Last God Standing“ [leichte Spoilerwarnung]

Als unentschlossene zwischen Atheismus und Agnostik Schwankende, konnte ich mich dem Thema Religionen doch nie so völlig entziehen, bevorzugt jedoch in der humoristischen Variante, nicht als Sachbuch. Da gibt es durchaus viele Romane, ich sage nur American Gods, Lamb, Life of Pi, Norse Code, etc.

Jetzt eben auch Last God Standing. Schöner Titel, an sich eine gute Grundidee, Jesus / Gott gönnt sich ein Sabbatjahr und treibt sich als allergiebelasteter Asthmatiker in einem 08/15 Körper auf der Welt herum. Teil einer grotesk kaputten Familie und was kann mit dem Namen „Lando Calrissian Darnell Cooper anderes werden als Stand-up Comedian? Ja, auf total subtile Weise versucht er über diesen Weg eine Botschaft zu verbreiten, wer hätte es gedacht.

Ausserdem gehen ihm ständig andere Götter auf den Zeiger und versuchen ihn zu töten. So ganz wird nicht geklärt ob Götter jetzt eigentlich sterben oder nur verbannt werden. Da gibt es zum Beispiel Zeus, der einen leichten Hals hat auf den christlichen Emporkömmling, Dionysus der angestiftet wird, aus so ziemlich allen Religionen darf mal jemand durch’s Bild laufen. Christentum wird nicht direkt bevorzugt behandelt, es laufen jedoch auch Luzifer und ein paar Engel durch das Bild. Und – vielleicht weil der Autor zu amerikanisch ist – Islam wird kaum erwähnt.

Und dabei bleibt es leider auch, wirklich Charakter hat kaum einer der Charakter in dem Buch (Sorry for bad pun). Im Nachhinein habe ich festgestellt dass der Autor Michael Boatman auch noch Schauspieler ist. Aber auch das hätte ich nicht abgehalten, Hugh Laurie hat schliesslich auch ein gar nicht so schlechtes Buch geschrieben …

Trotzdem, das Potential für LGS ist vorhanden, die Sprache und die Geschichte an sich überzeugen mich aber nicht, es wirkt manchmal wie etwas das man als Grundlage für eine TV Serie nehmen könnte, sehr episodenhaft, ohne wirklich einen roten Faden aufzuweisen der stark genug wäre die ganzen Momentaufnahmen beisammen zu halten. (Und ich könnte mir vorstellen dass es als TV Serie auch unterhaltsam ist)

Ständige Referenzen auf Popkultur, die manchmal gezwungen cool wirkende Wortwahl und dann wieder zähe Erklärungsversuche für die „technische“ Wirkungsweise der Götter. Unausgegoren. Leider. Von der Idee her hätte ich das Buch wirklich gerne gemocht. Auch die „Message“ die Gott am Ende rüber bringt, ist nicht originell genug. Ich weiss nicht wer Zielgruppe für dieses Buch sein soll, für – sorry – Hobbychristen mag es unterhaltsam sein, Christenfundis würden sicher Erbsenbrei spucken und versuchen ihre Köpfe um 360° zu drehen während sie ihre Fuss- und Fingernägel in die Decke schlagen. Ich weiss nicht. Es ist unterhaltsam, aber nicht unterhaltsam genug. Lukewarm. Sorry, bei Lando Calrissian Darnell Cooper konnte ich da nicht anders.

Und auch wenn Gott am Ende als der Gute da steht. Er bleibt unglaubhaft.

 

Lies doch mal was vernünftiges

Zum Glück aller Beteiligten hat dies schon länger niemand mehr zu mir gesagt, da es mir aus unerfindlichen Gründen gerade aber wieder durch den Kopf ging, maule ich eben an dieser Stelle pauschal alle an, die so eine Unverschämtheit zu anderen oder gar zu mir sagen.

Der Kontext ist meist das Zugeben, dass man gerne Comics, Sci-Fi und Fantasy liest (an dieser Stelle möge der geneigte Leser nicht vornüber fallen, sondern das ‚und‘ auch gerne durch ein ‚oder‘ ersetzen)

Diese Aufforderung erfolgt oft von Leuten, die zwar lesen, aber dann gerne mal Auto/Biographien lesen und oder Selbsthilfebücher, vielleicht historische Romane wegen der realistischen Darstellung [insert skeptisches Husten here] dieser Epochen und – wenn sie sich mutig fühlen – im Urlaub mal vorsichtig in „zeitgenössische Literatur“ rein schnuppern.

Diesen und ähnlichen Leuten sei an dieser Stelle mit meiner charmant subtilen Art folgendes gesagt:

Haltet die Fresse

Es ist schön für Euch, dass Ihr Eure Bildung und Euer Wissen aus biographischen und wohl temperierten recherchierten Büchern bezieht, meinereiner macht das anders. Ja, auch ich lese „zeitgenössische Romane“, ich habe auch schon biographische Werke gelesen und ich werde trotzdem weiterhin auch Sci-Fi und Fantasy lesen.

Was Ihr in Eurer ablehnenden Ignoranz nicht wahrnehmt, oder wahrnehmen wollt, ist dass gerade alte Sci-Fi Bücher ein gangbarer Weg waren die jeweiligen Gesellschafts- und Regierungsstrukturen zu hinterfragen und mehr oder minder offen zu kritisieren. Jedes dieser Bücher kann man lesen und – wenn man den willens ist – daraus Denkanstösse ziehen! Sei es zu der Problematik der fortschreitenden Technik und ihrer Auswirkungen auf die Machtstrukturen ihrer Gesellschaft, zur Globalisierung und der damit einher gehenden weiteren Aufsplittung zwischen arm und reich, zur Genderfragen, zur Auflösung und Neubildung gesellschaftlicher Strukturen. Es gibt eigentlich kein sozialwissenschaftliches Thema, das nicht in einigen Büchern sowohl aus Sci-Fi als auch Fantasy abgearbeitet werden würde.

Und ja, es kommt darauf an wie man diese Bücher liest. Natürlich kann ich eine Vorkosigan Saga einfach zur Unterhaltung lesen, ich kann aber auch die ethisch-moralischen Hintergründe zum Klonen, DNA Manipulation, Transsexualität und traditioneller Geschlechterrollen dabei wahr nehmen und mich fragen wie sehr das die Ist-Gesellschaft widerspiegelt und welche Hoffnung die Autorin dabei in die zukünftige Entwicklung setzt.

Jede Alien Invasion kann als Unterhaltung betrachtet werden, wer sich die Mühe macht die Rassen auf eine Menschengruppierung zu projizieren, erfährt aber vielleicht viel über das Empfinden der politischen Situation des Autors dieser Zeit.

Und Fantasy? Ja natürlich kann man Fantasy abhandeln unter „Drachen, Zwerge, baumknutschende Elfen und jammernde Hobbits“ Muss man aber nicht, man kann sogar Harry Potter lesen und sich fragen was die gute Frau sich bei der Darstellung der Hauselfen eigentlich gedacht hat, und sich unangenehm an Herrenrassen erinnert fühlen wenn sie von ihren „pure bloods“ spricht. Man kann Goodkind’s Bücher lesen und sieht die Angst der Gesellschaft vor Dingen, die sie nicht versteht, und wie mit dieser Angst umgegangen wird.

Und geht doch mal Transmetropolitan lesen und denkt dann noch mal über die Menschheit nach. Und habt Ihr Euch mal gefragt warum damals die ganzen Superhelden so nötig waren?

Also kommt mir nicht mit so herablassenden Aufforderungen, oder dem Gerede von Eskapismus. Was ich an Wissen und Ideen, und – ja auch – Welten aus diesem „komischen Genre“ schon gesammelt habe, taugt für mich besser zur Selbsthilfe als „wie werde ich glücklich in 20 Tagen“ oder „die letzten Tage von Gustav Mahler“

Disclaimer: diese Gemaule richtet sich an Leute die diesen Genres nie eine ernsthafte Chance gegeben haben

A love story, or how „Straight white male“ almost broke my heart

The amateurs, Kill your friends, The second coming, Cold hands … yes, by then I got used to John Niven surprising me. And then came Straight white male. For the first few chapters I had no idea what to expect. At one point – I admit it – I seriously wondered if he would get all soppy and add a horrible „omg, I have cancer, I am going to die soon, I need to change my life asap“ moment. Thank god, he was better than that, and I bend my head in shame ever suspecting such lowly actions of him. Mea culpa, mea maxima culpa and all that.

Really, it is a grand book, it contains some of the most beautiful sentences. I am not sure if there is so much more prose in that book, or if I simply did not pay enough attention to his others.

And I am willing to bet someone else’s liver it is a love story. Love for family. Love for sex. Love for life. Love for love itself. And love for words. Above all, a love for words and writing.

Still, there are the jabs and punches, to pretty much everything. Movies, music, people in general. Understandable, laughable when we don’t consider the people contain us, terribly funny and bitterly true.

As always, when someone manages to write for writing, I feel that burst of pain inside me, which is always followed by „oh never mind, you were a child then and you could never have written anything remotely that good“. It helps, but the pain lingers.

Nevertheless, thank you for that book. For loving books. For loving words. For loving writing. And for being able to put that into words.

Ein Junge, ein Mädchen, ein Ozean

Ich bin Neil Gaiman Fan. Das ist auch gut so. Ich bin so sehr Fan, dass ich dem Gespielen untersage mir das neue Buch vorzulesen, weil es ein Hörbuch gibt, das Gaiman selber liest. Das hat er beim Graveyard Book getan, das war wundervoll, und beim Ocean at the End of the Lane hat er es wieder getan. Ich lasse mir doch nicht vom Gespielen vorlesen, wenn der Autor – der zum Glück sehr gut lesen kann – es selber vor liest!

Ich habe mich auf das Buch gefreut, ich habe die Review (eines Buches und einer Ehe) von Amanda Palmer nur sehr grob überflogen und bin allen sonstigen Reviews aus dem Weg gegangen, um nur ja nichts zwischen das Buch und mich kommen zu lassen. Reviews formen Vorstellungen, Erwartungen und Meinungen. In manchen Fällen will ich das nicht. Gerade bei Gaiman Geschichten sollte man das meiner Meinung nach auch nicht tun. Es ist viel schöner seine Geschichten zu lesen, in der Erwartung einer guten Geschichte und sonst nichts.

Ich habe letztens gehört, dass manche zu Verkaufszwecken Anansi Boys als eine Fortsetzung von American Gods bezeichnen. Schande über Euch!! kann ich da nur sagen. Bisher hat er in Buchform noch keinen Mehrteiler geschrieben. Er nimmt mal Charaktere und gibt ihnen eine eigene Geschichte, das ist aber keine Fortsetzung! Und vielleicht ist es gut, dass er keine Fortsetzungen schreibt.

Egal, Ocean. Wunderbar. Seltsam. Wunderbar seltsam. Ich habe eben Amanda’s Review gelesen und freue mich für sie. Im Gegensatz zu uns, hat er ihr scheinbar etwas erklärt. Aber ich beneide sie nicht darum. Ich kann das Buch mehrmals lesen, hoffentlich immer wieder etwas entdecken, was ich übersehen habe. Ganz verstehen werde ich es – hoffentlich – nie.

Mal sehen wie sich das entwickelt, zu American Gods gibt es eine Webseite, die die Gottheiten sammelt, erklärt und belegt. Vielleicht gibt es irgendwann eine Seite, die den Ocean erklärt. Vielleicht sollte ich sie gar nicht ansehen. Das Buch liess mich in einer Mischung aus Zufriedenheit, Verwirrung, Frustration und Trauer zurück. Aber nicht auf eine unangenehme Art.

Es ist halt eine Gaiman Geschichte, qualitativ ist sie meiner Meinung nach sehr nahe an American Gods, zu vergleichen sind sie inhaltlich überhaupt nicht.

Es ist die Geschichte eines Jungen, der ein Mädchen trifft, ihre Mutter und deren Mutter. Und ihren Ozean der ein Teich ist. Oder eben auch nicht. Die Geschichte eines Selbstmordes, einer Familie, eines Kindermädchens. Eine Geschichte darüber wie Kinder die Welt sehen, wie sie ihr entfliehen. Eine Geschichte über Grenzen. Eine Geschichte die einmal mehr zeigt, wie wichtig Fantasie ist, wie hilfreich. Wie traurig es ist, ihr Grenzen zu setzen, sie zu verlieren, sie aufzugeben. Eine Geschichte über den Konflikt von Realität, wie wir sie als Menschen wahrnehmen und von Realität wie sie vielleicht in Wahrheit ist.

Wer das nicht liest, ist doof selber schuld.

Shake your bones

Hah, weil es ja seit einiger Zeit auch auf deutsch existiert, zitiere ich mich mal eben selbst von der parallel-gesellschaft aus dem Jahre 2010:

Es ist ein wenig schwierig eine knackige Einleitung für das Buch zu finden. Vielleicht reicht manchen ja, dass Warren Ellis das Buch empfohlen hat. Und Scott Westerfeld. Dass es Leuten gefallen wird, die zum Beispiel auch China Miéville mögen. Oder eben einfach nur die Schlagwörter “Steampunk”, “Luftschiffe”, “Waffen” und “Zombies”.

Für diejenigen, die es lieber persönlich und emotionaler mögen: “Der aufwühlende Kampf einer alleinerziehenden Mutter um das Überleben und Wohlergehen ihres Sohnes” Gut, das klingt jetzt ein wenig zu sehr nach einer deutschen Produktion für Privatsender. Streichen wir das. Bleiben wir bei Steampunk und Zombies. Und den Luftschiffen.

Boneshaker spielt in einem fiktiven Seattle um 1880. Der Boneshaker, eine Maschine, die Goldförderung vereinfachen sollte, wurde unter mysteriösen Umständen dazu genutzt, das Bankenviertel von Seattle zu untergraben. Durch die Tunnel und die Erschütterung der Erde trat Gas aus. Gas, das im einfacheren Fall nur tödlich ist, im schlimmeren Fall jedoch die Leute zu Zombies macht. In hastigen Notfallmassnahmen wurde der betroffene Bereich Seattles evakuiert und im Lauf der Jahre wurde eine Mauer hochgezogen, die das Gas im Zentrum hält.

Ausserhalb dieser Mauern lebt Briar Wilkes zusammen mit ihrem Sohn Ezekiel, kurz Zeke, und arbeitet täglich daran, das Erbe ihres Namens hinter sich zu lassen. Tochter eines Mannes, der von den Einen als Held geachtet wird, da er beim Evakuieren des Stadtkerns Straftäter befreite, und bei den Anderen als Verräter gilt, da er beim Evakuieren des Stadtkerns Straftäter befreite. Ehefrau von Leviticus Blue, dem Erfinder eben jener Maschine, die Seattle ins Chaos stürzte. Als sei dies noch nicht kompliziert genug, treibt sich ihr pubertierender Sohn auch noch in fragwürdiger Gesellschaft rum und hat viel zu viele Fragen über Grossvater und Vater, die Briar einfach nicht beantworten will.

In seiner jugendlichen Ungeduld beschliesst Zeke daher, sich seine Antworten selber zu suchen und begibt sich in den abgesperrten Teil des Zentrums. Er hofft, im Haus seiner Eltern diese Antworten oder vielleicht einfach nur die richtigen Fragen zu finden. Was als kleiner Tagesausflug beginnt, entpuppt sich jedoch schnell als ein stressiger und gefährlicher Trip durch Teile Seattles, von deren Existenz er nicht einmal wusste.

Als Briar erfährt, wohin es ihren umtriebigen Sohn verschlagen hat und ein Erdbeben seine Ausgangsmöglichkeit im wahrsten Sinne des Wortes zu Staub zerfallen lässt, macht sie sich per Schmuggler-Luftschiff auf den Weg ihren Sohn zu suchen.

Nun irren zwei Leute durch ein ruiniertes Seattle, das teils bevölkert von Menschen ist und zu vielen Teilen bevölkert von Zombies. In der völlig fremden Umgebung müssen beide herausfinden, wem zu trauen ist, wie man in den Gasnebeln überlebt, welchen Wert Namen haben, sich gegenseitig finden, und eine Frage beantworten, die vieles ändern könnte für die überlebenden Menschen im Zentrum.